Bad Zurzach

«Der Stein zeigt mir, wo es langgeht»

Künstlerische Weggefährten: Maria-Soledad Zehnder (Malereien) und Urs Imhof (Skulpturen). ubu

Künstlerische Weggefährten: Maria-Soledad Zehnder (Malereien) und Urs Imhof (Skulpturen). ubu

Spannende Begegnung in der Galerie Mauritiushof. Die Motive von Maria-Soledad Zehnder führen teilweise auf Jugenderinnerung in Chile zurück und sind für sie «Seelenbilder».

Urs Imhofs Menschenskulpturen wirken, wie wenn sie sich vom Stein, aus dem sie geschaffen wurden, ihren Weg in die Freiheit gefunden hätten.

«Habe meine Berufung gefunden»

Die südamerikanische Künstlerin wuchs in Santiago, in Chile auf und studierte Innenarchitektur. Der Liebe wegen zog Zehnder in die Schweiz,
wo sie seit 25 Jahren lebt. Statt das Wohninterieur von Menschen zu verschönern, begann sie sich zunehmend für deren Innenleben und seelische Zustände zu interessierten und liess sich in Zürich zur Mal- und Kunsttherapeutin ausbilden. Später gründete sie mit ihrem jetzigen Lebenspartner Urs Imhof das Zentrum für Kunst und Therapie im Haus «Zum Steigbrunnen» Klingnau. «Ich habe damit meine Berufung gefunden», sagt sie.

Ihre eigenen Werke bezeichnet sie als «Seelenbilder» oder «Farbtafeln». Die Inspirationen dazu fand sie in der Natur, wo sie bereits als Kind gerne Kraft tankte: «Meine Mutter war Gartenarchitektin, die Sonne schien in Chile acht Monate im Jahr und ich war immer von Blumen umgeben.» In ihrer Fantasie transformieren sich Blüten und Landschaften in abstrakte, reduzierte Farb- und Formwelten, die bisweilen von fast ätherischer Zartheit sind oder vor Leuchtkraft zu explodieren scheinen.

Wege in die Freiheit suchen

Einige der Menschengestalten und Köpfe, die Bildhauer Urs Imhof aus Marmor, Granit oder Kalkstein meisselte, wirken, als ob sie ihren Weg in die Freiheit suchen. «Ich erachte es als Mission des Künstlers, dem Betrachter symbolisch zu vermitteln, dass eine Befreiung aus inneren Zwängen immer möglich ist», sagt Imhof. Um die Schönheit des Steins zu zeigen, lässt er oft eine kleine Fläche unbearbeitet; daraus entsteht ein faszinierender Kontrast zum sonst perfekt geschliffenen Kunstwerk. «Der Stein fordert eine klare Führung, lässt nur das Absolute zu», erklärt der Bildhauer.

Neben den Skulpturen präsentiert Imhof erstmals auch Malereien. Seine abstrakten, geheimnisvollen Bilderlandschaften sind eine Projektion von Gefühlen, Gedanken und Energien auf die Leinwand. Mit jeder neuen Farbschicht werden sie leichter und transparenter, bis sich Chaos und Unstimmigkeiten auflösen, zu einem für ihn vollendeten Gesamtwerk. «Ich entlasse mein Bild erst, wenn es in meinen Augen ‹erwachsen› ist. Wie eine Mutter, die ihr Kind mit der nötigen Reife in ein selbstständiges Leben ziehen lässt.»

Ausstellung In der Galerie Mauritiushof, Hauptstrasse 41, Bad Zurzach. Sie dauert noch bis zum 9. April 2012. Apéro mit den Kunstschaffenden am 18. März 2012, 11 bis 14 Uhr. Weitere Infos:
www.galeriemauritiushof.ch

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