Bad Zurzach

Der Thermalbad-Turm wird doch nicht abgebrochen

Gebaut wurde der Turm ursprünglich als Wasserreservoir. Nun steht fest: Das fast 60-jährige Wahrzeichen von Bad Zurzach wird nicht abgerissen.

Gebaut wurde der Turm ursprünglich als Wasserreservoir. Nun steht fest: Das fast 60-jährige Wahrzeichen von Bad Zurzach wird nicht abgerissen.

Das Projekt für den fast 80 Meter hohen Neubau beim Thermalbad in Bad Zurzach wird nicht realisiert – wegen Heimatschutz und Denkmalpflege.

Das Turmhotel in Bad Zurzach werde abgerissen, der Flecken erhalte ein neues Wahrzeichen: Dies liess die Stiftung «Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden» im Februar 2015 verlauten. Mit Investitionen von 25 bis 35 Millionen Franken rechnete man damals für einen neuen, maximal 79 Meter hohen Turm. Der eidgenössische Natur- und Heimatschutz sowie die eidgenössische Denkmalpflege machen den Plänen nun aber einen Strich durch die Rechnung. In einem Gutachten kommen die beiden Kommissionen zum Schluss, dass ein Turm grundsätzlich nicht ins Ortsbild von Bad Zurzach passt.

Nur: Seit fast 60 Jahren steht ein 62 Meter hoher Turm beim Thermalbad. Ursprünglich wurde er als Wasserreservoir gebaut, um für einen ausreichenden und gleichmässigen Druck im angeschlossenen Wassernetz zu sorgen. 1964 wurden das Reservoir mit einem Fassungsvermögen von 100 Kubikmetern und das Hotel mit Panoramarestaurant in Betrieb genommen. Über die Ästhetik des Gebäudes sind sich viele uneinig.

Doch ob Bausünde oder nicht – der Turm hat sich unterdessen zu einem Wahrzeichen des Fleckens entwickelt. Dass die beiden Kommissionen dennoch der Ansicht sind, ein Turm passe nicht ins Ortsbild, wie die «Botschaft» berichtete, leuchte deshalb nicht ein, sagt Stiftungsratspräsident Beat Edelmann. «Wir haben das Fazit aber zur Kenntnis genommen, ein neuer Turm ist damit vom Tisch.» Zwar handelt es sich beim Gutachten nur um eine Empfehlung, doch vor Gericht hätte das Neubauprojekt einen schweren Stand.

Neuer Turm wäre zu nah am geschützten Ortsbild

Auch die Gemeinde zeigt sich etwas irritiert über das Fazit des Gutachtens. «Insbesondere, da der eidgenössische Heimatschutz einen Abbruch des Turms akzeptiert hätte, während der Aargauer Heimatschutz sich für die Erhaltung des Baus einsetzt», sagt Ammann Bernhard Scheuber. Er zeigt aber Verständnis für die Argumentation, dass der neue Turm grösser, voluminöser und näher am geschützten Ortsbild des Fleckens gewesen wäre. Mit dem Stopp des Neubauprojekts wird auch die damit zusammenhängende, angestrebte Teilzonenplanänderung in der Kurzone auf Eis gelegt. «Die Ideen daraus werden aber in die Gesamtrevision der Bau- und Nutzungsordnung einfliessen.»

Was mit dem bestehenden Turm passiert, ist noch unklar. 2016 wurden die Hotelzimmer des ehemaligen «Turmhotel» in Büroräume der Stiftung umfunktioniert. Mit der Schliessung des Hotels Tenedo, das sich neben dem Turm befand, wurde aus dem Panoramarestaurant im 16. Stock ein Eventlokal. Das Restaurant diente den Hotelgästen als Frühstücksraum und war abends auch für die Öffentlichkeit geöffnet. Die Stiftung beschäftigt sich nun damit, wie der Turm rentabel und sinnvoll umgenutzt werden kann. «Das ist eine grosse Herausforderung», sagt Beat Edelmann.

Ein Abriss kommt nicht in Frage

Denn eines der Hauptprobleme des Wahrzeichens ist der kleine Grundriss von zehn auf zehn Metern, wovon Lift und Treppe einen Teil beanspruchen. Auch liegen die drei Stockwerke brach, in denen sich das Reservoir befand und die deshalb keine Fenster haben. Auch hat der Turm bauliche Mängel, unter anderem was die Isolation betrifft. Verschiedene Möglichkeiten stünden aber bereits im Raum, beispielsweise für eine Umnutzung als Geschäftsliegenschaft oder eine komplette Aushöhlung.

Sicher sei, dass die Aussichtsplattform und Gastronomie in einer Form erhalten blieben. «Das neue Eventlokal wird bereits rege gemietet», sagt Beat Edelmann. «Noch fehlt uns aber die zündende Idee für den gesamten Turm.» Glücklicherweise bestehe kein Zeitdruck. «Der Turm wurde damals sehr stabil gebaut.» Wunschszenario sei, in drei bis fünf Jahren ein Projekt präsentieren zu können.

Was aber bereits jetzt feststeht: Ein Abriss kommt für die Stiftung nicht in Frage. «Der Turm ist ein Identifikationsmerkmal und aus Bad Zurzach nicht mehr wegzudenken», sagt Beat Edelmann, der im Flecken aufwuchs. So erkenne man Bad Zurzach dank des Turms beispielsweise aus dem Flugzeug schon von Weitem. Der Stiftungspräsident und seine beiden Brüder, Stiftungsratsmitglied Andreas Edelmann und Geschäftsleitungsmitglied Georg Edelmann, haben auch einen persönlichen Bezug zum Turm: Ihr Vater, Walter Edelmann, war als Verwaltungsrat der Thermalquelle AG Zurzach und Stiftungsratspräsident der damaligen Gemeinnützigen Stiftung für Zurzacher Kuranlagen massgeblich am Bau des Turms beteiligt. «Wir feierten alle unsere grossen Familienfeste im Turm», so Beat Edelmann.

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