Bundesrat Emil Welti (1825–1899), ältestes von neun Kindern einer angesehenen Zurzacher Familie, gehörte zu den dominierenden Schweizer Politikern des 19. Jahrhunderts. Nach der Kantonsschule Aarau, die er als Klassenprimus durchlief, und juristischen Studien in Jena und Berlin präsidierte er schon als 27-Jähriger das Bezirksgericht Zurzach.

Von 1856 bis 1866 war er Regierungsrat, ab 1857 auch Ständerat und von 1867 bis 1891 Bundesrat – 24 Jahre lang. Er amtete dreimal als Aargauer Landammann, zweimal als Ständeratspräsident und sechsmal als Bundespräsident.

Unterstützer der Gotthardbahn

Abwechselnd war Welti Verteidigungs-, Justiz-, Aussen- sowie Post- und Eisenbahnminister. Aufgrund seiner Gestalt, seines Einflusses und seiner deutschfreundlichen Haltung wurde er gelegentlich als «schweizerischer Bismarck» bezeichnet.

Seine grössten Leistungen waren der Anstoss zur ersten Totalrevision der Bundesverfassung seit 1848, die Schaffung des Schweizerischen Obligationenrechts, die Umwandlung der kantonalen Truppenkontingente in eine einheitlich ausgebildete Bundesarmee sowie die Unterstützung der Gotthardbahn und die Verstaatlichung grosser Eisenbahnlinien, die ihm allerdings nur teilweise gelang.

Welti ist zu den bekanntesten und weitblickendsten aargauischen Persönlichkeiten des vorletzten Jahrhunderts zu zählen – mit Heinrich Pestalozzi, Philipp Stapfer, Albrecht Rengger, Heinrich Zschokke, Friedrich Frey-Herosé, Samuel Schwarz und General Hans Herzog.

Zurzach errichtete ihm ein Denkmal, Aarau und Genf verliehen ihm das Ehrenbürgerrecht, die Universität Zürich den Ehrendoktortitel.

Werkstatt des Biografen

Wie kürzlich Wesen und Wirken Heinrich Zschokkes (1771–1848) in einem neuen Buch beleuchtet wurden, soll auch Emil Welti durch eine im Entstehen begriffene Biografie gewürdigt werden. Angeregt wurde sie vom verstorbenen Alt-Regierungsrat Hans Jörg Huber sowie vom ebenfalls verstorbenen Max Kalt, Präsident der Historischen Vereinigung des Bezirks Zurzach.

Seit 2007 unterstützt ein Verein das Projekt (siehe Kasten). Autor ist der Aarauer Historiker Heinrich Staehelin, der den 1978 erschienenen Band 2 der «Geschichte des Kantons Aargau 1830–1885» verfasste.

Staehelin berichtete an der Jahresversammlung des Trägervereins über den Stand seiner Forschungs- und Schreibarbeiten.

Teil 1 über die Herkunft, Jugend und die frühen Mannesjahre ist fertig; Teil 2 zu Weltis Tätigkeit als Regierungsrat, Ständerat, Bundeskommissär bei Unruhen in Genf sowie als Spezialist für Militär-, Eisenbahn- und Handelsvertragspolitik liegt im Entwurf vor.

Ein grosses Stück Arbeit sieht der Autor noch mit Teil 3 – Welti als Bundesrat – vor sich. Es gelte, aus sehr viel Material eine Auswahl zu treffen, Schwerpunkte zu setzen, den Stoff zu gliedern und leserfreundlich darzustellen. Eine zeitliche Prognose für den Abschluss mochte Staehelin nicht machen.

Ein Meisterstück

Nach dem «Werkstattbericht» beleuchtete der Autor Weltis neue Militärorganisation von 1874. Die Grenzbesetzung im deutsch-französischen Krieg 1870/71 mit der Internierung der Bourbaki-Armee hatte grobe Mängel im Wehrwesen bestätigt.

Eine einheitliche Bewaffnung und Ausrüstung, eine andere Taktik und eine längere Ausbildung drängten sich auf. Der EMD-Chef sah das Militär in grösserem Zusammenhang:

Er fasste auch die Fürsorge für Armeeangehörige und die ausserdienstliche Tätigkeit ins Auge. Sein Projekt wurde lebhaft diskutiert und der Bericht als die bis anhin gründlichste bundesrätliche Vorlage gerühmt. Das Lob galt auch Welti.