Koblenz/Waldshut

Deutsche Bahn will historische Eisenbahnbrücke über Rheingrenze abreissen

Dem geschützten Bauwerk, das Koblenz seit 1859 mit Waldshut (D) verbindet, droht laut Deutscher Bahn das Ende. Die SBB, denen auch eine Hälfte gehört, bestätigen die Pläne allerdings nicht.

Die historische Eisenbahnbrücke zwischen Koblenz und Waldshut droht von der Bildfläche zu verschwinden. Die Deutsche Bahn (DB) hat das 1859 in Betrieb genommene Bauwerk auf die Abrissliste gesetzt. Das schreibt der «Südkurier».

Die Zeitung beruft sich auf Aussagen eines Sprechers der DB. Gemäss dem Unternehmen gehört die älteste Gitterträgerbrücke Europas zu jenen Objekten, die umfangreiche Schäden vorweisen und bei denen es sich nicht lohnt, sie wirtschaftlich instand zu setzen. Sie ist angeblich so marode, dass ein Neubau erforderlich sei. Die Deutsche Bahn rechnet in den nächsten 15 bis 20 Jahren mit einem Ersatz.

Die DB erfasst Bauwerke in vier Zustandskategorien. Die Eisenbahnbrücke, die Deutschland und die Schweiz verbindet, stuft sie in Kategorie 4, der schlechtesten, ein. Bei Bauwerken dieser Gruppe sind die Schäden so gross, dass eine Sanierung sich nicht mehr lohnt und ein Neubau ins Auge gefasst werden müsse.

Keine Sicherheitsbedenken

Keine Bedenken gebe es laut der DB betreffend Sicherheit. «Auch bei in Kategorie 4 eingestuften Brücken besteht kein Risiko, die betriebliche Sicherheit jeder einzelnen Brücke ist gewährleistet», heisst es. Die Brücke wird sowohl von den Schweizerischen Bundesbahnen SBB als auch von der DB regelmässig überprüft. Die 128 Meter lange Stahlkonstruktion befindet sich je zur Hälfte im Eigentum der Deutschen Bahn und der SBB. Die deutsche Hälfte ist in der Denkmalliste des Landes Baden-Württemberg gelistet und geniesst damit einen besonderen Schutz vor baulichen Veränderungen. In der Schweiz ist die Brücke in das Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung (KGS-Inventar) aufgenommen worden.

Kenntnis von den Plänen der Deutschen Bahn haben auch die SBB. Von einer Abrissvariante ist dort allerdings nicht explizit die Rede. In nächster Zeit würden Studien zum mittel- bis langfristigen Erhalt der bestehenden Brücke durchgeführt, sagt Sprecherin Franziska Frey. Die SBB hätten sich dazu verpflichtet, kulturhistorisch wertvolle Objekte zu erhalten, heisst es weiter. «Vor einer allfälligen Umsetzung müsste das Objekt sowohl in Deutschland wie auch in der Schweiz aus dem Denkmalschutz entlassen werden», so Frey.

Irritation lösen die Absichten in Koblenz aus. Gemeindeammann Andreas Wanzenried äussert Bedenken, dass sich die verkehrstechnische Situation im Ort, der stark unter Staus an der Grenze leidet, verschärfen könnte. Ein solches Projekt müsse im Rahmen eines Gesamtverkehrskonzepts sorgfältig erarbeitet werden. Wanzenried mahnt eingehend, dass ein Abriss der Brücke auch aus historischer Betrachtung unter allen Umständen vermieden werden müsse.

Erste Linie nach Deutschland

Die Eisenbahnbrücke war Mitte des vorletzten Jahrhunderts die erste Gleisverbindung, welche unterhalb des Bodensees die beiden Rheinseiten auf deutscher und Schweizer Seite miteinander verband. Nördlich lag damals das badische Grossherzogtum, südlich die Eidgenossenschaft. Erst 14 Jahre später wurde in Basel der zweite Rheinübergang in Betrieb genommen. Die Bahnstrecke Turgi–Koblenz–Waldshut war die erste Eisenbahnverbindung zwischen Deutschland und der Schweiz.

Güterzüge fahren wegen der begrenzten Tragfähigkeit seit 1991 nicht mehr über die Brücke. Elektrifiziert wurde sie erst auf den Fahrplanwechsel 1999.

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