Bad Zurzach

Das Zurzibiet zwischen Kanada und Kongo – so schön war die «SRF bi de Lüt»-Livesendung

Trotz Versprecher von Nik Hartmann: Die Sendung «SRF bi de Lüt» hat ein spannendes und abwechslungsreiches Porträt der Region gezeichnet – mit viel Internationalität.

«Ich ärgere mich wahnsinnig über meinen Versprecher», sagt Nik Hartmann, kurz nachdem die Livesendung SRF bi de Lüt zu Ende ist. «Machen Sie mit bei unserem Wettbewerb, zu gewinnen gibt es fünf Tage Ferien, hier in Bad Ragaz», hatte der Moderator in die Kamera gesagt, dann registriert, dass das Publikum unruhig wird, ein paar Lacher, empörtes Getuschel. «Ach du meine Güte, habe ich jetzt den falschen Ort gesagt? Natürlich Bad Zurzach. Freibier für alle!»

Die Zurzibieter werden ihm den Versprecher verzeihen. Aber nicht primär wegen des Biers, sondern weil es Hartmann schaffte, in seiner Sendung ein interessantes und abwechslungsreiches Bild der Region zu zeichnen. «Ich hatte ein gutes Gefühl, weil wir wunderschöne Geschichten zu erzählen hatten», sagt Hartmann. Und so ist auch der kurze versehentliche Abstecher in den Kanton St. Gallen nachvollziehbar, denn das Zurzibiet präsentierte sich weltoffen und international: Beat Schwaller, den es vor 26 Jahren nach Kanada verschlagen hat, ist dort ein Fernsehstar geworden. In «Timber King» zeigt er sein Können an der Motorsäge und baut eindrückliche Holzhäuser. «Ich war in Zurzach beim Berufsberater und fragte ihn, was ich als Zimmermann noch für Zusatzausbildungen machen könnte», erzählt Schwaller. Dieser habe ihm ein Austauschjahr vorgeschlagen. «Eigentlich bin ich also immer noch im Austausch», erklärt er grinsend. «Mein Herz ist nie ausgewandert.»

Auch im Kongo hat das Zurzibiet Einfluss: Bluthund Fame wird im Aargau ausgebildet, um später einmal in Afrika nach Wilderern zu suchen. Marlene Zähner trainiert ihre Tiere, damit sie für die anstrengenden Suchen gewappnet sind. «Ich kannte den Kongo nicht gross, als ich mit meiner Arbeit dort begann. Als eine erste Anfrage kam, wollte ich eigentlich keine Hunde dort runter schicken, schon gar nicht meine geliebte Rasse», erzählt Zähner. Inzwischen hat die jahrelange Zusammenarbeit mit den Rangern dazu geführt, dass der Bestand der Berggorillas um einen Drittel gewachsen ist.

Schüler stehlen allen die Show

In der Sendung wird nicht nur die Gemeinde, sondern die ganze Region porträtiert. So widmet sich SRF auch der Sage des «Lindengigers» oder der langjährigen jüdischen Tradition von Endingen und Lengnau. Auch musikalisch setzt die Sendung ganz auf Aargauer Qualitäten: Pepe Lienhard tritt erstmals seit 15 Jahren wieder mit seinem Original-Sextett auf und gibt Swiss Lady zum Besten. Adrian Stern holt sich dagegen Verstärkung von der Klasse 2B aus Zurzach. «Als sie vom Auftritt am Fernsehen hörten, waren sie hell begeistert und fragten, ob sie dann auch eigene Autogrammkarten bekommen würden», erzählt ihre Lehrerin Alexandra Prunner. Und tatsächlich vermag der Nachwuchs den gestanden Stars die Show zu stehlen – sie singen mit einer Begeisterung und Freude, die sofort auf das Publikum überschwappt.

Die Entstehung einer Szene: Blick hinter die Kulissen bei den Dreharbeiten von SRF bi de Lüt in Bad Zurzach (6. April 2019)

Die Entstehung einer Szene: Blick hinter die Kulissen bei den Dreharbeiten von SRF bi de Lüt in Bad Zurzach (6. April 2019)

Überhaupt war die Stimmung vor und während der Sendung äusserst gut: Auch wenn zu Beginn ein Regenschauer über die Zuschauer rund um das Verenamünster zog, waren die Bänke bis auf den letzten Platz gefüllt. Daniel Baumgartner, Gemeindeschreiber und Mitglied des Organisationskomitees, fasst zusammen: «Wir haben sehr viel Herzblut, Energie und Kraft hier rein gesteckt. Dass es so gut herausgekommen ist, rührt mich fast schon zu Tränen.» Gemeindeammann Reto S. Fuchs pflichtet ihm bei: «Die Arbeiten am Fusionsprojekt Rheintal+ und die Sendungsvorbereitung waren eine Doppelbelastung – eine intensive, aber sehr schöne Zeit, mit viel positiver Energie», beschreibt er. Ein grosses Lob gehe auch an die vielen Helfer, sind sich beide einig: 21 Vereine und Firmen mit rund 350 Freiwilligen trugen einen grossen Teil dazu bei, dass man sich im Zurzibiet noch lange an dieses Fest erinnern wird.

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