Die Gemeinde Klingnau freut sich über einen unerwarteten Geldsegen. Ein Sozialhilfe-Bezüger hat rund 173’000 Franken zurückgezahlt, das entspricht 2,5 Steuerfuss-Prozenten oder dem Doppelten des Betrags, der dank dem Goldfund von 2012 in die Klingnauer Kasse floss. Das Betreibungsamt hat die 173'000 Franken im Rahmen eines Rückerstattungsverfahrens eingetrieben, wie die Gemeinde mitteilt.

Verwaltungsleiter Rolf Walker spricht wegen der Höhe des Betrags von einem «aussergewöhnlichen und sehr seltenen Fall». Folgende Zahlen verdeutlichen dies: Zwischen 2015 und 2017 flossen pro Jahr durchschnittlich 190’000 Franken Sozialhilfegelder zurück in die Klingnauer Kasse. Die Sozialhilfe-Ausgaben lagen im selben Zeitraum im Durchschnitt bei 810’000 Franken. Aktuell wohnen 48 Sozialhilfe-Bezüger im 3400-Einwohner-Städtchen.

Wodurch sich die Vermögenssituation der Person so markant verbessert hat, darüber könne die Gemeinde aus Datenschutzgründen keine Angaben machen, sagt Walker. Jeannine Meier, Präsidentin des Verbands Aargauer Gemeindesozialdienste, geht aufgrund der Höhe des Betrags davon aus, dass hier etwas Aussergewöhnliches passiert ist. «Denkbar ist eine Erbschaft oder ein Lottogewinn, das hatten wir in Aarau auch schon», sagt sie. Meier leitet die Sozialen Dienste der Kantonshauptstadt.

«Denkbar ist eine Erbschaft oder ein Lottogewinn»

«Finden Sozialhilfe-Bezüger wieder eine Arbeit, sind das oft einfache Jobs mit tiefem Lohn», führt Meier aus. Dass sie hohe Beträge zurückzahlen könnten, sei die Ausnahme. Es gebe aber durchaus solche, die von sich aus diese Schulden zurückzahlen. «Das sind mehr Leute, als man gemeinhin meint.»

Dass bezogene Sozialhilfegelder Schulden sind, geht in der öffentlichen Wahrnehmung oft unter. Doch Sozialhilfe-Bezüger müssen die Gelder zurückzahlen, wenn ihr Portemonnaie das wieder zulässt. Die Gemeinden sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Vermögens- und Einkommenssituation der Sozialhilfe-Bezüger «periodisch» zu überprüfen. In welchen zeitlichen Abständen dies geschieht, ist unterschiedlich, weiss Meier. «Hier besteht ein Spielraum.»

Abklärungen, ob Sozialhilfe-Bezüger ein Anrecht auf andere Leistungen, etwa von der IV, haben, würden sich aber oftmals mehr lohnen. Die Rückerstattungspflicht für die Sozialhilfe-Bezüger besteht 15 Jahre lang. «So lange müssen die Gemeinden auch die Akten aufbewahren», sagt Meier.