Theater

Brave Gespenster in Kaiserstuhl

Helene (Elisabeth Graf) mit Sohn Osvald (David Gasser).b. Meier

Helene (Elisabeth Graf) mit Sohn Osvald (David Gasser).b. Meier

Theater Henrik Ibsens Familiendrama «Gespenster» wird im Laxdal-Theater in Kaiserstuhl gespielt. Die textnahe Umsetzung lässt den Schauspielern wenig Spielraum.

Die Bühne ist rustikal. In einem mit Blumentöpfen verstellten Gartenzimmer stapeln sich aufklärerische Werke, und ein gemütliches Sofa lädt zum Verweilen ein. Ein auffallend hübsches Dienstmädchen (Nadine Arnet) bündelt beflissen Zeitungen, für ein Festmahl soll alles hergerichtet werden. Aufgrund ihres lieblichen Äusseren ist man erstaunt, wie harsch sie auf den humpelnd eintretenden Mann reagiert, der sich als ihr Vater, Jakob Engstrand (Beat Gärtner), entpuppt.

Bigotte Pfarrersfigur

Offensichtlich ein Trunkenbold mit leichten Gedanken, will er Regine überzeugen, mit in die Stadt zu kommen, wo er ein Asyl für Seefahrende eröffnen will. Von dem fadenscheinigen Angebot und seiner körperlichen Annäherung angewidert, jagt Regine ihren Vater davon – und wird sogleich von Pastor Manders (Peter Niklaus Steiner) heimgesucht.

Die Rolle des bigotten Kirchenmannes und Beraters der Familie ist Steiner wie ins Gesicht geschrieben; seine Wangen röten sich enthusiastisch, sobald er an die Pflicht und das Ehrgefühl seines Gegenübers appelliert. Dass der Pastor dieses oft genug selbst missachtet, weiss er rhetorisch-elegant ins Gegenteil zu verwandeln.

Als schliesslich die Witwe des verstorbenen Hauptmanns, Helene Alving (Elisabeth Graf), in einem überladenen Trauerkleid auf die Bühne tritt, ist eines klar: Modern wird hier nichts mehr. Der Regisseur und Mime des Pastors, Peter Niklaus Steiner, hat sich für eine sehr textnahe Inszenierung entschieden.

Durch zeitgemässe Kostüme (Noelle Brühwiler) und ein beengendes Bühnenbild soll dem Stück nahe gekommen werden. Jedoch gibt das den Schauspielern kaum Luft zur Interpretation ihrer Rollen, das kreative Spiel mit dem Material sucht man vergebens.

Die tragische Selbstzerstörung einer Familie nimmt ihren Lauf. Nach dem fulminanten Auftritt des «verlorenen Sohns» und Malers Osvald (David Gasser), der Regine ohne das Wissen, dass es sich dabei um seine Halbschwester handelt, einen Heiratsantrag macht, werden immer mehr Zeugnisse von Betrug, Inzest und seelischer Gewalt aufgedeckt. Die Gespenster liegen endgültig in der Luft. Auf dramatische Weise spitzt sich die Lage zu – und der Applaus des Publikums in Kaiserstuhl hält lange an.

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