Herr Kleiner, die Abstimmungsergebnisse fielen sehr deutlich aus. Deutlicher, als Sie das erwartet haben?

Ich muss sagen: Die deutliche Zustimmung hat mich überrascht. Selbst bei Bad Zurzach ging ich nicht davon aus, dass sie so enorm sein würde. Die kleineren Gemeinden profitieren von der Finanzkraft von Bad Zurzach, aber auch diese profitiert. Die Chance, die Oberstufe halten zu können, erhöht sich etwa.   

Selbst die Bevölkerung von Mellikon und Rietheim folgte nicht der Empfehlung ihrer Gemeinderäte und stimmte deutlich für die Fusion. 

Bei den kleinen Gemeinden hat sich in den letzten Wochen das Bewusstschein geschärft zu ihren spezifischen Herausforderungen und Problemen. Dazu gehört das Stellen von Behördenmitgliedern oder der Nachteil einer kleinen Verwaltung. Aufgrund des Zuspruchs in den kleinen Nachbargemeinden wurde wohl manchen Mellikern klar, dass sie plötzlich ganz allein, als Enklave von Zurzach dastehen könnten. Bei der Verwaltung hätten sie eh auf den grossen Nachbarn zugehen müssen. Zugleich hat sich ein Bewusstsein für die Chancen einer Fusion mit Bad Zurzach entwickelt. 

Sie haben als Projektleiter schon diverse Fusionsprozesse, auch jenen von Bad Zurzachs Nachbargemeinden Döttingen und Klingnau. Die Diskussionen am Abstimmungsabend verliefen zum grossten Teil sachlich. Wie war Ihr Eindruck?

Ich habe hier viele sachliche Diskussionen erlebt. Gehässig war es nie. Schon in den Arbeitsgruppen waren die Gespräche differenziert. Ich muss sagen, ich habe in allen Gemeinden gute Gespräche geführt. Da sind Leute, die schauen in die Landschaft und in die Zukunft. Da waren keine Erbsenzähler dabei.

Der Abstimmungsabend war wohl wegweisend: Die neun Gemeinden dürften ihren Entscheid an der Urne bestätigen. Sie kennen andere Fusionsprozesse: Was ist für jenen von Rheintal+ typisch, auch für das deutliche Ja?

Die Finanzen sind natürlich ein wichtiger Grund. Ich sehe aber auch das Bewusstsein von einer gemeinsamen Schicksalsgemeinschaft, und das nicht nur bei den kleinen Gemeinden. Dazu gehört das Bewusstsein, dass es alleine schwierig wird. Das hat den Fusionsprozess beflügelt.

Jean-Claude Kleiner (65) begleitet als externe Fachperson regelmässig Fusionsprozesse. Im Aargau ist er aktuell nicht nur beim Projekt Rheintal+, sondern auch beim Projekt BEEH (Bözen, Elfingen, Effingen, Hornussen) im Oberen Fricktal mit der möglichen Fusionsgemeinde Böztal involviert. Er begleitete zudem den Fusionsprozess Döttingen-Klingnau, der 2013 mit einem Döttinger Nein und einem Klingnauer Ja an der Urne endete. Kleiner ist auch als FDP-Politiker Mitglied des Kantonsrates von Appenzell Ausserrhoden.