Würenlingen

Das war die Geburtsstunde der heutigen Wasserversorgung

Diese Foto ist auf den Tag genau 100 Jahre alt: Arbeiter brechen am 22. März 1912 nachts um 22 Uhr einen Zugangsstollen zur Würenlinger Quellfassung aus. Foto: Bauunternehmung Schmid & Frei

Diese Foto ist auf den Tag genau 100 Jahre alt: Arbeiter brechen am 22. März 1912 nachts um 22 Uhr einen Zugangsstollen zur Würenlinger Quellfassung aus. Foto: Bauunternehmung Schmid & Frei

Vor genau 100 Jahren ist mit dem Ausbruch eines Zugangsstollens für die Fassung der Quelle in begonnen worden. Die Wasserfassung musste möglichst hoch erstellt werden, damit genügend Gefälle bis zum Reservoir oberhalb der Kirche gegeben war.

Vermutlich tranken schon die römischen Legionäre auf dem Marsch von Vindonissa (Windisch) nach Tenedo (Zurzach) Wasser aus dem Bach, der die Strasse vor der Steigung zum Ruckfeld kreuzt. Hier wurden vermutlich auch die ersten Häuser der Siedlung Wirnaningum (Würenlingen) gebaut.

Am Anfang standen Holztüchel

Um 1360 wurde im Oberdorf die erste Mühle mit Wasserradantrieb gebaut. Der Müller erhielt von der Gemeinde das Wasserrecht für den Betrieb eines oberschlächtigen Wasserrades zugesprochen. Nach einer Urkunde von 1366 erklärten sich der Müller und die frommen Würenlinger Bauern bereit, die erste Wasserversorgung für «die swestern in dem huse uff dem berg zu Wirnalingen» zu bauen. An der Quelle des Dorfbaches wurde eine Brunnenstube erstellt und das Wasser von dort in Tücheln (Holzrohrleitungen) der Talflanke entlang geleitet.

Fast alle Behausungen wurden damals an natürlichen Bachläufen erstellt. Vor jedem Haus wurden Mistgruben angelegt. Der Bachlauf war teilweise auch der Karrweg. Es ist anzunehmen, dass das Wasser oft verschmutzt war. Erst nach 1590 wurden Bach und Strasse getrennt, das heisst, der Bach wurde in ein Bett aus Steinen und Baumstämmen entlang der Strasse geleitet. Schon früh wurden die kleinen Nebenquellen entlang des Baches im Oberwald gefasst und in Holztücheln in die nach und nach im Dorf erstellten Brunnen geleitet. Doch bei längerer Trockenheit blieb das köstliche Nass, das immer mehr Brunnen speisen musste, aus. Im Bachbett unterhalb der Hauptquelle wurden Gabeltüchel (Sickerleitungen) eingelegt, die Bachwasser in die Brunnenstube bei der Mühlewiese leiteten. Um 1900 wurden acht Brunnen von der Brunnenstube bei der Mühleweise gespeist.

Die Versorgung wird modernisiert

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in einigen Nachbargemeinden Druckwasserversorgungen gebaut. Mit der Industrialisierung konnten die ersten Gusseisenrohre relativ günstig hergestellt werden. So beschloss man an der Gemeindeversammlung vom 24.Dezember 1911, mit den Arbeiten für eine moderne Wasserversorgung zu beginnen. Das Leitungsnetz musste so ausgelegt werden, dass auch die Bekämpfung von Feuersbrünsten möglich war. Für die Speisung der neuen Wasserversorgung kaufte die Gemeinde 1912 dem Müller, der das Wasserrecht der Hauptquelle seit der Erbauung der Mühle als Ehehafte besass, 200 Minutenliter Wasser ab.

Anfang 1912 wurde mit dem Ausbrechen eines Zugangsstollens für die Wasserfassung begonnen. Die Wasserfassung musste möglichst hoch erstellt werden, damit genügend Gefälle bis zum Reservoir oberhalb der Kirche gegeben war. Die Zuleitung von der Quelle zum Reservoir wurde im über 500 Jahre alten Tüchelweg angelegt. Das damals moderne Reservoir fasste 300 Kubik Wasser. Ab dem Reservoir wurden zwei Stechleitungen gelegt – eine ins Oberdorf und eine ins Mittel- und Unterdorf. Insgesamt erstellte die Gemeinde 7100 Meter Leitungen, 175 Abstellhahnen und 55 Hydranten. Die damals moderne Wasserversorgung wurde im April 1913 fertiggestellt. Die Kosten beliefen sich auf 91000 Franken.

*Anton Frei (68) ist Ortsbürger der Gemeinde Würenlingen und betätigt sich als Hobby-Historiker.

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