Döttingen

Der Traum von der Traum-Lehrstelle als Fleischfachmann

Metzgereibesitzer und Lehrmeister Albert Köferli mit seinen beiden Lehrlingen Samuel Binder (M.) und Jan Conrad beim Wursten.

Metzgereibesitzer und Lehrmeister Albert Köferli mit seinen beiden Lehrlingen Samuel Binder (M.) und Jan Conrad beim Wursten.

Im Sommer ist Lehrbeginn. Tausende Stellen sind noch unbesetzt. Besonders betroffen sind handwerkliche Jobs. Zu wenig attraktiv, heisst es. Zwei Lehrlinge in einer Metzgerei im Zurzibiet widerlegen dieses Vorurteil.

Samuel Binder weiss, was er will. Wer die bisherige zielstrebig verfolgte schulische und berufliche Laufbahn des 26-Jährigen verfolgt, kommt unweigerlich zu diesem Schluss. Wie viele seiner Altersgenossen war Binder nach neun Schuljahren müde, weiterhin nur die Schulbank zu drücken und den vorgezeichneten Weg von der Sekundar- in die Kantonsschule zu gehen.

«Sämi», wie ihn seine Freunde nennen, zog es schliesslich in eine Branche, die mit Nachwuchssorgen zu kämpfen hat. Damals hatte der Sohn einer Lehrerin und eines Meisterlandwirts aus Baldingen noch einen skizzenhaften Plan, aber eine Passion. Seine Leidenschaft galt der Produktion von hochstehenden natürlichen Lebensmitteln aus Fleisch auf dem Gelände des häuslichen Bauernhofs, gemeinsam mit seinem Bruder, der damals sein Agronomie-Studium in Angriff nahm.

Samuel Binder absolvierte eine dreijährige Lehre als Koch. Unmittelbar an die Lehre arbeitet er anschliessend unter anderem in renommierten Betrieben wie dem Gstaad Palace Hotel, dem neu eröffneten Hotel The Alpina Gstaad und absolvierte einen dreimonatigen Sprachaufenthalt in Vancouver. Anschliessend machte er sich an die Beschaffung des Know-hows im Bereich Gastronomie und Hotellerie sowie in den betriebswirtschaftlichen Fächern. Diese Station endete mit einem Abschluss als Hotelier/Restaurateur der Hotelfachschule Thun.

Während «Sämi» die Ausbildung absolvierte, war man auf dem heimatlichen Bauernhof nicht untätig geblieben. Neben einer bereits bestehenden Herde von Angus Kühen hatte sein Bruder mit der Haltung von Weideschweinen begonnen. Ideale Voraussetzungen also für die Fortführung des gemeinsam gehegten Plans. Samuel Binder beschreibt das so: «Meine Leidenschaft ist es nicht, in einem Hotel oder Restaurant Befehle auszuführen, sondern in einem eigenen heimischen Betrieb natürliche Fleischprodukte in hoher Qualität herzustellen.»

Nachwuchs gezielt fördern

Nötig dazu war allerdings noch die Erarbeitung des dazu nötigen Know-hows für die Herstellung erstklassiger Fleischspezialitäten. In der Folge schaute er sich bei verschiedenen Fleischfachbetrieben um. Er entschloss sich schliesslich, bei der in seiner Region bekannten Metzgerei Köferli in Döttingen für eine zweijährige Zusatzlehre als Fleischfachmann, Fachrichtung Verarbeitung, anzuheuern: «Ich suchte mir einen innovativen Betrieb mit einem guten Team, bei dem ich von A bis Z alles selber machen kann.»

Die Metzgerei im unteren Aaretal ist so ein Betrieb. Inhaber Albert Köferli sieht es als eine seiner Hauptaufgaben, den Nachwuchs und damit die Zukunft seiner Branche durch die Ausbildung von Lernenden zu fördern. Und, wie er selbst sagt: «Ich freue mich schon auf die weitere Zusammenarbeit mit Samuel Binder, wenn es mit der Umsetzung seiner Vision so weit ist.»

Erst am Anfang einer solch möglichen Entwicklung steht der siebzehnjährige Jan Conrad, der zweite Lernende, der in der Metzgerei eine Ausbildung als Fleischfachmann, Fachrichtung Gewinnung absolviert. Mit seinem eher feinen Körperbau entspricht Jan Conrad nicht dem typischen Bild eines Metzgers. Die Fleischbranche ist längst nicht mehr das, wofür sie in vielen Köpfen noch immer steht. Mit einem an die Erfordernisse der Zeit und der Branche angepassten neuen Berufsbild für Fleischfachleute und Fleischfachassistenten hat sich die Branche erfolgreich den Erfordernissen der Zeit angepasst und bietet vielversprechende Karrieremöglichkeiten. Als Beispiel dafür können die Geschäftsführer der drei grössten Schweizer Fleischbetriebe dienen, die Milliardenumsätze schreiben. Sie alle haben ihre Karriere mit einer Fleischfachlehre begonnen.

Etwas Handfestes produzieren

Zurück zu Jan Conrad, der an kalten Tagen am frühen Morgen von seinem Wohnort Lengnau auch mal mit dem Traktor zur Arbeit fährt. Aufgewachsen mit zwei Geschwistern auf einem Bauernhof wollte auch Jan nach der Sekundarschule nicht mehr weiter die Schulbank drücken und etwas Handfestes produzieren. Nach einer Schnupperlehre in einer Bäckerei und dann einer Metzgerei entschied er sich für die Lehre als Fleischfachmann. Die Faszination für hochwertige Produkte und deren Herstellung teilt er sich mit seinem Kollegen «Sämi».

Wie den meisten Schulabgängern fiel Jan Conrad nach dem Start im August letzten Jahres der Übergang von der Schule in die Lehre nicht leicht. Nach neun Monaten hat sich das geändert. Er hat ich an seiner neuen Arbeitsstelle inzwischen eingelebt und viel Spass am gewählten Beruf. «Alles im Plan», bescheinigt ihm auch sein Lehrmeister. Wohin ihn seine berufliche Zukunft führen wird, sei noch offen. Er möchte sich aber in jedem Fall weiterentwickeln und weiterbilden. Möglichkeiten dazu bietet ihm die Fleischbranche zur Genüge. Unterstützung auf diesem Weg erhält er von Samuel Binder und von seinem Lehrmeister Albert Köferli.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1