Ein Skitag in Zermatt, ein Mittagessen an der Promenade in Ascona oder ein Besuch im Tinguely-Museum in Basel. Wer kostengünstig einen Tagesausflug mit den öffentlichen Transportmitteln unternehmen möchte, dem bietet sich der Kauf einer SBB-Tageskarte in der Wohngemeinde an.

In rund 1200 Orten werden schweizweit diese «Mini-GAs» abgegeben. Auch im Zurzibiet: In 18 von 23 Gemeinden können die Tagesscheine zum Vorzugstarif bestellt werden. Nur Fisibach, Full-Reuenthal, Leuggern, Siglistorf und Tegerfelden verzichten auf dieses Angebot (siehe Tabelle). Begründung: «Es besteht das Risiko, dass der Verkauf nicht kostendeckend ist», sagt die stellvertretende Gemeindeschreiberin in Leuggern, Seraina Baldinger.

Tatsächlich ist der Kauf der Tageskarten ein Verlustgeschäft. Eine Gemeinde zahlt für einen Satz von 365 Tageskarten aktuell 14 000 Franken. Das ergibt einen Durchschnittspreis von Fr. 38.35. Die Tageskarten werden im Zurzibiet dann für zwischen 35 Franken für Einheimische in Koblenz und Leibstadt bis 43 Franken in Würenlingen und Döttingen abgegeben.

Damit sich das Defizit einigermassen in Grenzen hält, sind die Gemeinden daher auf eine möglichst hohe Auslastung angewiesen. Doch genau das wird zunehmend zum Problem. Vorbei sind scheinbar die Zeiten, in denen sich die Suche nach einer Tageskarte als ein aussichtsloses Unterfangen gestaltete.

Inzwischen sind die Buchungen in den meisten Gemeinden rückläufig. Am geringsten ist die Nachfrage im Bezirk derzeit in Endingen. Im letzten Jahr wurden im Surbtaler Ort nur noch 74 Prozent der verfügbaren Tickets abgesetzt. Dennoch will man am bestehenden Angebot festhalten, wie Luana Erne, stellvertretende Gemeindeschreiberin, sagt. Eine Absetzung sei bisher nicht zur Diskussion gestanden.

Verwaltung 2000 diskutiert laufend

Anders sieht es die Verwaltung 2000, die Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Mellikon, Rekingen, Rümikon und Wislikofen umfasst. Dort sind die roten Zahlen, welche die Tageskarte verursacht, sehr wohl ein Thema. In den sieben Gemeinden ging die Auslastung 2018 auf 79 Prozent zurück.

Zum Vergleich: Vor fünf Jahren lag der Wert noch bei gut 90 Prozent. «Bei uns wird über die Tageskarten regelmässig diskutiert», sagt die zuständige Sachbearbeiterin Corina Obrist. Dennoch hat man auch hier von einer Aufhebung bisher abgesehen, auch wenn die Rechnung nicht aufgeht. Wie gross das Loch in den einzelnen Kassen effektiv ist, darüber halten sich die angefragten Gemeinden im Bezirk bedeckt.

Im Unterschied zu Vordemwald. Die Gemeinde im Bezirk Zofingen gab vor wenigen Wochen bekannt, dass das Defizit im vergangenen Jahr rund 6000 Franken betragen hat. Geprüft wird nun, ob die Anzahl Tageskarten reduziert werden soll. Für Aufsehen sorgte vor einigen Jahren Zürich. Die grösste Schweizer Stadt schaffte aus Kostengründen den Verkauf trotz ansprechender Auslastung ab.

Aufgabe der Gemeinde?

So weit ist man im Zurzibiet noch nicht. Man behalte die Entwicklung allerdings im Auge, sagt die stellvertretende Leiterin des Fleckenbüros, Chantal Spörri. Die Auslastung im Bezirkshauptort lag zuletzt bei 85 Prozent, nachdem sie lange immer mindestens 90 Prozent betragen hatte.

Warum das Interesse abgenommen hat, kann sich Spörri nicht erklären. Eine mögliche Ursache könnten die attraktiven Aktionen sein, welche die SBB selbst auf den Markt bringen. Die sogenannte Sparkarte ist für Besitzer des Halbtax-Abos bereits für 29 Franken erhältlich.

Trotz den rückläufigen Zahlen will man auch in Bad Zurzach vorläufig an der Dienstleistung für die Bevölkerung festhalten. Eine andere Ansicht vertritt man in Leuggern. Hier stellt man sich grundsätzlich die Frage, ob es sich bei der Tageskarte um eine Gemeindeaufgabe handeln muss.