Zurzibiet

Das Wetter ist Schuld: Pilzsaison ist nicht zu retten

Die Saison bekommt den Sammlern eher wie ein giftiger Fliegenpilz (r.) denn ein köstlicher Steinpilz (l.). KEYSTONE/Balzarini

Die Saison bekommt den Sammlern eher wie ein giftiger Fliegenpilz (r.) denn ein köstlicher Steinpilz (l.). KEYSTONE/Balzarini

Die Pilzausstellung in Bad Zurzach präsentiert ein magerer Jahrgang auf dem Präsentierteller. Aufgrund des kalten Wetters ist die Saison nicht mehr zu retten.

«Die Wälder sind leer. Pilzexperten schlagen Alarm!», titelte die Boulevard-Zeitung «Bild» letzte Woche. Was für Deutschland gilt, trifft auch auf die Wälder im Zurzibiet zu. «Eine schlechte Pilzsaison?», fragt Thomas Graber rhetorisch, «das ist noch vornehm ausgedrückt.» Graber arbeitet als Kontrolleur für die Region Aaretal-Surbtal.

«Die Kontrollstelle in Böttstein ist in diesem Jahr noch schlechter ausgelastet als im letzten Jahr», schüttelt er den Kopf. Und schon 2015 war kein guter Jahrgang. «Pro Woc3he überprüfe ich derzeit die Ware von keinem bis einem Kunden», sagt er. In guten Jahren führt Graber zwischen Mitte August und Ende Oktober 300 bis 350 Kontrollen durch.

Die Ursachenanalyse für die schlechte Saison ist schnell gemacht: Es ist schlicht und einfach viel zu trocken. Sorgen hat deswegen auch der Verein für Pilzkunde Bad Zurzach. Am kommenden Wochenende führt dieser im Gemeindezentrum Langwies seine Pilzausstellung 2016 durch.

Vorstandsmitglied Susanne Humbel ist seit 2010 Kontrolleurin in Bad Zurzach. «Seit ich im Amt bin, sind noch nie so wenig Sammler zur Pilzkontrolle gekommen», sagt sie. Im Vergleich zu normalen Jahren werde ihr Dienst nur von einem Viertel beansprucht. Auch für Humbel ist klar: Wenig Niederschlag und der trockene Boden sind die Ursache.

Für die Pilzausstellung verheisst dies nichts Gutes. Normalerweise werden 300 Pilzarten präsentiert. «Wenn wir auf 200 kommen, bin ich zufrieden», sagt Humbel. Am Donnerstag und Freitag vor der Ausstellung gehen die Vereinsmitglieder noch in die Wälder Pilze suchen. «Wir haben viel Arbeit vor uns. Ich hoffe, dass möglichst viele mithelfen», sagt die Kontrolleurin. Auch für das Pilzessen, das den Besuchern geboten wird, sei in diesem Jahr eher wenig zusammengekommen.

Die Furcht vor dem Frost

Susanne Humbel befürchtet, dass die Pilzsaison nicht mehr zu retten ist. Lange habe sie gehofft, dass sich die Saison einfach nach hinten verschiebe. «Doch nun habe ich bereits Spätherbstpilze gesehen. Und wenn der Frost kommt, ist es zu kalt.»

Dabei hatte das Pilzjahr gut angefangen. Die Morcheln im Frühling kamen prächtig. Auch die Eierschwämme Anfang Juni und die ersten Steinpilze sorgten für gute Laune bei den Sammlern. «Dann kam plötzlich nichts mehr», sagt Thomas Graber. Auch nicht im September und Anfang Oktober, dem Höhepunkt der Saison.

Das Zurzibiet ist gemäss Graber eine gute Pilzregion. «Aber ich habe das Gefühl, es war in letzter Zeit eine der trockensten Gegenden.» Im Bündnerland und in Österreich herrscht dagegen Zufriedenheit. «Die Leute dort schwärmen», sagt der Pilzexperte.

Auch er hat wenig Hoffnung, dass sich die hiesige Bilanz noch ändern wird. «Es müsste sehr viel regnen und darf nicht kälter werden.»

Die Pilzausstellung wird abwechselnd vom Pilzverein Böttstein und den Bad Zurzachern durchgeführt. «Auch 2015 war es schwierig. Wir konnten in Böttstein 160 Pilzsorten präsentieren», erinnert sich Graber. Die Ausstellung sei immer eine regionale Momentaufnahme, die man nicht beeinflussen könne. «Ich werde die Ausstellung in Bad Zurzach besuchen», kündigt Graber an, «ich bin gespannt, was die Kollegen zusammentragen werden.»

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