Diskussion

Das leere Schulhaus als Asylunterkunft? Fisibach kritisiert Nachbar Kaiserstuhl

Steht seit den Sommerferien leer: die Schulanlage Böleboden in Kaiserstuhl. Archiv/Walter Schwager

Steht seit den Sommerferien leer: die Schulanlage Böleboden in Kaiserstuhl. Archiv/Walter Schwager

Ab August steht das Schulhaus in Kaiserstuhl leer: Das 400-Seelen-Städtchen zieht deshalb in Erwägung, das Schulhaus an den Kanton als Asylunterkunft zu vermieten. Doch aus der Nachbargemeinde Fisibach sind nun besorgte Töne zu hören – vor allem, was die grosse Aufnahmezahl anbelangt.

Seit Dezember befasst sich in Kaiserstuhl eine Arbeitsgruppe mit der Zukunft des Schulhauses Blöleboden. Dieses steht bald leer, weil die Kinder ab dem neuen Schuljahr in Weiach ZH unterrichtet werden.

Für das Schulhaus, das Kaiserstuhl gehört, stellt sich die Frage der Nutzung. Die wegfallenden Mietzinseinnahmen sollen kompensiert werden. Ein Interessent ist der Kanton, der das Schulhaus als Asylunterkunft für bis zu 100 Personen nutzen könnte.

«Mit Ausnahme des Kantons gibt es keine konkreten Mietinteressenten», sagt Stadtammann Ruedi Weiss zum aktuellen Stand. Die Chancen der Variante Asylunterkunft steigen somit.

Aus der Nachbargemeinde Fisibach sind nun besorgte Töne zu hören. «Unser Gemeinderat hat Kaiserstuhl seine Bedenken, vor allem bezüglich der grossen Aufnahmezahl, mitgeteilt», bestätigt Ammann Marcel Baldinger eine schriftliche Mitteilung. Gleichzeitig relativiert Baldinger, dass man der Nachbargemeinde nicht dreinreden will, «da die Unterbringung von Asylsuchenden in die Gemeindeautonomie von Kaiserstuhl fällt».

«Die Meinung aus Fisibach überrascht uns nicht», sagt Stadtammann Ruedi Weiss, «wir sind politisch nicht immer gleicher Meinung.» Zwar bestreitet der Fisibacher Gemeinderat nicht, dass auch kleine Gemeinden ihren Beitrag zur Lösung des Asylproblems beitragen müssen, doch gerade bei hohen Aufnahmezahlen müsse man sich regional absprechen. Aufgrund besorgter Reaktionen aus der Bevölkerung habe man sich in diese Thematik eingeschaltet.

Seit der Meldung, dass in Felsenau bis zu 150 Asylsuchende untergebracht werden, reklamiert das Zurzibiet eine unverhältnismässig hohe Zahl an Asylsuchenden. Inklusive Felsenau betrüge ihr Anteil an der Zurzacher Wohnbevölkerung 1,18 Prozent. Das wäre hinter dem Bezirk Aarau der zweithöchste Wert im Kanton.

Kaiserstuhl sind diese Bedenken durchaus bekannt. Mit Fisibach habe man regelmässig Kontakt, sagt Weiss, und auch an der Abgeordneten-Versammlung von ZurzibietRegio war die Zahl der Asylsuchenden ein Thema. «Uns ist bewusst, dass das Zurzibiet keine Freude an steigenden Zahlen hat», räumt Weiss ein, «aber für Kaiserstuhl und das Schulhaus Blöleboden ist das eine Variante, die wir nicht ausschliessen wollen.»

Ob sich der Kanton und die 400-Seelen-Gemeinde Kaiserstuhl einigen, ist allerdings längst nicht entschieden. Denn die Zahl von 100 Asylsuchenden wäre auch aus Kaiserstuhler Sicht sehr hoch. «Wir würden es begrüssen, wenn es weniger wären. Das haben wir dem Kanton mitgeteilt», sagt Weiss.

Die Chance, dass es zu einer Lösung kommt, will Weiss nicht quantifizieren. Klar ist: Der Kanton nimmt alle Plätze, die man ihm anbietet. Es hängt also von Kaiserstuhl ab, was mit dem leeren Schulhaus passiert. «Es ist ein Abwägen von Vor- und Nachteilen», sagt Ruedi Weiss, der nun auf konkrete Vorschläge aus Aarau wartet.

Auch Fisibach hat leere Schulen

Das Problem der leeren Schulhäuser betrifft im Übrigen auch Fisibach. Das «blaue Schulhaus» wird schon länger nur noch teilweise genutzt, und ab Sommer steht mit dem Wegzug der Schüler – ebenfalls nach Weiach – auch noch das Schulhaus Chilewies leer. «Wir suchen nach Lösungen, aber es ist schwierig», gesteht Ammann Baldinger, «so gesehen kann ich gut nachvollziehen, dass Kaiserstuhl auf die Idee mit den Asylsuchenden gekommen ist.» Für Fisibach sei das – zumindest vorläufig – keine Alternative, sagt Marcel Baldinger.

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