Vom Dorfplatz her links am «Spar» vorbei ein paar Schritte den Spycherweg hinauf: Da steht es, sieht mit seinen zwei grossen Fenstern und dem Walmdach aus wie ein stattliches, aus Stein gemauertes Gartenhaus. Eine Tafel neben der verwitterten Holztür belehrt eines Besseren und macht deutlich, dass es sich bei dem Gebäude um eine Station auf dem jüdischen Kulturweg handelt: «Mikwe – rituelles Tauchbad» steht darauf zu lesen.

Vor 163 Jahren erbaut

Viele fromme Juden nehmen vor Fest- und Fasttagen ein rituelles Tauchbad. Wer zum jüdischen Glauben übertritt, ist ebenso zum Untertauchen in der Mikwe verpflichtet wie Frauen nach der Menstruation und nach einer Geburt. 1848 erbaut, hatte die Lengnauer Mikwe historischen Dokumenten zufolge offenbar ausschliesslich als Frauenbad gedient. 1921 war die Baute wegen Nichtgebrauchs verkauft worden. Der neue Besitzer hatte sie als Abstellraum für Velos und allerlei Gerümpel benutzt. Als er in jüngster Zeit keine Verwendung mehr hatte für das kleine Haus, war es dem «Verein Jüdischer Kulturweg» gelungen, es käuflich zu erwerben und so vor dem Abbruch zu bewahren. Archäologen haben inzwischen den Bau unter die Lupe genommen, sind allerdings bei ihren Grabungen auf keinerlei Überreste des eigentlichen Bades gestossen. Laut Roy Oppenheim von der Arbeitsgruppe «Jüdischer Kulturweg» wird zurzeit über einen Ausbau der ehemaligen Mikwe diskutiert sowie über eine allfällige künftige Nutzung als Infopavillon.

Alterswohnung statt Maze-Bäckerei

Jedenfalls wird das einstige rituelle Tauchbad nicht von demselben Schicksal ereilt, wie die ehemalige Maze-Bäckerei in Lengnau. Hinter einem ehemaligen jüdischen Wohnhaus an der Vogelsangstrasse, ebenfalls nahe dem Dorfplatz gelegen, hatte das Gebäude viele Jahre lang leer gestanden und war immer baufälliger geworden. Schliesslich war der bauliche Zustand des Hauses so schlecht, dass ein Betreten lebensgefährlich wurde und die kantonale Denkmalpflege es nicht mehr als schützenswert einordnen konnte. Sie bewilligte deshalb den Abbruch der ehemaligen Maze-Bäckerei, in der zeitweilig auch der Rabbi gewohnt hatte.

Bald Alterswohnungen?

Im Jahre 2001 war das Haus vom Inhaber eines lokalen Baugeschäfts ersteigert worden. Laut Auskunft des Lengnauer Gemeindeschreibers Anselm Rohner läuft derzeit das Baubewilligungsverfahren für die Erstellung von Alterswohnungen.