Tegerfelden

Deponie Buchselhalde – Birchmeier kontert Kritik: «Es werden Unwahrheiten erzählt und Fakten verdreht»

Markus Birchmeier sitzt im «Glockenzimmer» am Hauptsitz der Birchmeier Gruppe in Döttingen, wo seine Schwingtrophäen an der Wand hängen.

Markus Birchmeier sitzt im «Glockenzimmer» am Hauptsitz der Birchmeier Gruppe in Döttingen, wo seine Schwingtrophäen an der Wand hängen.

Bauunternehmer Markus Birchmeier äussert sich im Interview über die hitzige Debatte zur Referendumsabstimmung zur geplanten Erweiterung der Deponie Buchselhalde in Tegerfelden – was er im Nachhinein anders mache würde und die Bedeutung der Kiesgrube in Klingnau.

Selten hat eine Abstimmung Tegerfelden derart gespalten wie die geplante  für knapp 900'000 Kubikmeter Aushub. Am 24. November kommt es zur Urnenabstimmung. Über das zweite Projekt der Döttinger Birchmeier-Gruppe in der Region, die Kiesgrube Hard/Härdli, entscheidet die Klingnauer Wintergmeind bereits am Donnerstag.

Im Gegensatz zu Tegerfelden ist die Stimmung im Städtli ruhig. Verwaltungsratspräsident Markus Birchmeier erklärt, weshalb ihn die zum Teil massiven Vorwürfe der Gegner in Tegerfelden beschäftigen und was die Kiesgrube in Klingnau für das Unternehmen strategisch bedeutet.

Die geplante Deponie Buchselhalde wühlt die Bevölkerung in Tegerfelden auf. Haben Sie mit so heftigen Reaktionen gerechnet?

Markus Birchmeier: Nein, das haben wir unterschätzt. Wir arbeiteten von Anfang an mit Experten, Behörden und Begleitkommissionen eng zusammen, weil uns eine breite Abstützung des Projekts wichtig war. Solche Reaktionen und Aggressionen habe ich in dieser Weise noch nie erlebt. Die Gegner bringen keine stichhaltigen, sondern vor allem emotionale Argumente vor. Sie schüren so Angst – aber Angst ist ein schlechter Berater, denn die Fakten sprechen für sich. 

Treffen Sie diese Reaktionen persönlich?

Ja, ich finde es schwierig, wenn auf die Person gezielt wird, Unwahrheiten erzählt und Fakten verdreht werden. Es wird uns vorgeworfen, wir seien mafiös und würden Schulklassen für unsere Zwecke instrumentalisieren. Ich kann mir mit meinem Familienunternehmen, das seit Jahrzehnten in der Region verwurzelt ist, doch kein Projekt leisten, das nicht gut durchdacht und nachhaltig ist. Vor allem schmerzen mich die Angriffe, da demokratisch gewählte Volksvertreter, Kommissionen und Experten verunglimpft werden. Das ist eine gefährliche Entwicklung und entspricht nicht den urschweizerischen Gepflogenheiten.

Es kursieren Gerüchte, Sie würden bei einem Nein beispielsweise die Sponsoring-Beiträge für den Wysonntig oder die Unterstützung des Schwingkellers in Döttingen zurückziehen.

Solche unwahren Behauptungen sind einfach absurd. Mein Leben ist Schwingen, meine drei Söhne sind im Schwingklub Zurzach und ich bin Präsident des Aargauer Schwingerverbandes. Das wäre ja, wie wenn ich mir eine Hand abschneiden würde. Die Birchmeier Gruppe unterstützt schon seit Jahren diverse Anlässe in der Region. Aus Dankbarkeit und aus der Überzeugung heraus, dass wir hier, wo wir tätig sind, der Bevölkerung etwas zurückgeben wollen.

Es heisst auch, Sie würden das Pro-Komitee finanzieren.

Auch das stimmt nicht und ist eine Beleidigung für die Tegerfelder Bürger, die aus eigener Überzeugung das Projekt unterstützen.

Die Stimmung ist sehr aufgeheizt. Wie könnte man die Situation beruhigen?

Ganz ehrlich, das hätte ich der Bevölkerung von Tegerfelden gern erspart. Ich hoffe, dass viele die Gelegenheit wahrnehmen, sich am Samstag am Tag der offenen Grube ein eigenes Bild zu machen. Ein Anlass, den die Gemeinde organisiert. Schade, nutzt das Nein-Komitee diese Möglichkeit nicht auch. Das wäre im Sinne einer sachlichen Diskussion gewesen.

Hätte man die Gegner allgemein früher ins Boot holen müssen?

Nein, wir haben uns über Jahre bemüht, möglichst alle Beteiligten mit einzubeziehen, zu informieren, uns auszutauschen und verschiedene Anliegen aufzunehmen. Sonst würden uns heute Naturschutzverbände nicht unterstützen und die Begleitkommission nicht vertrauen. Mit Kritikern haben wir von Anfang an den Dialog gesucht. Aber fundamentale Gegner können wir nicht überzeugen.

Was würden Sie im Nachhinein anders machen?

Ich würde mehr in die Kommunikation investieren, früher und breiter informieren, wie es das Pro-Komitee macht, auch über soziale Medien.

Weshalb ist diese Deponie überhaupt so wichtig für Sie?

Der Standort ist sehr gut geeignet, da der Aushub aus dem Zurzibiet und angrenzenden Gemeinden kommt. Tegerfelden liegt in der Mitte, somit sind kurze Transportwege garantiert. Eine Variante wäre, über den Zurziberg nach Deutschland zu fahren.

Wieso dann unbedingt die Deponie in Tegerfelden?

Ohne Deponie käme es zu einer unnötigen Belastung für die Region. Denn wir müssten insgesamt 1,5 Millionen Lastwagen-Kilometer mehr fahren, was etwa 1300 Tonnen CO2-Ausstoss bedeutet. Die Wertschöpfung würde nicht in der Region stattfinden und Tegerfelden hätte unnötigen Mehrverkehr und keinen finanziellen Vorteil. Die Surbraum-Revitalisierung und ein Grossteil der wichtigen Ökoflächen zur Förderung der Artenvielfalt könnten ebenfalls nicht umgesetzt werden.

Gibt es keine alternativen Standorte im Aargau?

Nein. Ausser wir würden deutlich weitere Transportwege in Kauf nehmen. Das Aushubmaterial sollte in der Region deponiert werden, wo es anfällt.

Im Gegensatz zu Tegerfelden ist die Stimmung in Klingnau ruhig. Wieso?

In Klingnau handelt es sich um ein Kiesabbauprojekt in einem abgelegenen Gebiet. Das Kies gehört den Ortsbürgern, deren Partner wir sind, es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt. Das Landschaftsbild wird langfristig nicht verändert, da das Gelände in seinem ursprünglichen Zustand wiederhergestellt wird. Die Abstimmung an der Wintergmeind ist für uns matchentscheidend.

Weshalb?

Damit wären die Zukunft der Birchmeier Kies + Beton AG und 40 Arbeitsplätze in der Region gesichert.

Was würde passieren, wenn Sie die Deponie in Tegerfelden nicht realisieren könnten?

Es hätte gewichtige Nachteile, durch die wegfallende regionale Wertschöpfung stünden Arbeitsplätze auf dem Prüfstand, und wir wollen nicht den weiteren Weg nach Deutschland fahren, obwohl wir dort zu günstigen Konditionen abladen könnten. Unsere Unternehmung wäre aber nicht substanziell gefährdet. Wir glauben fest an ein Ja.

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