Döttingen

«De Herrgott isch ä Döttiger»: Grösster Winzerumzug der Deutschschweiz im Wetterglück

Das Winzerfest in Döttingen erreichte mit dem Umzug am Sonntag seinen Höhepunkt. Unter dem Motto «Mer gänd alles für de Aargauer Wii» zogen 55 Sujets – Musikkorps, Folkloregruppen und vor allem die mit Liebe und Fantasie gestalteten und mit vielen Blumen geschmückten Wagen – durch das Dorf. Der Regen kam erst ganz am Schluss.

Hätte der Wetterbericht recht behalten, wären die Zuschauer des Winzerumzugs wohl bis auf die Knochen nass geworden. Aber in Döttingen glaubt man nicht den Meteorologen, es sind höhere Kräfte im Spiel. «De Herrgott isch ä Döttiger», sagt Umzugsbesucher Peter Hug und blickt zum Himmel. Dass dem so ist, muss man lediglich dem aus dem Freiamt angereisten Journalisten erklären, in Döttingen ist diese Weisheit so bekannt wie unbestritten. 

Alexandra Stappung kann es bestätigen, es ist ihr 34. Umzug: «Ein einziges Mal hat es geschneit, das war in den 90er-Jahren – sonst hatten wir immer Glück. Manchmal tröpfelt es vor oder nach dem Umzug. Aber nie währenddessen.» Auch Beatrice und Guido Grand, beide in Döttingen aufgewachsen und auch schon aktiv am Umzug beteiligt, lassen sich von keiner Wetterprognose vom Winzerfest fernhalten. «Wir wissen es sehr zu schätzen, dass sich die Leute jedes Jahr solche Mühe geben. Auch heute war es originell und farbenfroh.»

Es war bereits das 68. Winzerfest in Döttingen, das am Sonntagnachmittag mit dem Umzug seinen Höhepunkt fand. Unter dem Motto «Mer gänd alles für de Aargauer Wii» zogen 55 Sujets – Musikkorps, Folkloregruppen und Wagen – durch das Dorf. 

Döttinger Winzerumzug – die Video-Highlights

Döttinger Winzerumzug – die Video-Highlights

Winkende Weinköniginnen, rassige Musikklänge und prächtig mit Blumen geschmückte Umzugswagen – so schön war der Winzerumzug des Döttinger Winzerfests 2019.

Für Viele bedeutet das Fest eine Rückkehr zu ihren Wurzeln

Die Zuschauer am Strassenrand dankten es mit Applaus und Zurufen. Die meisten kommen jedes Jahr. Und egal wen man anspricht, alle scheinen ihre Wurzeln in der Region zu haben. «Ich bin seit 50 Jahren verheiratet und lebe seither in Arosa, aber an den Winzerumzug komme ich jedes Jahr», erzählt Bernadette Meroni.

Auch ihre Tochter Katja verpasst das Ereignis nie. «Es gibt Kolleginnen, die sehe ich unter dem Jahr kaum, aber hier treffen wir uns – es ist eine Tradition.» Das Winzerfest sei ein Schweizer, nein vielmehr ein Döttiger Kulturgut, sind sich rundherum alle einig. Trotzdem freut man sich, dass auch Portugiesen, Türken und Italiener am Umzug mitwirken und so etwas internationales Flair in die Tradition einfliessen lassen.

Kinder wollen wegen dem Umzug nicht in die Ferien

Und was war in diesem Jahr besonders? «Die Wagen waren mit besonders vielen Blumen dekoriert, es war wieder wunderschön», gerät Doris Bruggmann ins Schwärmen. Und sie macht eine weitere Feststellung: «Mir ist aufgefallen, dass es sehr viele Kinder hatte.» Oft sei es der Nachwuchs, der die Eltern davon abhalte, in den Herbstferien wegzufahren. «Die Kinder wollen den Umzug unter keinen Umständen verpassen», erzählt sie.

Das können die Leiter von Jungwacht und Blauring, die zusammen mit den Jüngeren viele Sonntage am Wagen «Wyy›s Lager» gebaut haben, nur bestätigen. «Für die Kinder ist es ein Highlight. Ich kann mich gut erinnern, wie ich mich gefreut habe, als ich noch klein war. Aber auch heute macht es natürlich noch viel Freude», erzählt Kevin Kaufmann.

Das Geheimnis um die Bernhardiner

Nicht nur die Wagenbauer, auch die anderen Gruppen haben viel Zeit in die Vorbereitungen investiert. So etwa die Bernhardinerfreunde Benken, die sich regelmässig treffen, um mit den Hunden zu trainieren. Bernhardiner Igor macht sich schon lautstark bemerkbar, bevor es losgeht. «Er muss zeigen, dass er der Chef ist», erklärt sein Herrchen. Stellt sich die Frage: Ist am Winzerumzug das Fässchen um den Hals mit Wein oder Whisky gefüllt? «Es ist gar nichts drin», verraten die Hundebesitzer. Auch wenn Igor mit rund 70 Kilo ein recht kräftiges Tier ist, wäre es für ihn nicht angenehm, müsste er die ganze Strecke ein solches Gewicht mit sich herumschleppen. Nur für gewisse Showevents werde manchmal noch etwas Schnaps in die Holzfässchen gefüllt.

Nach rund zwei Stunden ist der Zauber wieder vorbei, die meisten Besucher gehen aber noch nicht nach Hause, sondern stehen in kleinen Gruppen und diskutieren – natürlich bei einem Glas Wein. Gab es am Umzug auch etwas auszusetzen? «Ich würde mir etwas ‹schmissigere’ Musik wünschen», sagt eine Besucherin. Mehr Kritik ist, sicherlich zurecht, nicht zu vernehmen. Und kaum ist der Umzug zu Ende, fallen die ersten Tropfen. Sie haben vermutlich eben doch recht, die Döttiger.

Eindrücke vom Winzerumzug 2019 in Döttingen

Eindrücke vom Winzerumzug 2019 in Döttingen

Die Bilder vom Winzermarkt am Samstag:  

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