Die Schulstandorte im Zurzibiet sind ein Politikum. Auch das Fusionsprojekt Rheintal+ wird davon nicht verschont. Derzeit prüfen zehn Gemeinden von Rietheim bis Kaiserstuhl einen Zusammenschluss. Und natürlich stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage nach den zukünftigen Schulstandorten.

Die Arbeitsgruppe «Schulwesen» unter der Leitung von Wislikofens Ammann Heiri Rohner hat sich eingehend mit dieser Frage beschäftigt. In ihrem Abschlussbericht schreibt sie vage: «Der definitive Schulstandortentscheid wird im Fusionsvertrag festgehalten und ist Bestandteil von demokratischen Abstimmungen.» Und weiter etwas konkreter: «Die Arbeitsgruppe schlägt aufgrund einer rein sachlichen Ebene und einer durchgeführten Nutzwertanalyse vor, dass die Schulstandorte mittel- und langfristig in Bad Zurzach und Rekingen stationiert sind.»

Lange tendierte die Arbeitsgruppe dazu, an den vier heutigen Standorten Rietheim, Bad Zurzach, Rekingen und Weiach festzuhalten. Mit dem zürcherischen Weiach wäre also auch eine Gemeinde ausserhalb des Fusionsgebiets als Schulstandort vorgesehen. Der Grund: Fisibach und Kaiserstuhl schicken ihre Kinder seit 2016 in der Gemeinde im Nachbarkanton zur Primarschule.

Es bestehen mehrjährige Verträge. Und sowohl die Stimmbevölkerung Fisibachs als auch jene Kaiserstuhls machten ihre Beteiligung an der Fusionsprüfung davon abhängig, dass ihre Kinder weiterhin die Schule in Weiach besuchen können. Vom Aargauer Regierungsrat liessen sie sich sogar bestätigen, dass der kantonsübergreifende Schulbesuch auch nach einer Fusion weiterhin möglich wäre.

Damit beginnt das Dilemma: Nehmen die Rheintal+-Gemeinden Fisibach und Kaiserstuhl den Schulstandort Weiach, nehmen sie ihnen womöglich auch die Lust an der Fusion. Andererseits hat die Nutzwertanalyse der Arbeitsgruppe ergeben, dass die Variante mit nur zwei Schulstandorten in Bad Zurzach und Rekingen am besten abschneidet. Ein knappes Dutzend Kriterien floss in die Analyse ein. Verschiedenste Konstellationen wurden geprüft. Am schlechtsten schnitt dabei die Variante mit den vier heutigen Schulstandorten ab.

Was also sollte die Arbeitsgruppe der Projektleitung vorschlagen? Die Best-Variante mit zwei Schulstandorten – und damit Fisibach und Kaiserstuhl brüskieren. Oder das Festhalten am Ist-Zustand mit vier Standorten? Die Arbeitsgruppe hielt sich entsprechend zurück, betonte, dass sie nur eine Empfehlung ausspreche. Die Worte «mittel- und langfristig» flossen ins Statement ein. Die endgültige Entscheidung, welche Lösung schliesslich in den Fusionsvertrag kommt, liegt somit bei der Projektleitung und den Gemeinderäten der zehn Gemeinden. Und am Ende des Prozesses wären es die Gemeindeversammlungen und Urnenabstimmungen, die über die Fusion entscheiden.

Freizeit, Vereine, Jugend, Alter

Gegen eine Zentralisierung spricht sich hingegen die Arbeitsgruppe «Freizeit, Vereine, Jugend, Alter» aus. In ihrem Schlussbericht steht unter anderem: «Die lokal bestehenden Badeanstalten haben gerade für Familien mit Kindern einen grossen Stellenwert und sollen auch bei einem Zusammenschluss möglichst erhalten bleiben.» Des Weiteren würde nur ein Zusammenschluss die Umsetzung einer umfassenden Jugend- und Alterspolitik mit verbesserten Dienstleistungen und Angeboten ermöglichen. Diese liessen sich unter Mitwirkung der Bevölkerung bedarfsgerecht weiterentwickeln. Die Angebote und Dienstleistungen müssten der ganzen Gemeinde zur Verfügung gestellt werden und sollten nicht zentralisiert, sondern wenn möglich lokal angeboten werden.