Projekt Rheintal+

Das deutliche Ja zur Grossfusion im Zurzibiet ist erst ein Etappenziel

Daniel Weissenbrunner

Das Datum hätte nicht besser passen können: Fast auf den Tag vor 30 Jahren komponierte der deutsche Musiker Klaus Meine eine Rockballade. Sie sollte zum Sinnbild des Aufbruchs werden. «Wind of Change» von den Scorpions wurde zur Hymne der deutschen Wiedervereinigung.

Am Donnerstagabend schrieben zehn Gemeinden im Zurzibiet nicht Weltgeschichte, für die Region hat der 23. Mai 2019 gleichwohl historische Bedeutung. Die überwältigende Zustimmung von neun Gemeinden zum Fusionsvertrag ist ein eindrückliches Bekenntnis, die Zukunft gemeinsam gestalten zu wollen. Man ist bereit, über die eigenen Mauern hinwegzuschauen und die anstehenden Herausforderungen mit den – zugegeben – nicht immer geliebten Nachbarn anzupacken.

Die Geschichte hat uns aber auch gelehrt, dass der Weg zu einem Zusammenschluss beschwerlich ist. Ausdauer und Kompromissbereitschaft sind Voraussetzung, damit ein ambitiöses Projekt von Erfolg gekrönt wird. Die Befürworter haben mit dem deutlichen Ja nun eine vielversprechende Basis gelegt.

Es wäre indes fatal, wenn sich die Sieger auf ihrem Triumph ausruhen würden. Noch ist die Fusion nicht besiegelt. Die treibenden Kräfte für die Grossheirat tun gut daran, den Rückenwind zu nutzen, um bis zum Urnengang am 8. September den nach wie vor zahlreichen Kritikern aufzuzeigen, dass die Vorteile klar überwiegen, die Kehrseiten künftig aber ebenso zum Teil des täglichen Lebens gehören werden.

Fisibach hat die Nachteile mit seinem Nein höher gewichtet. Auf die Gemeinde dürften mit dem Alleingang aber kaum weniger Aufgaben warten als bei den fusionswilligen Nachbarn. Im Gegenteil: Die Gefahr ist gross, dass Fisibach künftig im Gegenwind steht.

daniel.weissenbrunner@schweizamwochenende.ch

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Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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