Der Mellstorfer Bestand ist mit rund 2000 Pflanzen der grösste im Aargau und fast der Einzige im Zurzibiet. Lediglich beim Rekinger «Nurren» findet man noch vereinzelte Exemplare.

Die sandigen, trockenen Hänge des «Gweslig» mit ihrer Magerwiese bieten der Küchenschelle einen idealen Standort. Ursprünglich hiess die Pflanze «Kuhschelle». Wie daraus die Küchenschelle wurde, weiss niemand genau. Mit Küche oder dem Kochen dürfte der Name aber nichts zu tun haben: Die Küchenschelle ist giftig, wie es für die Familie der Hahnenfussgewächse typisch ist. Die Bezeichnung «Schelle» weist auf die glockenförmigen Blüten hin, genauso wie der lateinische Gattungsname Pulsatilla (von «pulsare»: schlagen, läuten).

Die Küchenschelle blüht im März und April. Nach der Blüte kann die krautige Pflanze bis zu 40 cm hoch werden. Sie wurzelt tief ins Erdreich und übersteht so auch Trockenheit. Ihr dichter Haarfilz schützt die Pflanze nicht nur vor kühlen Temperaturen, er ist auch eine Art Sonnenschutz: Die weissen Härchen reflektieren das Licht und verhindern so, dass die Pflanze Strahlungsschäden erleidet oder zu sehr erhitzt wird.

Küchenschellen können 80 werden

Küchenschellen können bis zu 80 Jahre alt werden. Um sie zu erhalten, kümmert sich Pro Natura Aargau in Zusammenarbeit mit Kanton, Gemeinde, Forst und Jägern um die Küchenschellen im «Gweslig». Neben den heutigen Beständen in der Magerwiese entlang der Bodenächerstrasse sollen weitere Standorte besiedelt werden. So wurde der angrenzende Wald vor einigen Jahren aufgelichtet. Dadurch herrschen am Waldboden höhere Temperaturen und ein stärkerer Lichteinfall. Ziel ist, dass sich auf dem Waldboden eine Krautschicht entwickelt, die dereinst ebenfalls Küchenschellen beherbergen soll.

Jedes Jahr kommen Pflanzenfreunde aus der ganzen Schweiz nach Mellstorf, um die Küchenschelle zu sehen. Sie sind angehalten, die Wiese nicht zu betreten – und auf keinen Fall Küchenschellen als Souvenir mitgehen zu lassen. (NRO)