Koblenz

Der Grenzübergang ist regelmässig verstopft: Jetzt gibt es einen neuen Vorschlag für das Stauproblem

Der Grenzübergang  Koblenz: Nur während Corona war es hier ruhiger. (Archivbild)

Der Grenzübergang Koblenz: Nur während Corona war es hier ruhiger. (Archivbild)

Grossrat Andreas Meier will Koblenz vom Schwerverkehr entlasten. Rückenwind erhält er von einer internationalen Willenserklärung.

Seit Jahrzehnten kämpfen die Koblenzer mit Stau in ihrem Dorf, der Grenzübergang zu Waldshut ist regelmässig verstopft. Politiker auf beiden Seiten des Rheins suchen seit langem nach einer Lösung für das Problem. Diese Woche nun haben der Kanton Aargau und das Bundesland Baden-Württemberg mit dem sogenannten «Letter of Intent» eine Absichtserklärung unterzeichnet mit dem Ziel, den grenzüberschreitenden Verkehr entlang des Hochrheins zu verbessern. Nur wenige Tage später hat CVP-Grossrat An­dreas Meier aus Klingnau einen Vorstoss zum internationalen Lastwagenverkehr eingereicht, der täglich über den Zoll Waldshut-Koblenz rollt.

Dass die Schweizer und die deutsche Seite ihre Zusammenarbeit verstärken wollen, begrüsst Meier. «Meine Interpellation mit Fragen an den Regierungsrat sehe ich als Ergänzung dazu», erklärt er. So möchte der Grossrat unter anderem wissen, ob mit der unterzeichneten Absichtserklärungen bereits Szenarien einer neuen Verkehrsführung angedacht und die Nachbarkantone Schaffhausen und Zürich ebenfalls in die Planung miteinbezogen seien. Denn für Meier ist klar: «Der Zoll in Koblenz ist überlastet.» Insbesondere in den vergangenen fünf Jahren habe der Lastwagenverkehr über den Grenzübergang Koblenz stark zugenommen.

Lastwagen seien zu lange auf Überlandstrassen

Was den Grossrat auch stört: Die Lastwagen legen von den Autobahnausfahrten in Deutschland bis zu den Anschlüssen der A1 bei Baden und der A3 bei Brugg bis zu 80 Kilometer auf Überlandstrassen zurück. «Die Strecke ist somit eine der längsten LKW-Fernverkehrsstrecken auf Überlandstrassen im schweizerischen und europäischen Umfeld.» Denn der Zoll in Koblenz ist, obwohl der am viertstärksten befahrene Grenzübergang der Schweiz, im Unterschied zu anderen Knotenpunkten ohne Autobahnanschluss. «Mit negativen Auswirkungen für die Bevölkerung, die Verkehrssituation und die Infrastruktur.»

Auf mehreren Strassen in der Region seien Spurrillen spürbar, der Verkehr auf der ganzen Strecke laufe zunehmend zähflüssiger. Vom Kanton verlangt Meier in seiner Interpellation konkrete Zahlen zum Verkehrsanstieg, auch will er wissen, ob diese Verkehrszunahme auf den Strecken des Unteren Aaretals und des Siggenthals bei der Planung zur Oase einbezogen wurde.

Lastwagen sollen möglichst auf Autobahnen bleiben

Um den staugeplagten Grenzübergang in Koblenz zu entlasten, schlägt der Grossrat neue Zollübergänge vor. Einer sei denkbar zwischen Rheinfelden und Koblenz bei Sisseln, ein andere östlich von Schaffhausen. Dort könnten auch die Autobahnanschlüsse leicht auf einer kurzen Strecke ausgebaut werden. So sollen die Lastwagen von Stuttgart oder Karlsruhe her nicht via Koblenz auf Überlandstrassen fahren, sondern bei ­Sisseln oder Schaffhausen schnellstmöglich auf die Autobahn gelangen. Denn: «40 Tonnen schwere Sattelschlepper gehören nicht auf Überlandstrassen.» Vom Kanton will Meier nun konkret wissen, ob sich der Regierungsrat vorstellen könne, dass diese Autobahnverbindungen den Zoll in Koblenz entlasten könnten.

Eine neue Rheinbrücke zwischen Bad Säckingen und Murg ist auch im «Letter of Intent» angedacht (siehe Box), wodurch das Anliegen von Andreas Meier an Rückenwind gewinnt. Dass in der Absichtserklärung aber auch von einer zweiten Rheinquerung zwischen Waldshut und Koblenz die Rede ist, stimmt den Klingnauer kritisch. «Der Zollhof ist überlastet, so auch die Strassen in Richtung Baden und Brugg», sagt er. «Eine weitere Brücke würde den Grenzübergang noch attraktiver machen und mehr Verkehr anziehen, was das Problem noch verschärfen würde.» Nötig sei in Koblenz vielmehr eine Verbesserung der Verkehrsführung für Velofahrer und Fussgänger, die in der Region und entlang des Rheins unterwegs seien. «Für den Langsamverkehr wäre eine zweite Brücke sinnvoll.»

Meistgesehen

Artboard 1