Die Ankündigung setzte Selina Ummel um: Sieg in der Kategorie U20. «Ich wusste mich nach wenigen hundert Metern an der Spitze und vermochte diese zu verteidigen», freute sich die 18-Jährige. Um ein gezielt angesteuertes, letztes Erfolgserlebnis des Sportjahres handelte es sich. Und um ein besonders aufbauendes: «Die wichtigen Wettkämpfe bestreite ich auf der Bahn über 1500 m und mir wurde wieder einmal bewusst, wie sehr sich Strassenläufe unterscheiden. Das machte Spass, war toll.» Als weniger ernst, weniger verbissen erlebte sie das Klima. «Eine familiärere Atmosphäre» machte sie aus. Das genoss sie.

Natürlich bereitete auch das Siegen Spass. Souverän setzte sie sich über die «Überdistanz» von 7,53 Kilometer in ihrer Altersklasse mit der siebtbesten Zeit des Tages durch. Und das in persönlicher Bestzeit. Doch diese Tatsache relativierte sie zugleich: «Vor zwei Jahren war ich fast gleich schnell.» Ihre Leistungsentwicklung sollte sich auch in der jüngsten Zeit widerspiegeln. «Ich hätte mir zugetraut, diese Strecke in 26 oder 27 Minuten zu meistern.» Dazu fehlte die Kraft. 28:33 Minuten war sie unterwegs. Was sie aber erklären konnte. Ein Magendarm-Infekt hatte ihr in den Tagen zuvor zu schaffen gemacht. «Ich fühlte mich nicht so fit wie erhofft.»

Den Spass verderben liess sich Selina Ummel deswegen nicht, zumal sie ihren Aufbau nicht auf dieses Rennen ausgerichtet hatte. In der Aufbauperiode für den nächsten Sommer befindet sich die angehende Pharmaassistentin mit Sportlerlehre. Ein grosses Ziel hat sie vor Augen: die Qualifikation für die U20-Weltmeisterschaften über 1500 Meter. Auf 4:28,20 Minuten müsste sie sich mindestens steigern von ihren 4:31,34 Minuten vom letzten Sommer.

Schwester zog Thailand vor

Ambitioniert betreiben auch die restlichen Familienmitglieder den Laufsport. Schwester Seraina (20) hat zwar ihren Fokus etwas angepasst. In diesem Jahr zog sie Ferien in Thailand dem Start am Stauseelauf vor. Das Podest bei der letzten Startmöglichkeit des Jahres besteigen konnte aber auch sie – zuletzt als Dritte bei den Jugendlichen 2011. Das Läufergen haben die beiden talentierten Schwestern von ihren Eltern erhalten: Susanne und Beat Ummel leben und lebten ihren Töchtern die Freude am Laufen vor. Der Gippinger Stauseelauf an Silvester ist ein Beispiel dafür.

Susanne (56) bemüht sich als Intensivkrankenschwester auf der Kardiologie stets, diesen Tag arbeitsfrei zu erhalten – wegen des Stauseelaufs. Immer glückten ihr dabei Spitzenränge in ihrer Altersklasse. Diese weist auch Vater Beat (55) auf, auch wenn für ihn Podestränge ausser Reichweite scheinen. Seine Philosophie: «Ich orientiere mich an mir, versuche, meinen Rhythmus durchzuziehen.» Dies gelang ihm in diesem Jahr ausgezeichnet, blieb er doch mit 32:24 Minuten über eine Minute unter seiner letztjährigen Zeit.

Rückblickend betonen alle Ummels den speziellen Charakter des Stauseelaufs, der mit ein Grund ist für die Treue: «Hier lässt sich das Laufjahr beschliessen, Abschied nehmen, den andern aus dieser grossen Läuferfamilie Glück wünschen und sich darauf freuen, dass auch das neue Jahr bald wieder Gelegenheit bieten wird, um dem wichtigen Hobby zu frönen.»