560 000 Besucher kommen jährlich nach Bad Zurzach. Zwei Drittel davon sind Tagesgäste des Thermalbades, etwa jeder Fünfte bleibt mindestens eine Nacht. Zum Vergleich: Das Verkehrshaus in Luzern verzeichnete im letzten Jahr knapp 520 000 Museumseintritte, den Rheinfall besuchen jährlich rund 800 000 Gäste.

In der Wertschöpfungsstudie wurde untersucht, welche touristische Wirkung die Gäste der wichtigsten einheimischen Tourismusinstitutionen haben – das Thermalbad, die Gesundheitszentren, die Hotellerie, die Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden sowie die Bad Zurzach Tourismus AG. «Im Prinzip ging es um die Frage, was Bad Zurzach der Region bringt – und was die Region für Bad Zurzach tun kann», sagt Peter Andres, Verwaltungsratspräsident der Bad Zurzach Tourismus AG. Man habe untersucht, welches touristische Potenzial in der Region schlummere. «Die Zahlen belegen nun glasklar, was wir vermutet haben: Der Tourismus spielt in der Gegend eine grosse Rolle – und es gibt noch viel Luft nach oben.»

Ganze Region kann profitieren

«Stammgäste sind von grosser Bedeutung», erläutert Christian Höchli von der Firma Rütter Soceco AG, welche die Studie durchgeführt hat. Rund die Hälfte der Thermalbad-Besucher nutzt das Bad mehr als fünf Mal pro Jahr. Kurgäste, die einmal zum gesund werden nach Bad Zurzach kamen, kehren später häufig zurück und nutzen dann primär das Freizeit- und Wellness-Angebot.

«Die meisten Gäste, über 80 Prozent, kommen wegen des Thermalbades nach Bad Zurzach. Es ist also Dreh- und Angelpunkt des gesamten Angebotes», führt Höchli aus. Und: «87 Prozent der Übernachtungsgäste und 30 Prozent der Tagesgäste nutzen weitere Aktivitäten in der Region.» Hier ortet Höchli enormes Potenzial: Die Tagesausgaben pro Gast lägen im Zurzibiet tiefer als in anderen Regionen. «Salopp gesagt: Die Gäste suchen nach weiteren Möglichkeiten, um ihre Freizeit zu verbringen und Geld auszugeben – und finden sie nicht immer», ergänzt Peter Schläpfer, Geschäftsführer der Bad Zurzach Tourismus AG.

Der Tourismus sei eine Querschnittbranche: Von drei generierten Franken bleibe nur einer im Tourismus, der Rest fliesse in andere Bereiche, zum Beispiel in den Detailhandel. «Die ganze Region könnte noch mehr von der Sogwirkung Bad Zurzachs profitieren», betont Schläpfer. Damit aber möglichst viele Zurzibieter etwas von den Gästen haben, sei es zentral, dass das nötige Tourismusbewusstsein geweckt werde. Daran mangelt es laut Höchli nicht nur im Zurzibiet, sondern im ganzen Mittelland.

Zeigen, was man zu bieten hat, lautet also die Devise: «Nehmen wir als Beispiel den Klingnauer Stausee», sagt Peter Andres. «Er ist weit über die Region hinaus bekannt – aber nur Eingeweihte wissen, wo man dort eine gute Glacé essen kann.» Auch die regionale Zusammenarbeit müsse forciert und einzelne Angebote besser koordiniert werden, ergänzt Peter Schläpfer. «Die Zurzibieter realisieren oft gar nicht, welche touristischen Schätze die Region bereits bietet – man muss sie nur entsprechend nutzen.» Man sei jedoch mittlerweile auf einem guten Weg, betont er.

Die Gesamtwirkung des Bäder- und Gesundheitstourismus belief sich 2012 auf rund 139,5 Millionen Franken. Insgesamt machen die Wirkungen der untersuchten Institutionen rund 4,6 Prozent des regionalen Zurzibieter Bruttoinlandprodukts aus. Die Institutionen sorgen für 6,2 Prozent der regionalen Beschäftigung. Fast 30 Prozent der Beschäftigten in Bad Zurzach sind in der Tourismus- oder Gesundheitsbranche tätig. Etwa jeder vierte Arbeitnehmer ist ein Grenzgänger – in den meisten Fällen kommt er aus Deutschland.

Die Wertschöpfungsstudie ist Teil des Projekts «Neue Regionalpolitik» (NRP) des Bundes und wurde von diesem mitfinanziert. Die Befragungen der Gäste wurden im zweiten Halbjahr 2013 durchgeführt. Einerseits verteilten die Hotelleriebetriebe Umfrageformulare an die Gäste. Andererseits wurde an verschiedenen Tagen und zu verschiedenen Zeiten Besucher des Thermalbades befragt.