Bad Zurzach

Der alte Marktflecken schwelgte in Nostalgie

Erica Schupp bestreitet in Bad Zurzach ein Heimspiel. Louis Probst

Erica Schupp bestreitet in Bad Zurzach ein Heimspiel. Louis Probst

Rund 60 Drehörgeler haben den Kurflecken bespielt. Das Treffen von Bad Zurzach, das durch Sponsoren und Gönner unterstützt wird, dürfte damit schweizweit der grösste Anlass dieser Art sein, der jedes Jahr stattfindet.

«Brennen die auch wirklich?», erkundigt sich der Mann am Trödelstand vorsichtig. In den Händen hält er eine Lichterkette mit lauter Lämpchen in der Form kleiner Samichläuse. «Wird ja jedes Jahr wieder Samichlaus», stellt er, wie entschuldigend, mit zwingender Logik fest. Nun, bis Samichlaus dauert es zwar noch ein Weilchen. Das Angebot am Antiquitätenmarkt in Bad Zurzach lässt jedoch kaum Wünsche offen.

Und es vermengt sich gewissermassen nahtlos mit der Musik, die prächtig gekleidete Damen und Herren ihren ebenso prächtigen Drehorgeln entlocken. Es lässt sich jedenfalls für den Uneingeweihten nicht auf Anhieb feststellen, was denn nun eigentlich beim 24. Drehorgeltreffen und Antiquitätenmarkt in Bad Zurzach im Vordergrund steht: die Drehorgeln oder die Antiquitäten. Das ist aber auch egal. Beides passt vorzüglich zueinander und taucht den Kurflecken in pure Nostalgie.

Vielfalt an Drehorgeln

«Rund 60 Drehorgelspielerinnen und Drehorgelspieler haben sich in Bad Zurzach eingefunden», erklärt Georg Dietschi aus Rekingen, der in Zusammenarbeit mit Bad Zurzach Tourismus – und mithilfe seiner Gattin Theres – das Drehorgeltreffen organisiert. Das Treffen von Bad Zurzach, das durch Sponsoren und Gönner unterstützt wird, dürfte damit schweizweit der grösste Anlass dieser Art sein, der jedes Jahr stattfindet.

«Viele Drehorgelspieler sind seit Jahren in Bad Zurzach dabei», sagt Georg Dietschi. «Stets kommen aber auch wieder neue. Damit ergibt sich eine Vielfalt an Drehorgeln.» Übrigens hat inzwischen der Mikrochip auch in der guten alten Drehorgel Einzug gehalten. «Es ist schön, dass es die Elektronikorgel auch gibt», meint Dietschi diplomatisch. «Ich habe eine mechanische Drehorgel. Da kann man etwas Herzblut ins Spiel hineinbringen. Mit dem Drehorgelspiel kann man den Leuten Freude bereiten. Plötzlich sieht man, wie sie mit dem Fuss zur Melodie mitwippen. Ich habe auch eine Rolle mit drei Appenzeller-Märschen drauf. Die sind recht zügig.»

Angekurbelt hatte das Drehorgeltreffen von Bad Zurzach vor 24 Jahren Ruedi Schupp. «Ich habe Ruedi Schupp jeweils im Hintergrund geholfen», sagt Georg Dietschi. «Damit hatte ich einen guten Einstieg. Ich habe allgemein Freude an der Musik. Ich bin aber ein spätberufener Drehorgelspieler. Mich fasziniert das.»

«Ich mag die alten Sachen»

Für Erica Schupp ist das Drehorgeltreffen in Bad Zurzach gewissermassen ein Heimspiel. Zur Drehorgel sei sie durch ihren Mann Ruedi Schupp gekommen, sagt sie. «Am Anfang bin ich zwar jeweils weit weg, wenn er gespielt hat. Nach einem Jahr habe ich dann aber selber gespielt. Es gefällt mir, den Leuten Freude zu machen. Etwas von dieser Freude kommt stets auch zurück.

Zudem braucht man beim Drehorgelspiel keine Noten. Man kann mit 80 Jahren noch spielen. Und selbst dann noch, wenn der Strom ausfällt.» Auf die Frage nach ihrem Musikrepertoire öffnet Erica Schupp den Deckel ihrer prächtigen Drehorgel, die in der Werkstatt von Josef Raffin in Überlingen am Bodensee gebaut worden ist, und weist auf das Papier-Lochband. «Es gibt auch neue Schlager», erklärt sie. «Ich habe aber lieber die alten Sachen. Mein Lieblingsstück ist Plaisir d’amour».

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