Lätschete in Bad Zurzach

Das traurige Ende der Fasnacht: Hier wird Prinz Karneval abgefackelt und im Rhein versenkt

Mit dem Ättirüedi und der Läschete fand die Fasnacht am Aschermittwoch in Bad Zurzach einen würdigen Abschluss.

Die Trauerfeier von Prinz Karneval ist sicher nicht die traurigste in Bad Zurzach, ganz bestimmt aber die lauteste weit und breit. Unüberhörbar sind das Schniefen, Heulen und Wehklagen der schwarz gekleideten Heulweiber schon beim Sternenbrunnen, wenn sich der Trauerumzug an der "Läschete", dem traurig-schönen Fasnachtsbrauch, in Bewegung setzt, angeführt von der Trauermusik einiger Guggenmusiker. 

Noch viel lauter wird das Geheule, wenn der Fasnachtspfarrer Götz von Pfauenauge (Christoph Neff) vor dem Verenamünster zur Trauerrede anstimmt. "Nur allzu kurz war sein Leben, nur allzu kurz seine Freude, die er uns traurigen Brüdern und Schwestern schenkte", rief der Pfarrer den mehreren Hundert Fasnächtlern zu, die sich mit Taschentüchern die Tränen aus dem Gesicht wischten. 

Als Podcast - die Rede des Fasnachtspfarrers:

Der edle Prinz Karneval sei am Morgen des Aschermittwochs "erwartungsgemäss eingeschlafen" und nicht wieder aufgewacht. "Haltet Eure grossen Gefühle des Schmerzes nicht zurück!" Das tat die Gemeinde – hemmungslos und ohrenbetäubend.

Der Prinz wird kremiert

Der Trauerzug marschiert auf die Rheinbrücke, wo es hiess, Abschied zu nehmen. Der Fasnachtspfarrer nahm mit Sprit die letzte Ölung vor. Der Ättirüedi spiesste die Überreste des Prinzen auf und hielt sie übers Brückengeländer, wo sie der Pfarrer anzündete.

Nach kurzer Zeit des Loderns wurde der brennende Prinz dem Rhein übergeben. Die Trauergemeinde zog weiter zum Gemeindesaal, um dort die letzte Fasnachtsparty des Jahres zu feiern. 

Bad Zurzach: Erst das grosse Heulen um Prinz Karneval – dann wird er angezündet und im Rhein versenkt

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Der Ättirüedi hatte am Nachmittag seinen ersten grossen Auftritt gehabt: Auf die Zurzacher Fasnachtsgestalt mit dem grünem Kleid und einem Ofenstecken warteten die Kinder am Nachmittag beim Sternenbrunnen. Der Ättirüedi zog mit mit ihnen durch den Flecken und animierte sie zu lautem (Nach-)Schreien. War es dem Ättirüedi laut genug, griff er in seinen Gabensack und warf ihnen Orangen, Brötchen und Süsses zu. Am Schluss nahmen die Kinder so prall gefüllte Säcke mit nach Hause. 

Die Figur des «Ättirüedi» geht zurück in der Pestzeit des 16. Jahrhunderts. Laut Überlieferung sprach ein Mann in Frauenkleidern bei den reichen Leuten vor, um milde Gaben zu erbetteln, die er an die Armen verteilte.

Der Ättirüedi zieht mit den Kindern schreiend durch Bad Zurzach

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