Im vergangenen Jahr wurde die Kuratle Group AG bereits mit dem Prix Nordschweiz des Swiss Venture Club «für ihr innovatives Geschäftsmodell und überzeugenden Zukunftsaussichten» gewürdigt. Nun kann ein weiterer Award in die Vitrine gestellt werden: Bei einer Gala im Trafo in Baden wurde das Unternehmen mit Hauptsitz in Leibstadt von der Beraterfirma Ernst & Young zum besten Unternehmen in der Kategorie «Family Business» ernannt.

Seit 1991 hat George Kuratle das Zepter beim 1955 gegründeten Holzhandelsbetrieb in der Hand. Ins Unternehmen eingetreten ist er aber einiges früher – im Jahr 1974. Für den 65-Jährigen ist der Preis als bestes Familienunternehmen Anerkennung «für all die harte Arbeit, die in den letzten über 40 Jahren in die Firma gesteckt wurde». Der gebürtige Rheinfelder, der die Leitung einst von seinem Vater Alfred übernahm, ist besonders stolz, dass auch die dritte Generation der Familie denselben Weg wie er einschlägt.

Auftritt an der Ski-WM

Corinne (31), Roger (29) und Fabian Kuratle (27) wirken bereits seit mehreren Jahren in der Firma mit, sind in die Unternehmens- und Personalentwicklung, Immobilien und Akademie involviert. Ziel von George Kuratle ist es, ab 2020 von der Firma «loszulassen», wie er es selbst nennt. «Danach müssen sich meine Kinder beweisen», sagt er. Corinne, Roger und Fabian sollen in wichtigere Positionen hineinwachsen, die Unternehmensgruppe führen werden sie indes noch nicht. Die Kuratle Group AG besteht aus acht operativ eigenständigen Gesellschaften. Deren einzelne Geschäftsführer bilden das Management der Gesamtgruppe.

Die Kuratle Group AG versorgt die verarbeitende Schweizer Holzbranche mit Bau- und Holzwerkstoffen. Das Material wird beschafft, in den firmeneigenen Lagerhallen konfektioniert und mit dem gruppeneigenen Transportunernehmen Meier Logistik an Zimmereien, Schreinereien und Baustellen geliefert. In Erinnerung bleibt auch ein Auftrag für die Ski-WM in St. Moritz im letzten Jahr, als die Firma den Auftrag erhielt, die Einzelteile für das 19 Meter hohe Maskottchen «Edy» zu fertigen.

Weltweit arbeiten rund 800 Personen für die Kuratle Group AG. «Schweizweit beschäftigen wir 500 Mitarbeiter», sagt George Kuratle. Elf Niederlassungen sind es in der ganzen Schweiz. International ist der Betrieb mit Standorten in den beiden Nachbarländern Österreich und Deutschland sowie in Südafrika vertreten. Seit acht Jahren fördert die in Kapstadt ansässige Organisation Holz als Baustoff im Land nachhaltig, erklärt George Kuratle die Expansion auf einen weiteren Kontinent.

Den Hauptsitz aber – dort, wo die Verwaltung liegt und das Holz bearbeitet und zugeschnitten wird – den hat die Kuratle Group AG im Zurzibiet. Die markanten blauen Lagerhallen sind wenige hundert Meter vom Leibstädter Atomkraftwerk am Rheinufer entfernt. Gegründet wurde das Unternehmen weiter flussabwärts: in Laufenburg. Erst 1982 erwarben George und sein Vater Alfred die ehemaligen Räumlichkeiten der konkursiten Firma Thermopal in Leibstadt. «Mehr Platz» hätten sie damals gebraucht, sagt George Kuratle. «In Laufenburg stiessen wir wirtschaftlich und infrastrukturell an unsere Grenzen. Wir nutzten die Gelegenheit, um zu expandieren.»

Auch in Zukunft bleibe der Standort im Leibstädter Industriegebiet unangetastet, betont Kuratle. Insgesamt 120, davon viele langjährige Mitarbeiter, sind dort angestellt. Kuratle sind Qualitäten wie Kontinuität wichtig, um seine Firma zu führen. Er ist aber auch offen für Neues. So schliesse er weitere Expansionen nicht aus. «Stillstand bedeutet Rückschritt», sagt Kuratle. Eine Weisheit, das er aus seiner Zeit als Unternehmer nur allzu gut kennt.