Allein der Titel «Vom Appenzeller Waisenknaben zum Zurzacher Stickereibaron» lässt erahnen, dass es sich bei der neusten Ausstellung im Höfli-Museum in Bad Zurzach um etwas Besonderes handelt.

Mit Jakob Zuberbühler steht ein Mann im Mittelpunkt der Ausstellung, der die Entwicklung des Fleckens entscheidend geprägt hat. «Jakob Zuberbühler nimmt in der Industriegeschichte des Fleckens eine zentrale Rolle ein», sagt Historiker Alfred Hidber, der zusammen mit den Kulturkommissionsmitgliedern Anton Brogli, Alois W. Hassler, Steven Schneider und Arthur Vögele die Ausstellung konzipiert und auf die Beine gestellt hat.

Die Ausstellung ist aufgeteilt in die Themenkreise «Biografie des Jakob Zuberbühler», «Entwicklung der Firma» sowie «Bauten im Flecken, die im Zusammenhang mit Jakob Zuberbühler stehen». Viele Exponate konnten von Nachkommen Zuberbühlers als Leihgaben beschafft werden, andere wurden aus den Estrichen alter Zurzacher Häuser hervorgeholt und ausstellungsreif gemacht. Der Aufwand der Kommissionsmitglieder hat sich gelohnt: Im Bezirksmuseum kann im Rahmen der grenzüberschreitenden Kulturnacht vom 26. März bis zum Drehörgelitreffen am 27. August ein faszinierendes Stück Schweizer Industriegeschichte erlebt werden.

Prunkstücke der Ausstellung sind eine Stechuhr aus einer Fabrik Zuberbühlers, ein Plakat, auf dem die Stickereien aus Zurzach angepriesen werden, Puppen mit reich bestickten Kleidern aus dem Hause Zuberbühler, verschiedene Schriftstücke sowie eine Kopie der Todesanzeige des Industriellen, der am 21. August 1904 in einem Zürcher Spital an den Folgen einer Blutvergiftung starb.

Ein sozial eingestellter Pionier

Jakob Zuberbühler war nicht nur Industrieller mit Leib und Seele, sondern auch ein Mann, der sich in ungewöhnlicher Weise um das Wohl seiner Angestellten kümmerte. Gregor Rodehüser, der das Leben und Wirken des Appenzeller Indus-triepioniers dokumentierte, umschreibt das Wesen Jakob Zuberbühlers so: «Seine Firmenpolitik ist durch unermüdliche Bautätigkeit geprägt. Dabei scheut der Unternehmer vor keinem persönlichen und finanziellen Opfer zurück, um auch für das Wohl seiner Beschäftigten zu sorgen, sie am Aufschwung des Unternehmens teilhaben zu lassen und ihnen wirtschaftliche Sicherheit zu verschaffen. Auswärtige Arbeiter werden verköstigt, eine Kleinkinderschule wird ins Leben gerufen und 1895 eine Lehranstalt für weibliche Handarbeiten eingerichtet. Hier werden Mädchen ab 15 Jahren aufgenommen, unentgeltlich verpflegt und wahlweise ausgebildet in Weissnäherei und Zuschneiderei, Handstickerei, Weisswaren- Ausrüsterei oder in den Arbeiten in der Schäftefabrik. Nach einer eineinhalb- bis zweijährigen Lehrzeit kann jedes Mädchen nach Wunsch als Arbeiterin in das Geschäft übernommen werden.» 1876 richtete Zuberbühler für seine Belegschaft eine Unfall- und Krankenkasse ein, 1904 baute er Unterkünfte für seine Mitarbeiter. Arbeitern in finanzieller Not kaufte er die Häuser ab und überliess ihnen das Wohnrecht.

Zuberbühler ist allgegenwärtig

Die Spuren, die Jakob Zuberbühler in Bad Zurzach hinterlassen hat, sind allgegenwärtig: Dazu gehören das Schloss, die Gebäudezeile «Lange Bank», rund 30 Häuser, die sich im Besitz Zuberbühlers befanden, die Zollbrücke, an der er sich finanziell massgeblich beteiligte, die Salzbohrtürme und das Thermalbad. Die Salzgewinnung war nur möglich geworden, weil Jakob Zuberbühler Cornelius Vögeli aus Leuggern das nötige Geld lieh, um die Bohrungen durchzuführen. Dabei wurde das Thermalwasservorkommen entdeckt. «Ohne Jakob Zuberbühler hätte es keine Salzbohrungen gegeben, und ohne Bohrungen wäre das Thermalwasservorkommen nicht entdeckt worden», sagt Ausstellungsmacher Fredi Hidber.

Wie geschätzt Zuberbühler über die Region hinaus war, belegen die Nekrologe, die nach dem Tod des Industriepioniers verfasst wurden. Übereinstimmend hervorgehoben wurden Zuberbühlers Humor und Witz, aber auch seine vorzügliche Menschenkenntnis, die unbegrenzte Toleranz sowie seine Spontaneität, die auch vor persönlichen und finanziellen Opfern nicht zurückschreckte.

Heft der Historischen Vereinigung

Auch die Historische Vereinigung des Bezirks Zurzach widmet sich dem Leben und Wirken Jakob Zuberbühlers. Im neuen, 200 Seiten starken Heft ist der Hauptteil dem Zurzacher Industriepionier mit Appenzeller Wurzeln gewidmet.