Coronavirus

Der TV Endingen mit einer ungewöhnlichen Sammelaktion – mit Unterstützung von Züri West

Auf den Trikots des TV Endingen werden die Namen von über 120 Unterstützern abgedruckt.

Auf den Trikots des TV Endingen werden die Namen von über 120 Unterstützern abgedruckt.

Die Surbtaler Handballer haben sich mit der Rockband «Züri West» zusammengetan und so bereits 12'000 Franken gesammelt.

Als Marc Schurgast aus Nussbaumen den Manager der bekannten Rockband Züri West anrief, war ihm gewiss etwas mulmig zu Mute. Schurgast, Juniorentrainer und Website-Manager des TV Endingen, hatte ein spezielles Anliegen. Er wollte abklären, ob er den Song «I schänke dr mis Härz» für ein Youtube-Video verwenden dürfe. Das Video heisst «Schenk euis din Name» und ist Teil einer ungewöhnlichen Aktion des Handball A-Ligisten TV Endingen. 

Für 100 Franken können Anhänger der Mannschaft ihren eigenen Namen oder den Geschäftsnamen auf den Match-Shirts der Spieler abdrucken lassen. «Unsere Schweisstropfen auf deinem Namen, das schweisst uns sprichwörtlich zusammen», so die Botschaft des Surbtaler Vereins. Die Sammelaktion soll die durch die Coronakrise entstehenden Ausfälle etwas abfedern.

Beworben wird die Aktion mit besagtem Video. Captain Christian Riechsteiner, Abwehrchef Simon Huwyler, Ehrenmitglied Stefan Keller und Junioren-Torhüter Leopold Thumann erklären in dem 2:11-Minuten-Clip, worum es bei «Schenk euis din Name» geht. Untermalt wird das Ganze mit dem Song «I schänke dr mis Härz».

Die Band Züri West will nicht auf die Trikots

Einige Tage, Anrufe und E-Mails nach dem ersten Kontakt hatte Schurgast das Okay des Bandmanagers erhalten. «Stefan Mischler hatte sich das Video angeschaut und wir durften das Lied gratis verwenden. Ich habe dann Angeboten, dass Züri West sich auch auf unseren Trikots verewigen könne, natürlich ebenfalls gratis», sagt Schurgast. Der Manager winkte ab. Da sein Sohn im Nachwuchs des BSV Bern spiele, wäre dies nicht vereinbar. «Aber ich werde Züri West sicher Tickets für eines unserer nächsten Heimspiele schicken», sagt Schurgast.

Bereits 120 Unterstützer machen bei «Schenk euis din Name» mit. «Das sind 12'000 Franken», sagt Schurgast. «Unser Geschäftsführer Christian Villiger sagt, für diesen Betrag müsste er lange bei den Sponsoren weibeln.» Der Anstoss für die Sammelaktion kam denn auch von Villiger, die Idee mit dem passenden Lied hatte seine Frau Chantal Fazan. Für die Umsetzung zeichnet Schurgast verantwortlich. Die Idee ist allerdings nicht ganz neu. Bereits in der letzten Saison hatte das Handball-Team von Pfadi Winterthur dasselbe gemacht.

Finanziell ist die Coronakrise für den TV Endingen wie für viele Sportvereine eine grosse Herausforderung. Die Saison wurde abgebrochen, die Playouts fallen aus. Immerhin wird der Verein in der nächsten Saison, die im Herbst starten soll, wieder in der Nationalliga A spielen können. Doch die Pandemie hat Ausfälle im hohen fünfstelligen Bereich verursacht. Fehlende Ticket- und Kioskeinnahmen und weniger Sponsoringbeiträge sind die Ursache. Da ist jeder zusätzliche Franken willkommen.

Ursprünglich hatte der Verein 100 Namenssponsoren angestrebt. Mittlerweile will man 150 erreichen. Gestern hat sich der TV Endingen zusätzlich entschieden, allen Namenssponsoren die neue Saisonkarte 30 Prozent billiger zu verkaufen. Bis zum 7. Juni läuft die Aktion noch auf verschiedenen Plattformen wie der Vereinshomepage, auf www.lokalhelden.ch oder auf Instagram und Youtube.

Die ganze Schweiz und auch das Ausland wurden dadurch auf den Dorfverein aufmerksam. «Die entfernteste Teilnahme erreichte uns von einem Auswanderer aus Thailand. Aber auch andere Handballvereine und -spieler liessen von sich hören und werden fortan während den NLA-Spielen auf den Endingen-Shirts vertreten sein», sagt Schurgast. Von St.Gallen bis in die Romandie hätten sich Menschen gemeldet, auch solche ohne Bezug zum Handball. Selbst Martin Pauli, der verstorbene, langjährige Torwarttrainer des TV Endingen, wird dank seiner Frau auf den neuen Trikots verewigt sein.

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