In der Fabrikhalle auf dem Areal «Birchmeier» steht eine «Wy-Gigampfi» auf vier Rädern: Das Bijoux des Döttinger Turnvereins. Eine «Reb-Stande» baumelt an Stricken an einem Holzgestell – zwei Damen sollen am Umzug am Sonntagnachmittag die Schaukel bespielen. Blumenbouquets werden die Schaukel zieren. Der Wagenbauchef und Fahrer Daniel Lang sieht das Prachtstück schon fertig vor sich, obwohl am Samstag noch ein ganzer Tag Arbeit auf die Turner wartet: «In den Reben schneiden wir frische Trauben und Rebblätter, mit denen wir unseren Wagen schmücken», sagt Lang.

60 Flaschen Wein stehen bereit

Während Daniel Keller die Holzschnitzel sportlich vom Anhänger in den Wagen hievt, schleift Toni Küenzi die Balken der «Gigampfi» ab. «Wollen wir die Rebblätter so montieren?», wirft Daniel Lang in die Runde. Der Wagen fährt mit einem umgebauten VW-Käfer-Motor – dessen Gehäuse wurde vollkommen entfernt. An der Seite stehen die Weinkisten mit Pinot Noir bereit: «Am Umzug schenken wir 60 Flaschen «Sänneloch»-Wein aus», sagt Lang.

Ob sie alle losbringen werden? «Der Wein geht problemlos weg», da ist sich Lang sicher. Eine Vorfreude ist zu spüren, auch beim Wagenbauchef: «Bei der guten Wettervorhersage können wir am Umzug mit bis zu 20000 Zuschauern rechnen.»

Seit Anfang September werken zehn Turner zwei Mal pro Woche an ihrem Wagen. «Das ist für uns die spannendste Zeit», schwärmt Lang. «Wir diskutieren, reissen Sprüche – das Bauen ist für uns eine Herausforderung und eine willkommene Abwechslung zum Arbeitsalltag.» Eine verschworene Gemeinschaft seien sie: Jedes Jahr fiebern sie auf die Wagenbauzeit hin. «Wir sind wirklich ein tolles Team», bestätigt Patrick Eichholzer. Sein Kollege Daniel Keller schätzt es, dass die Turner gemeinsam etwas auf die Beine stellen: «Es ist erfreulich, wenn aus der Teamarbeit etwas Tolles entsteht», sagt er.

1000 bis 1500 Franken pro Wagen

Für eine kurze Baupause werden die Bierflaschen geöffnet, man stösst an – sicher nicht zum ersten Mal, und es werden noch einige Male folgen, bis der Wagen fix und fertig ist. Nebst der vielen freiwillig geleisteten Handarbeit kostet der Wagen eine Menge Geld. «Pro Wagen geben wir 1000 bis 1500 Franken aus», sagt Lang. Davon erstattet der Verein Winzerfest ihnen 600 zurück. «Den Rest bezahlen wir aus vereinseigener Kasse.»

Gegen neun Uhr abends kriegen die Wagenbauer Überraschungsbesuch von den Frauen des Damenturnvereins. Die Frauen werden am Winzerfest die Kaffeestube betreiben, die Männer den Weinkeller. «Wer will Kaffee?», rufen sie aus. «Wir müssen noch planen, wir haben keine Zeit», ruft Stefan Bugmann zurück. Wieder und wieder kommen neue Ideen und Änderungsvorschläge. «Es bleibt spannend, bis am Samstag», sagt Daniel Lang. «Aber am Samstagnachmittag um 15 Uhr müssen wir fertig sein. Dann heisst es: Schluss jetzt, unser Wagen ist gelungen.»

Der Sport trete rund ums Winzerfest in den Hintergrund, so Lang. Da sind sich alle Turner einig: «Ich geniesse das fröhliche Beisammensein in der Bauzeit», sagt Mini Salvatore, «das Wagenbauen ist für uns das Highlight des Jahres.»