Rosmarie Schellenberg (52) wählt ungewohnt klare Worte, die verdeutlichen, wie ernst die Lage ist. Der Samariterverein Endingen kämpft ums Überleben. «Die Zukunft hängt an einem seidenen Faden. Wenn nicht rasch etwas geschieht, steht das Herz nach der nächsten Vereinsversammlung im Februar still», sagt die Präsidentin. Nach über 80 Jahren droht dem Verein das Ende. Sämtliche Rettungsversuche sind bisher gescheitert. Sei es, neue aktive Mitglieder zu finden oder mit einem anderen Verein aus Umgebung zusammen zu schliessen. Aus Würenlingen erhielt Schellenberg ebenso eine Absage wie aus Lengnau. Mit Döttingen kommt eine Fusion nicht infrage, weil der Verein selber akute Personalprobleme hat.

Was in Endingen momentan geschieht, ist bei weitem kein Einzelfall. Die Samaritervereine im Aargau kämpfen seit längerem mit sinkenden Mitgliederzahlen. Innerhalb von zehn Jahren ist deren Anzahl um ein Drittel zurückgegangen. «Aktuell sind es noch 85 Vereine mit knapp 2500 Mitgliedern», rechnet Kantonalpräsident Herbert Konrad (50) vor. «Pro Jahr verschwinden zwei bis drei Vereine», so seine betrübliche Bilanz.

Hilfsbereitschaft sinkt

Das grundlegende Problem ortet Konrad nicht bei den Samaritern an sich, sondern in der gesellschaftlichen Entwicklung. «Unser Einsatz wird, wenn es darauf ankommt, geschätzt.» Die Samaritervereine bieten an Schulsporttagen, Dorffesten oder Fasnachtsumzügen medizinische Versorgung und leisten im Ernstfall erste Hilfe, bis die Ambulanz kommt. «Aber immer weniger Leute sind heut bereit, sich für das Gemeinwohl zu engagieren.» Das Vereinswesen stehe gesamtschweizerisch unter Druck, so Konrads Befund.

Rosmarie Schellenberg teilt die Einschätzung des Verbandspräsidenten. In Endingen gehen die Mitgliederzahlen seit Jahren kontinuierlich zurück. «Dadurch müssen die Aufgaben auf immer weniger Schultern verteilt werden.» Irgendwann gehe die Rechnung nicht mehr auf. Momentan zählt der Samariterverein Endingen noch 16 Aktivmitglieder, die meisten deutlich älter als 50. Woran es zudem mangelt, sind Kursleiter.

Auf die kommende Versammlung haben nun einige Vorstandsmitglieder ihren Rücktritt angekündigt, darunter auch Rosmarie Schellenberg. Sie ist seit 20 Jahren im Verein, davon rund fünf als Präsidentin. «Natürlich könnte ich nochmals weitermachen, aber es würde das grundlegende Problem nicht lösen, sondern wäre lediglich Symptombekämpfung.»

Flammender Appell

Bestes Beispiel, auf wie wenig Resonanz das Engagement stösst, war der kürzlich durchgeführte Aktionstag, wo gerade einmal 20 Personen erschienen, davon die meisten Familienangehörige. Schellenbergs niederschmetternde Erkenntnis: «Der Samariterverein liegt in den letzten Atemzügen. Wir brauchen dringend erste Hilfe.» Ob ihr Appell erhört wird, dürfte sich diesen Samstag zeigen. Anlässlich der Samariter-Sammlung (beim Volg) hofft man auf Spenden und möglichst viele Interessenten. Es dürfte eine der letzten Gelegenheiten sein, dem Verein nochmals neues Leben einzuhauchen.