Vier Aufführungen hat das Ensemble schon hinter sich, am Mittwochabend folgt die fünfte Vorstellung in Bad Zurzach. Nach zwei Aufführungen in Bülach wird das Stück Ende Oktober auch in Baden gegeben. «The King’s Speech» basiert auf historischen Begebenheiten, wurde als Film im Jahr 2010 mit vier Oscars ausgezeichnet und wird auch als Theaterproduktion hochgelobt.

«Die Rede des Königs» ist geprägt von Spannung: Gelingt es dem humorvollen und experimentierfreudigen Therapeuten Lionel Logue, die Widerstände des stotternden Albert, dem Herzog von York (genannt Bertie), zu überwinden? Gelingt es Bertie, seine Ängste und und Vorurteile gegenüber dem Schauspieler und selbst ernannten Therapeuten zu überwinden? Im Verlauf der Geschichte wird es auch aus politischen Gründen für Bertie immer wichtiger, dass er es schafft, sein Stottern zu überwinden, um anstelle seines Bruders, welcher mit Hitler sympathisiert, als neuer König die englische Nation zusammenzuhalten.

Schnell wechselnde Szenen

PurPurRot ist eine semiprofessionelle Theatergruppe. Das Ensemble, bestehend aus Amateuren und Profis, möchte anspruchsvolle Theaterstücke in die Regionen bringen, welche sich sonst aufgrund des Personalaufwands nur grosse Häuser in den Städten leisten können, wie Theaterleiterin Karen Ochsner sagt. Regisseur Christian Kraut verfolge ein klassisches Konzept von Theater. Er lege viel Wert auf psychologisch gut ausgearbeitete Personen und Geschichten. «The King’s Speech» beeindruckt durch überzeugendes Schauspiel, durch das suggestiv ausgeleuchtete Bühnenbild, welches den schnell wechselnden Szenen in Windeseile immer wieder neue Räume und Eindrücke verleiht. Kostüme und die sparsam eingesetzten Requisiten entführen die Zuschauer in die Zeit des Geschehens vor dem Zweiten Weltkrieg.

Aus Erfahrung geschöpft

Enzo Lanciano, der Darsteller von Bertie, hat sich vom Zürcher Sprachtherapeuten Alfred Beyeler coachen lassen. Alfred Beyeler sagt zum Stück, er sei sehr überzeugt davon und habe selbst schon ganz Ähnliches erlebt: «Ich hatte im alten Spital Adliswil die Möglichkeit, mit meinen Schülern auch in einem relativ schalldichten Luftschutzkeller zu arbeiten.» Dort habe er mit seinem Schlüsselbund auf einem grossen Blechtableau einen irrsinnigen Krach veranstaltet und die Schüler aufgefordert, währenddessen Gedichte von Descartes oder Wilhelm Busch zu zitieren oder laut zu lesen.

«Die Idee war, ihnen zu zeigen: Hey, siehst du, wenn du deine Stimme nicht hörst, dann geht das. Du hast einfach Angst vor deiner Stimme. Also akzeptiere deine Stimme, sei stolz auf sie», erzählt Beyeler. Und dann sei er in den Film gegangen und habe gesehen, wie Logue Bertie den Kopfhörer aufsetzt, klassische Musik spielen lässt, sodass Bertie seine Stimme nicht hören kann. «Da habe ich gewusst, wir sind wohl Seelenverwandte», sagt Beyeler. (AZ)