Yanik Kälin hat soeben seine Trainingseinheit im Tenniscenter in Leuggern beendet. Der 20-Jährige aus dem Ortsteil Hettenschwil befindet sich in der Vorbereitung auf die neue Saison, die für ihn nächste Woche beginnt. Die aktuelle Nummer 53 der Schweiz setzt voll auf die Karte Tennis. Im Interview erklärt er, wie er sein Ziel, den Sprung unter die besten hundert der Welt, erreichen will.

Yanik Kälin, Sie haben mit Roger Federer etwas gemeinsam.

Yanik Kälin: Da bin ich gespannt, was?

Er gibt in Melbourne an den Australian Open nach seinem Halbfinalsieg ebenfalls gerade ein Interview.

Das klingt gut (lacht).

Sie sind 20. Federer gewann im selben Alter sein erstes Profiturnier. Macht man sich da Gedanken, was er besser oder man selber vielleicht weniger gut gemacht hat?

Nein, eher weniger. Roger war schon früh sehr gut. Heutzutage wird es für die Jungen immer schwieriger. Das sieht man auch in der Weltrangliste. Die meisten Topspieler sind über 30. Aber mir den Kopf darüber zu zerbrechen, was man besser hätte machen können, bringt nichts. Ich versuche einfach meinen Weg konsequent weiterzugehen. Wo er schliesslich hinführt, werden wir dann sehen.

Was fehlt zum nächsten Schritt? Ziel müsste es doch sein, den Sprung in die Weltrangliste zu schaffen?

Das stimmt. So viel fehlt gar nicht. Ich war schon einige Male nahe dran. Was momentan noch fehlt, ist die Konstanz über drei, vier Matches.

Wie wollen Sie das ändern?

Weiterhin im mentalen Bereich Fortschritte erzielen, denn das Wichtigste ist, dass ich auch an mich glaube, wenn nicht alles nach Plan läuft.

Damit man sich verbessern kann, müssen Dinge weiterentwickelt werden. Was haben Sie im Vergleich zur letzten Saison verändert?

Ich habe viel Konditions- und Krafttraining absolviert. Im Vergleich zum letzten Jahr habe ich drei Kilogramm an Muskelmasse zugelegt. Ausserdem habe ich an meinem Aufschlag gearbeitet, was die Basis für ein erfolgreiches Spiel ist.

Das klingt nach Mehraufwand.

Ja, eine solche intensive Aufbauphase hatte ich noch nie. In den vergangenen Wochen waren es täglich 6 bis 7 Stunden.

Bei diesem Aufwand sollte am Ende auch der Ertrag stimmen. Wo stehen Sie Ende 2018?

In der Schweiz möchte ich den Sprung in die Top 30 schaffen. International ist das Ziel klar: Ich will die ersten ATP-Punkte sammeln und mich unter den besten tausend Spielern der Welt klassieren.

Sie haben 2016 gesagt, dass Sie in vier Jahren vom Tennis leben möchten. Dazu müssten Sie es unter die besten hundert der Welt schaffen.

Ja, etwa dann sollte ich in diesem Bereich sein. Sonst müsste ich über die Bücher gehen. Denn irgendwann kann man den Aufwand nicht mehr finanzieren. (Anm. der Red.: Kälin wird von Sponsoren über Crowdfunding und von seinem privaten Umfeld unterstützt. Sein jährlicher Aufwand beläuft sich auf rund 60 000 Franken).

Gibt es einen Plan B, falls Sie die gesteckten Ziele nicht erreichen?

Immer vorausgesetzt, dass ich verletzungsfrei bleibe, ist der Fokus voll aufs Tennis ausgerichtet. Sollte es nicht klappen, würde ich vermutlich mit einer weiterführenden Schule beginnen. (Anm.: Kälin hat die Bez in Leuggern abgeschlossen). Aber ehrlich gesagt möchte ich mich mit diesem Gedanken nicht zu fest befassen. Ich bin zuversichtlich, dass mir der nächst Schritt nach vorne gelingen wird.