Peter Schläpfer reibt sich die Hände. Der Geschäftsführer von Bad Zurzach Tourismus hält mit seiner Begeisterung nicht zurück: «Für uns ist der Film eine einmalige Chance.» Schläpfer ist im Ort quasi der oberste Vermarkter von Papa Moll. Am berühmtesten Eierkopf des Landes führt in der Bädergemeinde kein Weg vorbei. Bad Zurzach ist Molls Heimat. Entworfen hat ihn seine Schöpferin Edith Oppenheim-Jonas 1952. Seit über 40 Jahren erscheinen die Bücher im Globi-Verlag. Bis heute existieren 28 Bände, die mehr als eine Million Mal verkauft wurden.

Und jetzt wird der rundliche Herr also Leinwandstar. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Im August beginnen die Dreharbeiten. Wer in die Rolle von Papa Moll schlüpft, wird bei der zuständigen Walt Disney Schweiz Company noch unter Verschluss gehalten. Was hingegen spruchreif ist: In Bad Zurzach und Umgebung soll ein Teil des Films entstehen. Das bestätigt Lukas Hobi. «Nach zahlreichen Gesprächen suchen wir derzeit nach geeigneten Drehplätzen», so der Produzent von «Heidi», «Tatort» und «s’Chline Gspängst».

In die Kinos kommt die Geschichte des liebenswerten Tollpatschs, dem die Kontrolle über seine Kinder im neuesten Abenteuer einmal mehr zu entgleiten droht, im nächsten Jahr. Nach «Schellen-Ursli» und «Heidi» wird damit eine weitere Kultfigur der Schweizer Kinderliteratur verfilmt. Die einheimischen Filmemacher setzen Familienkino «Made in Switzerland» konsequent fort.

Werbung für Bad Zurzach

In Bad Zurzach geniesst das Projekt oberste Priorität. Eine eigens gebildete Task-Force ist daran, den Ort werbewirksam in Position zu bringen. «Uns bietet sich die Gelegenheit, die Bekanntheit von Bad Zurzach über die Region weiter hinaus zu steigern», sagt Peter Schläpfer, der zusammen mit Stephan Güntensperger (Direktor der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden), Monica Fabbri und Roy Oppenheim (Sohn von Edith Oppenheim-Jonas) dem Ausschuss angehört.

Schläpfers Zuversicht ist durchaus berechtigt: Drehorte werden immer häufiger zu touristischen Anziehungspunkten. Das sogenannte Jet-Setting spricht nicht nur Cineasten an. Filmtourismus wird zunehmend zum Wirtschaftszweig. Wie das Beispiel vom «Bergdoktor» zeigt. Im Tiroler Örtchen gibt es mittlerweile zweimal jährlich eine Bergdoktor-Woche.

Auch in der Schweiz locken «Schellen-Ursli» und «Heidi» die Leute nicht nur in die Kinosäle, sondern in die Filmregion. In Bergün, wo «Heidi» gedreht wurde, fehlen noch konkrete Zahlen. Man geht aber davon aus, dass der Film einen nachhaltigen Effekt haben wird, wie Marc-Andrea Barandun, Geschäftsführer Bergün Filisur Tourismus, sagt. Mit Familienangeboten, einer Ausstellung und einem Themenweg will das Dorf im Albulatal Heidi-Fans für sich gewinnen und so den Umsatz steigern.

Ähnliches schwebt Peter Schläpfer und seinem Team in Bad Zurzach vor. Hierzu sollen geplante Investitionen im Zusammenhang mit dem Label «Papa Moll» vorgezogen werden, damit man beim Filmstart bereit ist. «Denkbar sind Führungen wie beim ‹Bestatter› oder ein Erlebnispfad nach dem Vorbild des Heidi-Wegs», sagt Schläpfer.