Es sind düstere Zeiten für die Gastronomieszene in Endingen. Nach über 20 Jahren geben die jetzigen Besitzer des Gebäudes an der Marktgasse 18, die «Interessensgemeinschaft Restaurant Post», die Zügel der Liegenschaft in neue Hände. Die Übergabe erfolgt, weil die IG-Mitglieder alle bereits im fortgeschrittenen Alter zwischen 59 und 89 Jahren sind. Der künftige Besitzer, der aus der Region stammt, wird das Restaurant laut der IG nicht weiterführen. Um wen es sich handelt, will die IG noch nicht bekannt geben, da die Handänderung erst in den kommenden Wochen erfolge. Dem Vernehmen nach sollen die zwei Wohnungen im oberen Stock bestehen bleiben. Die Fläche des Gastrobetriebs will der neue Inhaber gewerblich anderweitig nutzen.

Die IG setzte sich zuletzt noch aus sieben Mitgliedern zusammen. Die meisten stammen aus Endingen selbst und sind in der Männerriege aktiv. Die Gemeinschaft wurde 1998 von neun Personen gegründet, als die «Post» damals bereits zwei Jahre geschlossen war. Ziel sei es gewesen, der Dorfbeiz wieder Leben einzuhauchen, erinnert sich IG-Präsident Andreas Teller: «Wir wollten der unbefriedigenden Restaurant-Situation in Endingen entgegensteuern. Damals gab es nur noch wenige Lokale, die gerade auch Vereinen Gelegenheit für einen Treffpunkt boten.»

Wie ein zweites Zuhause

Gleich nach der Übernahme im Juli 1998 liess die IG das Gebäude teilweise renovieren. «Wir bauten die zwei Vier-Zimmer-Wohnungen im ersten und zweiten Stock um, zudem nahmen wir im Restaurant einige Neuerungen vor», erzählt Teller. «Unsere ersten Pächter konnten Anfang Oktober 1998 Neueröffnung feiern.» Kurz darauf gestalteten die IG-Mitglieder die grosse Gartenwirtschaft mit den zwei schattenspendenden Platanen mit viel Aufwand und Fronarbeit komplett neu.

Eine besonders intensive Beziehung zum Haus hat IG-Mitglied Gerhard Keller. Der Familie des 77-Jährigen gehörte die Liegenschaft, bevor die IG sie übernahm. Keller wurde im Obergeschoss des Gebäudes geboren. Kurz davor wurde das Haus um 1940 aufgrund des Baus der Surbtalstrasse zurückversetzt neu errichtet.

Die Abgabe der Liegenschaft und das damit verbundene Ende der Dorfwirtschaft gehe ihm nahe, sagt Keller: «Wir haben durch die IG in all den Jahren eine enge Bindung zum Restaurant Post aufgebaut. Es war natürlich auch unser Stammlokal.» Das Restaurant sei so etwas wie ein zweites Zuhause für Keller und seine Kollegen gewesen. Trotzdem sei der Entscheid jetzt gut so. «Wir sind unsere Sorgen etwas los», sagt Gerhard Keller.

In Endingen ist man gespannt, was die Zukunft betreffend der Dorfgastronomie bringen wird. Es gäbe noch viel Luft nach oben, betont Andreas Teller: «Im Dorfteil Endingen gibt es mit dem ‹Rössli› noch eine Wirtschaft, im Teil Unterendingen noch zwei. Früher konnte man insgesamt zwischen über einem halben Dutzend Restaurants wählen.»

Auch Gemeindeammann Ralf Werder zeigt sich betroffen über die Situation: «Das Lokal gehörte seit Jahrzehnten zum Dorfkern.» Für die Bevölkerung sei die «Post» wichtig gewesen. «Ohne das Restaurant wird ein Treffpunkt für die Endinger Bevölkerung fehlen.»

Aargauer Gastro-News 2019: