Das Projekt Doppeltür ist in die Liste der lebendigen Traditionen des Bundesamtes für Kultur aufgenommen worden», sagt Lukas Keller, der Präsident des Vereins Doppeltür. «Wir sind stolz, dass der Verein jetzt dieses Gütesiegel tragen darf.» Beim Verein Doppeltür, der sich die Vermittlung der jüdisch-christlichen Geschichte von Endingen und Lengnau zum Ziel gemacht hat, gibt es aber gleich mehrfachen Grund zur Freude: Im Rahmen der Zurzibieter Kulturnacht fand am Samstag der erste Anlass im künftigen Begegnungszentrum in Lengnau statt: Der Jüdische Kulturweg Endingen Lengnau zeigte den Film «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse», nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Meyer. Zudem konnte der Verein Doppeltür einen Check aus dem NAB-Kulturfonds in Empfang nehmen.

«Das Zusammenleben der jüdischen und der christlichen Bevölkerung in den beiden Surbtaler Dörfern ist wahrscheinlich nicht immer einfach gewesen», stellte Lukas Keller vor geladenen Gästen in der Synagoge Lengnau fest. «Die Doppeltür zeigt aber, dass jüdische und christliche Menschen unter einem Dach – Tür an Tür – gelebt haben.» Die Erkenntnis, dass ein solches Nebeneinander und Miteinander möglich ist, hinauszutragen, sei eines der wichtigsten Anliegen des Vereins Doppeltür.

«Das Projekt Doppeltür soll nachhaltig sein und es wird nachhaltig sein», betonte Roy Oppenheim vom Vorstand des Vereins, in einem spannenden Exkurs in die jüdisch-christliche Kulturgeschichte. «Doppeltür ist aus den Erfahrungen und Erkenntnissen des Jüdischen Kulturwegs Endingen-Lengnau entstanden, der eigentlich kein jüdischer, sondern ein jüdisch-christlicher Kulturweg ist. Doppeltür versucht, den Bildungsschatz zu vermitteln, den wir hier mit der Geschichte und den Kulturgütern haben. Wir sind überzeugt, dass wir auf gutem Wege sind.»

Beitrag aus dem NAB-Kulturfonds
Eine grosse Hilfe auf diesem Wege ist zweifellos der Check über 75 000 Franken aus dem NAB-Kulturfonds, den Lukas Keller und Doppeltür-Vizepräsidentin Esther Girsberger im künftigen Begegnungszentrum aus den Händen von Rolf Wolfensberger, Regionenleiter Brugg-Zurzach der NAB, entgegennehmen durften. «Das Vermittlungsprojekt Doppeltür hat uns von Anfang an angesprochen», erklärte Rolf Wolfensberger. «Mit dem Kauf des historischen Hauses und seinem Ausbau zum Begegnungszentrum entsteht ein einzigartiger Ort, der das Zusammenleben jüdischer und christlicher Menschen dokumentiert. Mit ihrer Kulturstiftung, die jährlich Beiträge in der Gesamthöhe von 350 000 Franken ausrichtet, engagiert sich die NAB für Leuchtturmprojekte mit nationaler Ausstrahlung.» Lukas Keller revanchierte sich bei Rolf Wolfensberger mit Mazzen, dem traditionellen jüdischen Gebäck, das an den Auszug der Juden aus Ägypten erinnert.

Als besonderen Gast konnte Susanne Holthuizen vom Jüdischen Kulturweg Endingen Lengnau Thomas Meyer, den Autor des Erfolgsromans «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse», nicht nur persönlich vorstellen, sondern ihm auch interessante Aussagen entlocken. Unter anderen die höchst erfreuliche, dass die Geschichte des Mordechai Wolkenbruch offenbar nicht in den Armen einer Schickse endet.