Bad Zurzach

Das private Schloss Zurzach soll mit Steuergeldern unterstützt werden – doch es gibt Widerstand

Die Bad Zurzacher haben ihr Schloss wieder: Ob sie bereit sind, sich zu beteiligen, muss die Gemeindeversammlung zeigen.

Die Bad Zurzacher haben ihr Schloss wieder: Ob sie bereit sind, sich zu beteiligen, muss die Gemeindeversammlung zeigen.

Um die Unterhaltskosten im Park der Villa Himmelrych ist eine Kontroverse entbrannt. Der Aufwand soll von der Öffentlichen Hand unterstützt werden.

Mehrere Jahre war das Schloss Zurzach geschlossen. Seit Anfang August ist es für die Öffentlichkeit nun wieder zugänglich. Ermöglicht hat dies die neue Besitzerin, die Park Himmelrych AG. Der vierköpfige Verwaltungsrat wird vom ehemaligen Ammann und aktuellen Gemeinderat Reto S. Fuchs präsidiert. Dass die Öffnung einem Bedürfnis entspreche, hätten die Reaktionen von Besucherinnen und Besucher bisher gezeigt, so Fuchs.

Nur: Der Aufwand ist kostenintensiv. Die Besitzer erklären, die Nutzung des Schlossparks sei mit diversen Unterhaltsarbeiten verbunden, welche man nicht alleine bewältigen könne. Als Gegenleistung für die öffentliche Nutzung stellt die Trägerschaft darum den Antrag um Unterstützung. Die Werkbetriebe Bad Zurzach sollen die monatliche Reinigung der Wege, Leerung der Abfalleimer im Rahmen der üblichen Gemeindetouren, oder das Mähen der Wiesenflächen sowie des grossen Parkplatzes während der Saison übernehmen.

«Schamlos und unanständig»

Das Begehren stösst im Ort auf Widerstand. Die Frage, die sich stellt: Soll die öffentliche Hand eine private Unternehmung finanziell unterstützen? An der Gemeindeversammlung am Donnerstag kommt das Geschäft zur Abstimmung. Bei einer Annahme würden für die Gemeinde jährliche Kosten von rund 37'000 Franken entstehen. Die Vereinbarung wäre bis Ende 2023 befristet und soll im Frühjahr 2023 neu verhandelt werden.

Obwohl es sich um ein vergleichsweise kleines Geschäft handelt und der Betrag im Kompetenzbereich des Gemeinderats liegen würde, hat der Antrag eine Kontroverse ausgelöst. Gegner der Vorlage gehen mit den Betreibern hart ins Gericht. Sie bezeichnen in E-Mails und Leserbriefen die Vorgehensweise als schamlos und unanständig. Leute, die Millionen besitzen und ein Schloss kaufen, würden sich damit rechtfertigen, dass der Park öffentlich sei und sie die Kosten für den Unterhalt nicht selber tragen können.

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Miteigentümer Reto S. Fuchs stellt hierzu klar: «Bei einer Unterstützung würde es sich um reine Arbeits- und Sachleistungen handeln, also Mannstunden und Maschinenstunden.»

Der Aufwand von maximal 37'000 Franken werde daher nicht durch finanzielle Mittel erbracht. Es fliesse keine Liquidität, betont Fuchs. «Die übrigen weitaus höheren jährlichen Kosten von geschätzten 80'000 Franken für Unterhalt und Pflege des Parks übernimmt vollumfänglich die Trägerschaft», hält die Park Himmelrych AG fest. Mit dieser Begründung geben sich die Gegner nicht zufrieden. «Die Besitzer hätten sich beim Kauf im Klaren sein müssen, wie viel der Unterhalt des Schlosses kostet und das in ihre Berechnungen einbeziehen müssen.»

Besitzer versichern keine Trotzreaktion

Reto S. Fuchs präzisiert, dass die Leistungen nur den Mehraufwand für das Öffnen des Parks betreffen, von dem die Bevölkerung profitiere. «Wenn wir nun um einen Zustupf für den Unterhalt des öffentlich zugänglichen Parks Himmelrych bitten, erscheint uns dieser Antrag angemessen.»

Sollte das Geschäft abgelehnt werden, ist von Seiten der Trägerschaft keine Trotzreaktion zu erwarten, sagt Fuchs. «Der Park wird sicher bis Oktober 2021 weiterhin für die Öffentlichkeit offen bleiben. Wir müssen uns aber Gedanken machen, wie wir unsere Ideen in Zukunft aufrechterhalten und weiterentwickeln können.» Man zähle daher auf den Weitblick und Einsicht der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.

Für drei Stunden geöffnet: Rundgang durchs Schloss Bad Zurzach – mit einem Blick von oben

Für drei Stunden geöffnet: Rundgang durchs Schloss Bad Zurzach – mit einem Blick von oben (16. Juni 2020)

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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