Zukunftspojekte

Das Paul-Scherrer-Institut baut in Würenlingen ein Super-Mikroskop

Das Grossprojekt SwissFEL wird rechts der Aare in unmittelbarer Nachbarschaft zum Paul-Scherrer-Institut (hinten links) gebaut

Das Grossprojekt SwissFEL wird rechts der Aare in unmittelbarer Nachbarschaft zum Paul-Scherrer-Institut (hinten links) gebaut

Im Würenlinger Unterwald bahnt sich Grosses an: 2016 soll der Röntgenlaser SwissFEL in Betrieb genommen werden. Der Baubeginn für das 276-Millionen-Projekt ist für das nächste Jahr geplant.

Mit dem Super-Mikroskop können die PSI-Forscher extrem schnelle Vorgänge wie die Entstehung neuer Moleküle bei chemischen Reaktionen verfolgen. Zudem können detaillierte Strukturen lebenswichtiger Proteine oder der genaue Aufbau von Materialien bestimmt werden.

Die Forscher hoffen, dass die gewonnenen Erkenntnisse zu neuen Medikamenten und zu neuen Materialien in der Elektronik führen sowie bei der Entwicklung alternativer Energienquellen helfen. Das PSI bezeichnet den Freie-Elektronen-Laser (FEL) als «Hightech-Projekt an der Grenze des Machbaren»: Geplant ist eine 700 Meter lange Anlage, die mit weniger als einem Tausendstelmillimeter Abweichung gebaut justiert werden muss.

Höchste Präzision

Höchste Präzision gefragt ist bei den Undulatoren, einem Gerät zur Erzeugung von Synchrotronstrahlung. In diesen Geräten zwingen zwei Reihen starker Magnete einen Strom schneller Elektronen auf eine Wellenbahn und bringen sie dazu, Röntgenlicht in Laserqualität zu erzeugen.

Insgesamt 60 Meter lang wird die Wellenbahn in der Würenlinger Anlage sein – jede einzelne Periode mit einer Links- und einer Rechtskurve von nur 1,5 Zentimeter Länge. Um die nötige Präzision zu erreichen, müssen die Magnete mit einer Genauigkeit von unter einem Tausendstelmillimeter positioniert werden.

Baubeginn im nächsten Jahr

Die politischen Voraussetzungen für SwissFEL sind im letzten Jahr geschaffen worden: Ende August 2011 bewilligte der Grosse Rat nach intensiver Debatte die Anpassung des Würenlinger Siedlungsgebiets im Richtplan sowie die Anpassung des Nutzungsplans für das Grundwasser-Schutzareal im Unterwald. Im November stimmte die Einwohnergemeinde Würenlingen der Teilzonenplanänderung sowie der Ersatzaufforstung in der Deponie Bärengraben zu, nachdem die Ortsbürger bereits im Sommer den Baurechtsvertrag für den zukünftigen Röntgenlaser bewilligt hatten.

Swissfell-Projektleiter Hans-Heinrich Braun ist mit dem aktuellen Stand des Projekts zufrieden: «Die positiven Reaktionen des Grossen Rats sowie der der Würenlinger Ortsbürger- und Einwohnergemeinde, aber auch die Zusage des Kantons Aargau, 30 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds an die Projektkosten beizusteuern, helfen uns bei den Verhandlungen mit den Bundesbehörden.» 2012 entscheiden die eidgenössischen Räte über den Bau der Anlage im Würenlinger Unterwald.

Von zentraler Bedeutung

Für Projektleiter Braun ist der Bau des Röntgenlasers von zentraler Bedeutung sowohl für das PSI wie auch für den Forschungsstandort Schweiz und das untere Aaretal. «Mit dem völlig neuen, vielversprechenden Instrument können wir weiterhin auf höchstem Niveau forschen und den Anschluss an andere Technologie-Nationen sicherstellen.» Ähnliche Anlagen sind seit kurzem in Standford (USA) sowie in Harima (Japan) in Betrieb.

Bei Hamburg entsteht unter Beteiligung von zwölf europäischen Staaten ein 3,4 Kilometer langer, rund 1,5 Milliarden Franken teurer Röntgenlaser. Projektleiter Braun geht davon aus, dass beide europäischen Anlagen ausgelastet sein werden, da sie für unterschiedliche Bedürfnisse ausgelegt sind. Die Würenlinger Anlage eignet sich für Experimente, für die extrem kurze Zeitabschnitte benötigt werden.

«SwissFEL schafft Arbeitsplätze»

Der Würenlinger Gemeindeammann André Zoppi misst dem Projekt SwissFEL in unmittelbarer Nachbarschaft zum Paul-Scherrer-Institut grosse Bedeutung bei: «Der Gemeinderat ist dem Projekt von Anfang an positiv gegenübergestanden. SwissFEL schafft hochwertige Arbeitsplätze und trägt entscheidend dazu bei, dass am PSI auch in Zukunft Spitzenforschung betrieben werden kann.»

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