Bauzonen

Das Zurzibiet soll wachsen, aber wie?

Platz hat es genug (im Bild Klingnau, vorne und Kleindöttingen): Die Kunst ist, wie er künftig sinnvoll genutzt wird.

Damit die Gemeinden im Bezirk attraktiver werden, sollen bestehende Bauzonen besser genutzt werden. Die Zeit drängt.

Attraktive Dorfzentren, hochwertige Wohn- und Gewerbegebiete, begrünte Freifläche – und das alles muss noch ins bestehende Ortsbild der Gemeinde mit all ihren Bau- und Nutzungsordnungen passen: Was sich auf dem Papier gut liest, stellt Gemeindevertreter oftmals vor grosse planerische Herausforderungen. Ihre Überlegungen für die Arealentwicklung in der Gemeinde muss den Interessen der Bevölkerung, den Eigentümern der Grundstücke und potenzieller Investoren entsprechen.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, plädiert der Gemeindeverband Zurzibiet Regio für eine «partnerschaftliche Arealentwicklung». Der Verband macht sich dafür stark, den Bezirk Zurzach als Standort für Wohnraum, Gewerbe und Tourismus voranzubringen. Das Potenzial ist gross: In der Region befinden sich 217 Hektar unüberbaute Bauzonen. Gemäss Verbandspräsident Felix Binder sind davon rund 70 Prozent (180 Hektaren) erschlossen und «parat zum Überbauen». Hinzu kämen positive Standortfaktoren wie erschwinglicher Wohnraum und intakte Natur.

Binder hebt aber den Mahnfinger: Die Standortentwicklung sei für das Zurzibiet dringend notwendig. Im kantonalen Vergleich weist die Region laut einer Studie eine schlechte Bevölkerungsentwicklung auf. Diese würde bei Untätigkeit 2040 ähnlich niedrig wie noch 2014 sein. Die Folge: Junge Menschen ziehen fort, die Schülerzahlen könnten bis 2029 um zwanzig Prozent einbrechen. Fussballclubs und Vereine kämen bei dieser Entwicklung in Straucheln. Binder: «Wir sind nicht zufrieden mit dieser Entwicklung. Die Region muss nicht explosionsartig wachsen, wir wären schon froh, wenn wenigstens alle Gemeinden Wachstum aufweisen.»

Potenzial ist da, die Nutzung fehlt

Das Ziel von Zurzibiet Regio ist nun, die Gemeinden davon zu überzeugen, dieses Potenzial sinnvoll zu nutzen. Als erster Schritt wurden rund 50 Gemeindevertreter, Architekten und Unternehmer zu einer Veranstaltung geladen, die Orientierung schaffen soll: Insgesamt sechs «Best-Practice-Beispiele» aus dem Aargau wurden präsentiert, die Hälfte davon im Zurzibiet. Zwei Exkursionen ins Koblenzer Hinterdorf und ins Zurzacher Bahnhofsgebiet zeigten direkt vor Ort gelungene Planungskonzepte auf. Die restlichen vier Projekte wurden von den externen Gemeindeammänner im Zentrum Langwies in Bad Zurzach vorgestellt.

So erzählte beispielsweise Kurt Diem aus Stetten von einem Testplanungsverfahren, dass man für das dortige Belinox-Areal anwandte. Nach der Schliessung der Firma «Belinox» lag das Gelände mitten im Dorf brach, nun soll ein Gemeindezentrum entstehen. Der Vorteil am gewählten Testplanverfahren sei, dass die verschiedenen Entwürfe alle denkbaren Varianten zur Umnutzung des Areals abdeckten, betonte Martin Eggenberger, Raumplaner des Projekts. Jürg Rüttimann hingegen konnte darlegen, wie in Jonen ein Projektwettbewerb ausgetragen wurde.

Alle Referenten sprachen sich für einen regen Austausch zwischen der Gemeinde und den beteiligten Interessenten aus. Dominique Erdin vom Bauplanungsunternehmen «sa_partners» ermutigte die Anwesenden, mehr Eigeninitiative zu ergreifen: «Warten Sie nicht auf Investoren, sondern gehen Sie auf die Eigentümer zu.» Wichtig sei vor allem, sich eine Vision für die Arealentwicklung zu überlegen.

Mutige Entscheidungen nötig

Ausser den Beispielen in Bad Zurzach und Böttstein – die geplante Umnutzung des acht Hektaren grossen Grossachers – beinhalteten alle vorgestellten Projekte die Entwicklung eines Gemeindezentrums. Dass so viele Gemeinden auf einen Ortskern setzen, an dem man sich treffen kann, sei eine erfreuliche Entwicklung, findet Felix Binder. Allerdings sei diese Vision baulich schwer umzusetzen.

Zurzibiet Regio will seinen 25 Partnergemeinden nun dabei unter die Arme greifen: An der Veranstaltung wurde eine 30-seitige Arbeitshilfe ausgeteilt, die als Bauanleitung für partnerschaftliche Arealentwicklung zu verstehen ist. So riet Jürg Rüttimann den Anwesenden beispielsweise, stetig transparent im Austausch mit der Bevölkerung zu sein und sie zu Info-Anlässen einzuladen, um allfälliger Skepsis entgegenzutreten. Felix Binder pflichtet ihm bei: «Man muss den Mut haben, schwierige Entscheidungen zu treffen, die aber wichtig für das Dorf sind.»

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