Döttingen

Dank Corona-Massnahmen: Seit drei Monaten kein Todesfall im Altersheim – mit kuriosen Folgen

Im Altersheim Döttingen dürfen Bewohner wieder Besuch auf den Zimmern empfangen – es gilt Maskenpflicht.

Im Altersheim Döttingen dürfen Bewohner wieder Besuch auf den Zimmern empfangen – es gilt Maskenpflicht.

Die Corona-Massnahmen im Döttinger Altersheim zeigen Wirkung. Weil zurzeit ein Anbau erstellt und der Altbau saniert werden muss, wird nun sogar der Platz knapp.

Die vergangenen Monate waren für die Altersheimbewohner hart: Als besonders gefährdete Personen waren sie von der ersten Coronawelle am meisten betroffen. Fast drei Monate lang durften sie keinen direkten Kontakt zu ihren Liebsten haben. Doch jetzt kann das Regionale Altersheim Unteres Aaretal in Döttingen erfreuliche Nachrichten vermelden. «Seit Mitte Juni haben wir keinen Todesfall», sagt Andrea Viereck, Leiterin Pflegedienst und stellvertretende Heimleiterin. Normalerweise verzeichne das Altersheim 1,5 sogenannte natürliche Austritte pro Monat.

Wie lässt sich das erklären? «Aufgrund der Coronamassnahmen sind die Bewohnerinnen und Bewohner noch stärker geschützt», erklärt Andrea Viereck. Deshalb werde nichts an die Senioren herangetragen – weder Bakterien noch Viren. Die Statistik des Bundes bestätigt diesen Trend: Die Sterbezahlen der über 65-Jährigen in der Schweiz liegen so tief wie schon lange nicht mehr. Im August lag die Zahl der wöchentlichen Todesfälle gar unter dem Wert, den die Statistik der vergangenen Jahre erwarten lassen würde.

Drei Bewohnerinnen in die Ferien geschickt

Seit dem Lockdown gilt im Altersheim Maskenpflicht. Der Kontakt zu den Liebsten wurde mit einer besonderen Massnahme ermöglicht: Die Bewohner konnten vom Mehrzwecksaal im Erdgeschoss aus ihre Angehörigen auf der anderen Seite des Fensters sehen und sich mit ihnen via Telefon unterhalten. Aktuell müssen sich Angehörige beim Eingang registrieren, einen Gesundheitscheck durchlaufen und die Hände desinfizieren. Besuche auf den Zimmern sind laut Heimleiter Steven Weill seit dieser Woche wieder erlaubt.

Die strengen Massnahmen wirken sich nicht nur auf die Lebenserwartung der Bewohner, sondern auch auf die Organisation des Altersheims. Zurzeit wird ein Anbau direkt an das bestehende Gebäude erstellt. Bis etwa in einem Jahr ist der Erweiterungsbau fertig. Dann zieht ein Teil der Bewohner von der bestehenden Liegenschaft in den Neubau. Bis Ende 2022 soll die darauf folgende Altbausanierung abgeschlossen sein und die Anzahl Einzelzimmer um 23 auf 87 erhöht werden. Das gesamte Projekt kostet rund 22 Millionen Franken. Die Arbeiten sind jedoch dem Zeitplan voraus, Anschlüsse wie etwa für Wasser und Heizung werden schon früher als angenommen ausgeführt. Davon sind auch Zimmer im bestehenden Gebäude betroffen, die an den Neubau angrenzen.

Man ging davon aus, dass diese Zimmer wegen natürlicher Austritte frei werden. Dies traf allerdings nicht ein, da das Altersheim aufgrund der Coronamassnahmen seit knapp drei Monaten keine Todesfälle verzeichnet hat. Das Altersheim hat nun eine Bewohnerin in das Zentrum für Pflege und Betreuung Pfauen und zwei in die «Prima Pflege – Residenz im Park» in Bad Zurzach verlegt. «Wir haben diese drei Bewohnerinnen sozusagen in die Ferien geschickt», sagt Viereck. Das Altersheim Döttingen pflege mit den umliegenden Altersheimen einen guten Kontakt, ergänzt sie. «Sobald wieder Zimmer frei werden, kehren die heimwehgeplagten Bewohnerinnen wieder nach Döttingen ins Regionale Altersheim Unteres Aaretal zurück.»

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