Alle zehn Jahre erhält die Bevölkerung im Umkreis der Atomkraftwerke Leibstadt, Beznau I und II, Gösgen und Mühleberg Jodtabletten zum Schutz der Schilddrüse bei einem AKW-Störfall.

Ab nächstem Montag bis Ende November ist es wieder so weit: 4,9 Millionen Menschen im Umkreis von 50 Kilometern um die Atomkraftwerke erhalten per Post eine violette Schachtel mit zweimal sechs Tabletten.

Im ersten Quartal 2015 werden auch öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten, Betriebe, Spitäler und Behörden beliefert.

Fragen zur Anwendung

Die neuen Tabletten erhalten ist das eine, sie richtig anwenden, das andere: Die Schachtel enthält ein Informationsblatt mit den wichtigsten Hinweisen.

Daneben gibt es aber auch eine Menge Fragen im Zusammenhang der korrekten Einnahme von Jodtabletten, die auf der Website www.kaliumiodid.ch beantwortet werden.

Ein Beispiel: «Mein Kind hat versehentlich eine Tablette verschluckt. Was soll ich tun?» Antwort: «Geben Sie dem Kind viel Flüssigkeit. Eine Arztkonsultation ist in der Regel nicht nötig. Falls das Kind mehrere Tabletten verschluckt hat oder spürbare Nebenwirkungen zeigt, ist es ratsam, Kontakt mit dem Haus- oder Kinderarzt aufzunehmen.»

Der schwedische Hersteller der Tabletten hat die der Frage zugrunde liegende kindliche Neugier in die Produktion einbezogen und die Tabletten zusätzlich mit einer kindersicheren Schutzfolie versehen, die das Herauslösen der Tabletten erschwert.

Der für die Verteilung der Jodtabletten verantwortlichen Armeeapotheke werden auch andere Fragen gestellt, welche die Menschen beschäftigen. So wollten mehrere Personen wissen, ob auch Haustiere mit den verteilten Tabletten geschützt werden können. Die Antwort: «Da die Dosierung bei Tieren viel niedriger ist als beim Menschen – sie liegt je nach Tierart 10- bis 100-fach tiefer – ist von einer Verabreichung abzuraten.» Nur Kühe könnten die Tabletten vertragen, bei allen anderen Tieren würden sie eine massive Überdosierung darstellen.

Die am häufigsten gestellten Fragen betreffen Anwendung und Wirkungsweise der Tabletten sowie die Entsorgung der vor zehn Jahren in einer rot markierten Schachtel abgegebenen Jodtabletten. Jede Packung enthält doppelt so viele Tabletten wie im Notfall nötig. Damit wird eine direkte Nachbarschaftshilfe ermöglicht.

Tabletten verhindern Krebs

Die Armeeapotheke weist darauf hin, dass die Tabletten nur nach behördlicher Anordnung über das Radio eingenommen werden dürfen. Jodtabletten sättigen die Schilddrüse vorübergehend und blockieren die Aufnahme von radioaktivem Jod. Dadurch kann durch Strahlung verursachter Schilddrüsenkrebs verhindert werden. Gefährdet sind vor allem Kinder und Jugendliche.

Parallel zur Neuverteilung läuft die Rücknahme der alten Packung, deren Ablaufdatum demnächst erreicht wird. Die rot markierten Packungen können – nach Erhalt der neuen Tabletten – jeder Apotheke oder Drogerie zur korrekten Entsorgung übergeben werden.