Endingen

Das Surbtal verliert seine letzte Poststelle – das sorgt für Kritik

Seit 1890 befindet sich die Post in Endingen an der Marktgasse 15.

Seit 1890 befindet sich die Post in Endingen an der Marktgasse 15.

Im Januar 2016 wird die Poststelle in Endingen geschlossen; eine Agentur wird eröffnet. Damit verliert das Surbtal seine letzte Poststelle. Felix Binder, Präsident von Zurzibiet Regio, gefällt diese Entwicklung nicht.

Selbst eine 2500-Einwohner-Gemeinde wie Endingen ist vor dem Postabbau nicht gefeit. Per 18. Januar 2016 wird die Poststelle geschlossen und durch eine Agentur in der Papeterie Surbtal ersetzt. Zuvor befand sich die Poststelle seit 1890 an ein und demselben Standort. Mit dem Abbau in Endingen verliert das Surbtal nach Tegerfelden und Lengnau seine letzte Poststelle.

Wenig Freude über die Entwicklung zeigt man beim Gemeindeverband Zurzibiet Regio, der die Wettbewerbsfähigkeit der Randregion stärken will. «Diese Entwicklung ist nicht gut», sagt Präsident Felix Binder, «beim Abbau von Poststellen werden nur Zahlen und nicht die Bedürfnisse der Leute berücksichtigt.»

Diese Zahlen kann Matthias Fässler, Leiter des Poststellengebiets, auswendig herunterbeten. Zwischen 2000 und 2014 betrug der Rückgang bei den Briefsendungen 67 Prozent, bei Paketen 43 Prozent und für Einzahlungen am Schalter 34 Prozent. Verantwortlich für die geringeren Einnahmen in den Poststellen ist das veränderte Kundenverhalten. Fässler nennt E-Banking und E-Mail und schiebt die rhetorische Frage hinterher: «Wann waren Sie zuletzt auf der Post?»

Fässler betont, dass die Eröffnung einer Agentur wie in Endingen keine negativen Folgen für die Bevölkerung habe. «Die Leute werden zu Beginn ihre alte Post zwar vermissen, aber sie können weiterhin ihre Geschäfte am neuen Standort im Dorfzentrum tätigen.» Das Papeterie-Personal von Inhaberin Franziska Meier wird entsprechend geschult, die Agentur hat gar längere Öffnungszeiten als die Poststelle.

Dennoch geht im Zurzibiet die Angst vor weiteren Schliessungen um. Die Poststelle Kaiserstuhl-Fisibach wurde eben erst am 14. November geschlossen. Eine Agenturlösung wurde nicht gefunden, weshalb nun ein Hausservice angeboten wird. Aufgeschreckt durch diese Entwicklung beschloss der Gemeinderat Siglistorf, bei der Postdirektion vorstellig zu werden. Im Gespräch ging es darum, zu erfahren, wie es um die Zukunft der Postagentur Siglistorf bestellt ist. Gemäss Auskunft der Verantwortlichen ist in Zukunft aber keine Veränderung im 600-Seelen-Ort vorgesehen.

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