Es ist noch nicht lange her, da war Klingnau ein stolzer und gewichtiger Polizeistandort. Die Kantonspolizei Aargau und die Regionalpolizei Zurzibiet hatten ihre Polizeiposten im Städtchen. 2016 begann das Bangen um die Zukunft des Kapo-Postens. Geschlossen wurde er – wie anfangs befürchtet – zwar nicht, aber seit Juli 2017 sind nur noch zwei Kantonspolizisten im Klingnauer Amtshaus stationiert. Sie patrouillieren an den Wochentagen und ergänzen die Stützpunkte Brugg und Baden. Einige Jahre zuvor war die Kapo noch mit neun Mitarbeitern im Städtchen vertreten.

Nun droht ein weiterer Verlust. Die Regionalpolizei könnte Klingnau verlassen, wie Stadtammann Reinhard Scherrer auf Anfrage bestätigt. Sie beschäftigt derzeit 16 Angestellte im denkmalgeschützten Amtshaus, das zwischen 2008 und 2010 für über 3 Millionen Franken saniert und zum Polizeiposten umfunktioniert wurde. «Der Führungsausschuss der Regionalpolizei Zurzibiet evaluiert zurzeit das Angebot Klingnaus und jenes der Gemeinde Böttstein», sagt Scherrer. Nach der Reduktion der Kantonspolizei würde der Wegzug der Regionalpolizei Klingnau empfindlich treffen.

Klingnau will 60 000 Fr. Miete

Bei der Standortfrage geht es nicht nur um Prestige, sondern vor allem um viel Geld, das in die Gemeindekassen fliesst. Eine empfindliche Einbusse musste Klingnau bereits mit der Reduktion der Kapo hinnehmen: Diese verkleinerte nicht bloss den Personalbestand, sondern auch ihre Mietfläche im Amtshaus von 253 auf 84 Quadratmeter. Die Mieteinnahmen der Gemeinde sanken so per 1. Januar 2018 von 63'000 auf rund 23'000 Franken pro Jahr. Die Regionalpolizei bezahlt seit April 2012 jährlich 30'000 Franken Miete. Aus den Einnahmen von insgesamt 93'000 Franken wurden so noch 53'000 Franken.

«Die Differenz beträgt 40 000 Franken», sagt Scherrer, «das können wir unseren Steuerzahlern nicht zumuten.» Die Regionalpolizei ist inzwischen von 7 auf 16 Angestellte gewachsen, sie benötigt deshalb auch mehr Räumlichkeiten. Diese konnte sie von der der Kapo übernehmen. «Die Regionalpolizei nutzt nun mehr Fläche als zuvor, was einen höheren Mietzins rechtfertigt», sagt Scherrer. Neu soll die Repol deshalb jährlich 60 000 Franken Miete entrichten.

Böttstein will 12'000 Franken weniger

Der Führungsausschuss der Repol Zurzibiet und der Behördenausschuss haben dem Ansinnen zugestimmt. Nicht aber die Zurzibieter Gemeinden. Die Vertragsgemeinden entrichten der Standortgemeinde 50 Prozent der Miete. Die benötigte Zweidrittelmehrheit wurde mit 15:8 Stimmen um eine Stimme verfehlt. Gleichzeitig unterbreitete die Gemeinde Böttstein ein Konkurrenzangebot: Sie will der Regionalpolizei im Ortsteil Kleindöttingen ein neues Zuhause bieten. Für 48'000 Franken Miete pro Jahr. Also 12'000 Franken günstiger als Klingnau.

Der Führungsausschuss muss nun die beiden Angebote evaluieren. Das Gremium besteht aus den Ammännern Bad Zurzachs, Lengnaus, Döttingens, Klingnaus und Böttsteins. Die «direkten Konkurrenten» Reinhard Scherrer und Patrick Gosteli (Ammann Böttstein) treten dabei in den Ausstand, die drei anderen haben eine Arbeitsgruppe gegründet, Repol-Chef René Lippuner steht beratend zur Seite. Für einen Standortwechsel müssten erneut Führungsausschuss, Behördenausschuss und zwei Drittel der Vertragsgemeinden zustimmen.

Scherrer sieht gewichtige Argumente für Klingnau. Der Standort sei zentraler als jener in Böttstein. Dieses Argument hatte schon überzeugt, als Klingnau vor vielen Jahren das Rennen um den Repol-Posten gegen Bad Zurzach gewann. «Und selbst wenn die Miete in Böttstein billiger wäre, so entstünden dennoch zusätzliche Kosten für den Abbau des bestehenden und den Aufbau des neuen Postens», fährt Scherrer fort. Am Mietpreis von 60'000 Franken will der Stadtammann festhalten. «Der Marktpreis liegt gar bei 90'000 Franken», sagt er.

Die Entscheidung über den neuen Standort der Repol Zurzibiet sollte noch in diesem Jahr fallen. Die Umsetzung kann aber später erfolgen.