Massnahmen

Corona-Virus: Feriensperre für Beznau-Mitarbeiter – so rüsten sich die Aargauer AKWs gegen eine Epidemie

Feriensperre: Mitarbeitende des AKW Beznau müssen zurzeit zu Hause bleiben. (Archivbild)

Feriensperre: Mitarbeitende des AKW Beznau müssen zurzeit zu Hause bleiben. (Archivbild)

Die Kernkraftwerke Beznau und Leibstadt haben Massnahmen ergriffen, um eine schnelle Verbreitung des Corona-Virus' unter den Mitarbeitenden zu verhindern. Dazu gehören Home-Office, und dass in den Mensas jeder zweiter Platz frei bleibt.

Das Corona-Virus lässt sich nicht mehr aufhalten – diese Ansicht setzt sich mehr und mehr durch. «Es geht nicht darum, die Verbreitung zu verhindern, sondern zu verlangsamen», sagt etwa Jürg Lareida, Präsident des Aargauischen Ärzteverbands zur AZ. Berufstätige sollten nicht arbeiten gehen, wenn sie sich krank fühlen, sagt er. 

Um einer schnellen Verbreitung entgegenzuwirken, haben nun auch die Kernkraftwerke Beznau (KKB) und Leibstadt (KKL) diverse Massnahmen getroffen, wie die «Aargauer Zeitung» erfahren hat. Das bestätigen der Beznau-Betreiber Axpo sowie das KKL, das Axpo zu rund 53 Prozent gehört. Corona-Verdachtsfälle unter den 460-KKB- und den 500 KKL-Mitarbeitenden gibt es zurzeit nicht.

Ein Rundgang im Kernkraftwerk Beznau in Bildern:

«Das KKL verfolgt das Ziel, die Gesundheit der Mitarbeitenden zu schützen, und insbesondere das gleichzeitige gehäufte Auftreten von allfälligen Erkrankungen zu verhindern», sagt Sprecher Thomas Gerlach. So soll eine Ansteckung von Mitarbeitenden ausserhalb des Werks vermieden sowie eine Weiterverbreitung unter den Mitarbeitenden bekämpft werden. Gerlach weiter:

Was auf der Hand liegt: Die Massnahmen haben auch finanzielle Gründe. Wäre der sichere Betrieb wegen zu vieler Personalausfälle nicht gewährleistet, müssten die AKWs heruntergefahren werden. Für Beznau betragen die Ausfallkosten 300'000 Franken pro Tag, für Leibstadt 500'000 Franken. Das hatte die «Handelszeitung» vor rund zwei Jahren auf Basis des damaligen Strompreises berechnet. 

Home-Office und Feriensperre

Konkret wird in den wichtigen Fachabteilungen für die nächsten zwei Wochen im sogenannten Split-Operations-Modell gearbeitet, sprich in zwei Gruppen, sagt Axpo-Sprecher Antonio Sommavilla. Die einen Mitarbeitenden arbeiten im Werk, die anderen machen «Home Office» oder sind zumindest auf Abruf verfügbar.

Für Beznau-Mitarbeitende gilt eine Feriensperre. So weit geht das KKL nicht. Dort gilt laut Sprecher Gerlach eine "besondere Ferienregelung, um die Erreichbarkeit und Rückrufbarkeit der Mitarbeitenden sicherzustellen". 

Das AKW Leibstadt: Blick von Schweizer Seite, im Hintergrund sind der Rhein und die deutsche Nachbarschaft zu sehen.

Das AKW Leibstadt: Blick von Schweizer Seite, im Hintergrund sind der Rhein und die deutsche Nachbarschaft zu sehen.

Die AKWs haben alle Geschäftsreisen, die Aus- und Weiterbildungen sowie die Teilnahme an Veranstaltungen, Meetings und Messen mit wenigen Ausnahmen abgesagt. Bei Grippesymptomen im persönlichen Umfeld müssen die Mitarbeitenden zu Hause bleiben. Sie erhalten dann von einer Task-Force Anweisungen, wie sie sich verhalten sollen. Dasselbe gilt für Mitarbeitende, die aus Risikoländern zurückkehren. 

Keine Besuche

«Die Mitarbeitenden sind aufgerufen worden, die Hygiene- und Abstandsregeln strikte einzuhalten», führt Sommavilla weiter aus. "Auch sind die Reinigungsmassnahmen an Handläufen und Türfallen erhöht worden." Bis auf weiteres erhalten Besucher und andere Externe keinen Zugang mehr für die AKWs. 

Die AKW-Mitarbeitenden wurden zudem dazu aufgerufen, private Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Fernbussen und Flugzeugen zu unterlassen und generell Anhäufungen von Personen zu meiden.

Jeder zweite Sitz in der Mensa bleibt leer

Auch in den Personalrestaurants gibt es Änderungen: Dort ist nur noch jeder zweiter Stuhl besetzt. Offene Essenwaren werden nicht mehr angeboten. Die Zahl der Menüs wurde auf zwei (Beznau) respektive drei (Leibstadt) reduziert. «Das Besteck ist eingepackt», sagt Sommavilla.

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