Klingnau

Das Beizensterben im Städtli geht weiter: «Uns fehlten die Gäste immer mehr»

Mit dem «Rebstock» und dem «Rosengarten» schliessen gleich zwei Restaurants im Ort. Während der «Rebstock» nach der Fasnacht schloss, im «Rosengarten» gehen im Mai die Türen zu.

Gleich zwei Restaurants in Klingnau schliessen oder haben schon geschlossen. Zum einen hatte der «Rebstock» in der Schattengasse an der Fasnacht zum letzten Mal Gäste – und dabei volles Haus bei rund hundert Personen, die am Montag Schnitzelbänke genossen.

Zum anderen zieht sich auch Erika Eggspühler, die Wirtin des «Rosengartens» an der Weierstrasse, zurück. Damit geht das Beizensterben in der Altstadt weiter. Bereits vor einigen Jahren verschwanden die «Ecke» und die «Sommerau».

Ihr Rückzug aus dem «Rebstock» habe hauptsächlich zwei Gründe, sagt Pächterin Danielle Arteaga, die den zweijährigen Mietvertrag nicht verlängert: «Es gab einige Unstimmigkeiten mit der Immobilienfirma.» Zum Beispiel seien Reparaturen an Inventar, etwa beschädigte Tische, nicht immer zeitnah durchgeführt worden, bemängelt die 35-jährige Würenlingerin.

Erst vor zwei Jahren hatte sie ihr im zentral gelegenen Lokal in der Altstadt ihr Restaurant mit spanischer Küche eröffnet. Das Team bestand zuletzt aus ihrer Mutter und drei Servicemitarbeitenden. Sie bedienten auch regelmässig Vereine. Im Jahr 2010 wütete ein Grossbrand in der «Rebstock»-Liegenschaft. Nach dem Wiederaufbau befand sich im Lokal erst ein Café, dann eine Pizzeria.

Erfolg bringt Problem

Auch der vorhandene Platz sei mit der Zeit ein Problem gewesen: «Das Team ist in der knapp bemessenen Küche organisatorisch an Grenzen gestossen, sobald mehr als 40 Gäste das Restaurant besuchten.»

Die von Beginn weg wachsende Anzahl der Gäste sei zwar erfreulich gewesen, die Küchenausstattung aber schlicht nicht gemacht für solche Mengen an Gerichten. Trotz Wehmut über das Ende des «Rebstocks» blickt Arteaga auch positiv in die Zukunft: «Die Arbeit in der Gastronomie bereitet mir sehr viel Freude, wir bedienten auch unsere Kundschaft immer sehr gerne.» Dennoch sei sie entschlossen: «Der Entscheid stimmt für mich so. Es gehen wieder neue Türen auf.»

Neue Türen am liebsten auch im Zusammenhang mit Kochen. Zudem könnte sie sich auch vorstellen, ihr Wissen an Lernende weiterzugeben. Sie habe regelmässig und mit viel Freude Köche ausgebildet, sagt Arteaga: «Ich könnte mir vorstellen, künftig mehr mit Jugendlichen zu arbeiten. Beispielsweise Kochen im Rahmen einer Kochschule zu unterrichten. Der Gastronomieszene möchte ich auf alle Fälle treu bleiben.»

Bedenkliche Lage in Klingnau

Auch im Restaurant Rosengarten am südlichen Eingang zur Altstadt zieht man einen Schlussstrich. Im Mai gehen die Türen im Gasthof nach achteinhalb Jahren für immer zu. Wirtin Erika Eggspühler will sich nach zehn Jahren aus der Gastronomie zurückziehen. Die 62-jährige Klingnauerin nennt eine schwierige finanzielle Situation als Grund: «Das Restaurant rentiert einfach nicht mehr.

Die Einnahmen sind seit mehreren Monaten nicht hoch genug, um einigermassen wirtschaften zu können.» Für Eggspühler besteht das Problem darin, dass die Bevölkerung andere Lokalitäten offenbar bevorzugt: «Die Leute orientieren sich eher im weitläufigeren Umkreis, um in Restaurants essen zu gehen. Uns fehlten die Gäste immer mehr.»

Alle Mitarbeiter der zwei Lokale haben eine neue Stelle gefunden. Die Nachfolge ist bei beiden noch offen. Mit dem Ende von «Rebstock» und «Rosengarten» per Ende Mai reduziert sich das kulinarische Angebot im Städtchen erheblich. Weiterhin in Betrieb sind die die Restaurants Romantica (Warteck) und Picone, die Elefanten Music Bar und der Pizza-Kurier «Very Good». Etwas ausserhalb, an der Dorfstrasse 7, liegt zudem der «Engel».

Impressionen aus Klingnau:

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