Der Jüdische Kulturweg aus dem Surbtal besteht schon länger – nun wird er ennet des Rheins fortgesetzt: Nach viel getaner Arbeit, voller Freude und Stolz, feierten rund 50 Schweizer und deutsche Gäste mit dem «Freundeskreis Jüdisches Leben» in Tiengen auf dem Synagogenplatz die Eröffnung des Kulturwegs auf deutscher Seite. Umrahmt wurde die Feier von den jungen Musikern Raphael Buchmüller sowie von Julia und Rahel Albicker.

Bereits im Jahr 2009 wurde in Endingen und Lengnau der erste Jüdische Kulturweg eröffnet. Dass er im Rahmen des Projekts «Brückenschlag» nun im Landkreis Waldshut fortgesetzt wird, ist dem Engagement des «Freundeskreises Jüdisches Leben» in Tiengen und engagierten Mitstreitern beiderseits des Rheins zu verdanken. Der Weg soll helfen, die Erinnerung an einstiges jüdisches Leben in den beteiligten Orten und seine grenzüberschreitenden Verflechtungen lebendig zu halten.

«Zugleich möchten wir auf Versöhnung hinarbeiten und hoffen, dass sich der Weg über die Grenzen hinweg ausbreitet», sagte Martina Bucher-Nezirovic in ihrer kurzen Ansprache.

Sie betonte: «Das Projekt ist für alle Orte offen.» Franz Bertschi, Gemeindeammann von Lengnau, hatte als Geschenk ein Foto des ausgegrabenen und restaurierten jüdischen Tauchbads (Mikwe) in Lengnau mitgebracht – eine Station des dortigen Jüdischen Kulturwegs. Bertschi bezeichnete den Surbtaler Kulturweg als Erfolgsgeschichte, das Interesse der Menschen an der jüdischen Vergangenheit sei nachhaltig gestiegen.

Julia Albicker, Raphael Buchmüller und Rahel Albicker (v.l.) umrahmen mitstimmungsvollen Darbietungen die Feier auf dem Synagogenplatz.

Julia Albicker, Raphael Buchmüller und Rahel Albicker (v.l.) umrahmen mitstimmungsvollen Darbietungen die Feier auf dem Synagogenplatz.

Es braucht offene Herzen

Dass auch auf Schweizer Seite für die Verwirklichung des Kulturwegs Arbeit und ein Öffnen der Herzen nötig gewesen seien, bestätigte der Publizist Roy Oppenheim aus Lengnau, einer der massgeblichen Impulsgeber für den Jüdischen Kulturweg.

Die Tiengener Gemeinderätin Rita Mosel überbrachte die Glückwünsche der Stadt und würdigte den grossen Beitrag des Freundeskreises Jüdisches Leben gegen Verdrängung und Vergessen. Bevor die Gäste sich bei einem Apéro mit Matze (ungesäuertes jüdisches Brot) und Hefezopf nach jüdischer Art austauschten, hörten sie noch Erinnerungen des Schriftstellers Jacob Picard (1883–1967) an seine Besuche bei seinen Grosseltern in Tiengen, vorgelesen von Matthias Wetz.