Es duftet nach Himbeere, Banane und Zitrone. Eine grosse, blau-weisse Eismaschine füllt den halben Raum aus. Auf einem Tisch stehen Mixer und Messbecher. Wir befinden uns in der Glaceküche von Silvio Fant in Döttingen. Hier soll gerade die «beste Glace vom Zurzibiet» entstehen, wie uns Altmeister Fant versichert.

Interview mit dem neuen Gelateria-Besitzer Sedad Celebioglu

Interview mit dem neuen Gelateria-Besitzer Sedad Celebioglu

Seit bereits 23 Jahren verkauft der 74-Jährige seine Glace. Nach elf Jahren in Klingnau und einer zweijährigen Pause besitzt der Italiener seit mittlerweile 12 Jahren die Gelateria an der Hauptstrasse in Döttingen. Seit Anfang Jahr hat diese aber einen neuen Besitzer: Sedat Celebioglu. Einigen Fussballfans dürfte dieser Name ein Begriff sein. Celebioglu ist im Aargau eine wahre Regionalfussball-Legende.

Der 1,66 m kleine Sedat spielte in den Aktivmannschaften des FC Brugg und FC Muri. Die Fans nannten den Türken liebevoll «Kugelblitz» wegen seiner Grösse und des kleinen Bäuchleins. «Das war nur einer von vielen Spitznamen», sagt Celebioglu lachend, als wir ihn mit diesem Namen begrüssen. Der Mittelfeldspieler machte sich mit seiner unnachahmlichen Art einen Namen auf den Fussballplätzen im Aargau. «Ich werde heute noch von einigen auf der Strasse erkannt», sagt er stolz.

Wohnt noch im «Hotel Mama»

Seine fussballerische Laufbahn begann Celebioglu bei den Junioren in Döttingen. Der 31-Jährige ist im Dorf aufgewachsen. «Ich wohne heute noch in meinem Elternhaus», sagt er. Mit der Übernahme der kultigen Gelateria in seiner Heimatgemeinde schliesst sich für den Türken der Kreis. Schon als Jugendlicher und während seiner Aktivzeit als Fussballer ging er bei «Silvios Glace» ein und aus. «Mit der Zeit kamen wir immer mehr ins Gespräch. Im letzten Sommer fragte ich ihn, ob ich nicht einsteigen könnte», erzählt er.

Altmeister Fant dachte damals mit seinen 73 Jahren ans Aufhören und sagte seinem Stammkunden nach einigen Gesprächen zu. Der Italiener wollte sichergehen, dass seine langjährige Leidenschaft in guten Händen ist. Darum steht er trotz Pension noch heute jeden Tag in der Gelateria und unterstützt seinen Nachfolger. Der Eismeister gab dem ehemaligen Kicker auch seine Geheimrezepte weiter. «Diese habe ich über Jahre hinweg entwickelt. Jetzt sind sie perfekt. Vielleicht sogar die besten der Welt», sagt Fant stolz.

Interview mit dem alten Gelateria-Besitzer Silvio Fant

Interview mit dem alten Gelateria-Besitzer Silvio Fant

Für sein fortgeschrittenes Alter ist der Italiener noch gut in Form. Er sitzt auf einem kleinen Sofa vor der Theke und unterbricht Celebioglu während unseres Gesprächs immer wieder. «In der Schweiz muss man als selbstständiger Ausländer doppelt so gut wie die Einheimischen sein», wirft er plötzlich dazwischen. «Er ist ein kluger Mann, ich habe von seinen Sprüchen und Weisheiten viel gelernt», sagt Celebioglu, der Fant andächtig seinen «Meister» nennt. Der Döttinger ist voller Tatendrang und geht während unseres Gesprächs immer wieder in die Glaceküche. «Für eine perfekte Glace braucht es eine perfekte Herstellung», sagt er unter dem zufriedenen Nicken seines Vorgängers.

Bereits um 7 Uhr morgens beginnt er mit der Produktion von frischer Glace. «Silvios Glace ist weltweit einzigartig. Ich will diesen hohen Standard aufrechterhalten», sagt er. Im Zurzibiet geniesst die Gelateria aufgrund der Qualität grosses Ansehen. Eine Namensänderung steht darum nicht im Vordergrund. «Mein Meister hat mir aber vorsorglich den Künstlernamen Seppi verliehen, weil Sedat nicht zu einer Gelateria passt» erzählt er.

Wie sein Vorgänger legt auch Celebioglu viel Wert auf Hygiene. Der Boden in der Gelateria wird bei Hochbetrieb bis zu sieben Mal am Tag aufgenommen. Kleckert ein junger Kunde auf den Tisch im Aussenbereich des Ladens, geniesst die Säuberung höchste Priorität. «Keiner meiner Kunden sollte an einem klebrigen, dreckigen Tisch essen müssen», sagt er.

Mit den steigenden Temperaturen steigt auch die Kundschaft. Bis zu 600 Personen kamen bereits am ersten Frühlingstag in die Kult-Gelateria. Das Geschäft floriert. Das bedeutet viel Arbeit für die Regionalfussball-Legende. 16-Stunden-Arbeitstage sind für ihn zum Alltag geworden. In einer freien Minute geniesst er die Natur. «Ich bin gerne am Staudamm und an der Aare. Das Zurzibiet hat eine wunderschöne Landschaft», schwärmt er. In diesem Sommer muss er darauf wohl meistens verzichten. Celebioglu hat nämlich sieben Tage die Wochen geöffnet. Ferien sind keine geplant. «Das ist mir eigentlich egal. Momentan ist diese Gelateria mein Leben, mein Ausgang und meine Freundin», sagt Celebioglu und bedient gleichzeitig den ersten Kunden des Tages.