Bad Zurzach

Der Mann hinter dem farbenfrohen Zurzibiet-Kalender

Andreas Güntensperger hält seine Zurzibieter Heimat grafisch fest. Den ersten Kalender gab er 2011 heraus. Damals zeichnete er einzig Bilder aus Bad Zurzach. Im Kalender für das neue Jahr sind auch Sujets aus anderen Zurzibieter Orten zu sehen.

Ein kurzer, scheinbar flüchtiger Seitenblick in ein fremdes Gesicht. Dann schaut Andreas Güntensperger wieder auf seinen Zeichenblock, hält die Züge des Gegenübers auf Papier fest. Der jung e Künstler übt – Gebäude kann er fast im Schlaf zeichnen, Gesichter fallen ihm noch schwerer. Dazu setzt er sich gerne irgendwo in ein Café und malt drauf los.

Jetzt sitzt er ohne Zeichenblock, dafür mit Latte macchiato, in einem Restaurant in Bern. Schwarzes Hemd, Lederband mit Anhänger um den Hals, ein verschmitztes Grinsen im Gesicht. Der 24-Jährige wirkt unkompliziert, zuvorkommend und offen – kein Interviewpartner, dem man die Antworten mit der Pinzette aus der Nase ziehen muss.

Er gehört zu den besten

Seit wenigen Wochen lebt er hier in der Landeshauptstadt, studiert an der Hochschule der Künste visuelle Kommunikation. Was ist das denn? «Früher nannte man das wohl Grafikdesign», sagt er. «Es umfasst aber neben Illustrationen auch andere Kommunikationsformen, zum Beispiel Film.» Bis zu 100 Personen bewerben sich für solche anspruchsvollen Ausbildungen an Kunsthochschulen, nur etwa 15 schaffen es in die Studiengänge.

Auch wenn er jetzt temporär ins ferne Bern gezogen ist – eigentlich ist Andreas Güntensperger ein Zurzibieter mit Leib und Seele. Ein Bad Zurzacher sogar, hat er doch sein ganzes Leben im Flecken gewohnt.

Es sei schon ein bisschen seltsam, plötzlich alleine zu wohnen, sagt er schmunzelnd. «Aber ich lerne gerne neue Leute kennen, und am Wochenende gehe ich meist nach Hause ins Zurzibiet». Obwohl: Viele seiner Kollegen aus der Kindheit leben mittlerweile im Raum Baden-Wettingen.

Auch ein Kulturförderer

«Es ist schon so – Bad Zurzach ist ein ruhiges Erholungsgebiet, da hats nicht viel für die Jungen. Deshalb ziehen sie in die Stadt.» Um dem entgegenzuwirken, hat Güntensperger vor ein paar Jahren zusammen mit Freunden die «Huusgmacht» Kulturförderung ins Leben gerufen: eine Organisation, die Veranstaltungen für Jugendliche und junge Erwachsene ausrichtet.

Zudem war er lange Zeit in der Jubla und ist Mitglied der Guggemusig «Se Barzlis». Was heisst Mitglied – Güntensperger arbeitet überall an vorderster Front mit. Wenn man ihn allerdings darauf anspricht, wird er fast ein bisschen verlegen. «Ich habe halt nicht gerne Leerlaufzeiten», sagt er. «Und ich mag es, mich für etwas Sinnvolles zu engagieren.»

Aus diesem Grund hat Andreas Güntensperger auch den Zurzibiet-Kalender lanciert: «Es macht Spass, mit meinem zeichnerischen Können den Leute eine Freude zu machen.»

Sein Lieblingsbild zeigt den Klingnauer Stausee

Den ersten Kalender gab er 2011 heraus. Der für 2015 ist bereits fertig – «Einen Monat vor dem Weihnachtsmarkt in Bad Zurzach, das ist ein neuer Rekord. Sonst wurde ich jeweils nur dank Nachtschichten und auf den letzten Drücker fertig», sagt Güntensperger. Die 12 farbenfrohen Sujets beschränken sich nicht mehr wie in den Vorjahren auf Bad Zurzach, sondern bilden nun auch andere Zurzibieter Szenerien ab: Schneisingen im Herbst, das verschneite Full mit dem Schwarzwald im Hintergrund, der Klingnauer Stausee. Letzteres sei sein Lieblingsbild aus der aktuellen Kollektion, sagt der Künstler.

Zum ersten Mal sind die Bilder nicht mehr mit präzisen Strichen gezeichnet, sondern flächig mit Acrylfarben gemalt. Das möge er eigentlich lieber, sagt der Künstler. Aber auch bei der Acrylmalerei muss er – will er – genau arbeiten und die Dörfer möglichst exakt abbilden. «Die Leute sollen ihre Dörfer darauf erkennen.»

Rund 20 Stunden hat er an jedem Bild gearbeitet. Sowohl Motive als auch Technik seien sehr anspruchsvoll gewesen, sagt Güntensperger. «Beim ersten Kalender war ich auf einem komplett anderen künstlerischen Level. Man sieht, dass ich mich technisch weiterentwickelt habe.» Aus den früheren Kalenderbildern sind vier Motive – beispielsweise das Turmhotel als Aquarell oder das Verenamünster – auch als Postkarten erhältlich. Eines haben seine Bilder gemeinsam: Güntensperger hat darauf nur Gebäude und Natur festgehalten. «Das kann ich halt am besten», sagt der gelernte Hochbauzeichner. Eigentlich habe er nach der Berufsmatura Architektur studieren wollen, «aber ich habe gemerkt, dass es mich eher in die gestalterische Richtung zieht».

Häuser zeichnet Güntensperger derzeit nur noch für den Kalender oder als Auftragsarbeit für Freunde. Sonst arbeitet er an Flyern oder anderen Illustrationen. Am liebsten von Hand, nicht mit dem Computer. Oder er sitzt im Zug von Bern nach Bad Zurzach und zeichnet die Gesichter seiner Mitpassagiere, die sich im Fenster spiegeln, wenn es draussen dunkel ist – damit ihm Porträts bald ebenso leicht fallen, wie Landschaften.

Der Zurzibietkalender ist erhältlich auf zurzibietkalender.com, beim Tourismusbüro Bad Zurzach oder am Weihnachtsmarkt im Flecken am 6./ 7. Dezember.

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