Kaiserstuhl

Der Fotograf, der mit Muhammad Ali Wanderschuhe kaufen ging

Eric Bachmann aus Kaiserstuhl begleitete 1971 Muhammad Ali während seines Aufenthalts in Zürich - vor dem Boxkampf gegen den Deutschen Jürgen Blin. Vor Kurzem ist sein Buch dazu erschienen. Als Fotograf hat Bachmann zudem alle Kontinente bereist.

Kennen Sie Jürgen Blin und erinnern Sie sich an den Stephanstag 1971? In einem vor knapp drei Wochen erschienenen Buch mit dem Titel «Muhammad Ali, Zürich, 26. 12. 71» findet man die Antworten. Damals weilte der bedeutende Schwergewichtsboxer, neun Monate nach seiner legendären Niederlage gegen John Frazier, einige Tage in Zürich und schlug am zweiten Weihnachtstag im Hallenstadion den Deutschen Jürgen Blin.

Boxkampf Muhammed Ali gegen Jürgen Blin 1971 in Zürich

Boxkampf Muhammed Ali gegen Jürgen Blin 1971 in Zürich

Der Fotograf Eric Bachmann hatte Ali während dessen ganzen Aufenthalts begleitet, auch vor dem Fight – etwa beim Training im Wald auf dem Dolder und beim Kauf von Raichle-Wanderschuhen an der Landstrasse. Das Grossereignis und seine nahe Begegnung mit dem Mann, der 1999 vom Internationalen Olympischen Komitee zum «Sportler des Jahrhunderts» gewählt wurde, dokumentiert Bachmann auf 179 Schwarz-weiss-Abbildungen und 15 Farbfotos im Buch.

Zürich wurde ihm zu hektisch

1971 hatte der heute 74-jährige Bachmann noch in seiner Heimatstadt Zürich gewohnt – sofern er überhaupt mal zu Hause war. «Als Reportage-Fotograf habe ich alle fünf Kontinente und Klimazonen bereist. Als ich von einer Gelbsucht geschwächt von einer einjährigen Reise durch Südamerika zurückkehrte – in Chile hatte ich kurz vor dessen Tod Präsident Salvador Allende fotografiert – waren mir meine Wohnung am Limmatplatz und das Umfeld zu laut und hektisch.» Im Herzen von Kaiserstuhl konnte er ein Haus erwerben und lebt nun seit 40 Jahren im idyllischen Städtchen am Rhein.

Ab 1956 hatte Eric Bachmann in Zürich eine dreijährige Lehre im legendären Foto-Studio Meiner absolviert: «Wir haben die Klientel vom Züriberg und Zünfter mit stilvollen Porträts bedient.» Danach hatte das noch junge Schweizer Fernsehen ihn engagiert, wo Bachmann sich am Aufbau der Fotoabteilung beteiligte. Sehr bald aber hatte er die feste Anstellung gekündigt und ist seither freiberuflich tätig, war es jahrzehntelang intensiv auch fürs Fernsehen.

Das 2001 erschienene Buch «Leutschenbach Karambuli – Perlen aus dem Archiv eines Fernseh-Journalisten» legt dafür wunderbar Zeugnis ab. Die Bilder darin – auch viele von hinter den Kulissen der helvetischen Traumfabrik – vermitteln zahlreiche nostalgische «Aha»-Erlebnisse, fehlt darin doch keine Moderatorin, kein Quizmaster und kaum eine bedeutende Sendung von Heidi Abel über «Teleboy», von Sepp Trütsch bis «Wer gwünnt».

Daheim bei Eric Bachmann in Kaiserstuhl fühlt man sich auf Anhieb heimisch und in seinem Archiv kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Dort lagern weit über 211'000 Fotos geordnet nach Personen, Ländern, Themen. «Eines meiner Lieblingsthemen ist Wasser, nicht nur als Fotograf, auch als Privatmann spielt Wasser eine wichtige Rolle. Tauchen war seit eh eine grosse Leidenschaft von mir und ich züchte auch tropische Fische.»

Solche sind in seinem Haus in mehreren grossen Aquarien zu bestaunen. Stolz zeigt er eines davon, das als «Kinderstube» dient und in dem zurzeit 20, erst vor kurzem geborenen «Pseuditropheus autratus» herumtollen. Heimisch ist der zu Deutsch «Türkisgoldbarsch» in Afrika im Tanganjika- und im Malawi-See. Bachmanns Bericht über die Zeugung und Geburt dieser schillernden kleinen Fische ist faszinierend.

Kurt Furgler beim Geigenspiel

Genauso spannend sind seine Schilderungen von Begegnungen mit berühmten Menschen und schier unglaublich ist die lange, lange Liste der Promis, die er in seiner über 50-jährigen Karriere vor der Kamera hatte. Zwischen A wie Abba und Z wie Querfeld-Rennfahrer Albert Zweifel finden sich darauf unter anderem Samy Davis junior, Friedensreich Hundertwasser, Ella Fitzgerald, Igor Strawinsky ... «Als erster Fotograf hatte ich Anfang der 70er-Jahre Homestorys von Bundesräten machen können. Nachdem Pierre Graber zugesagt hatte, haben auch seine sechs Kollegen mitgemacht. Kurt Furgler zum Beispiel hatte ich mit seiner Geige, zusammen mit seiner Frau am Klavier beim Musizieren fotografiert.»

Unermüdlich ist der 74-Jährige damit beschäftigt, sein Archiv zu ordnen und voller Tatendrang plant er ein neues Buch zu seinem Lieblingsthema Wasser. Verheiratet war er nie. «Ich hatte immer wieder Frauenbekanntschaften und bin nun seit 15 Jahren mit einer Partnerin zusammen. Wir pendeln zwischen Kaiserstuhl, ihrer Wohnung in Saint-Prex und ihrem Haus im Tessin. Verheiratet aber bin ich seit 55 Jahren mit meinem Beruf.»

Den Link zum neusten Buch Muhammad Ali finden Sie hier

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