Tegerfelden

«Bödele» sorgte für Genuss ohne Reue

Der 15. «Wysonntig» hat rundherum gehalten, was seine Vorläufer versprochen hatten.

Schon wieder zwei Jährchen vergangen? Dabei sind doch die im September 2016 in Tegerfelden verbrachten Stunden noch immer ganz präsent: das Flanieren die Dorfstrasse hinauf und hinab, das Degustieren, Schnabulieren, Fachsimpeln, sich Amüsieren. Längst hat der biennale Besuch vom «Wysonntig» in vielen Agenden einen fixen Platz. Auch weil man am «Wysonntig» dem einen und der anderen Bekannten begegnet, die man, gopfridschtutz, seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hat: ein schöner Nebeneffekt neben den Genüssen für Auge, Ohr, Nase und – ganz besonders für den Gaumen. Denn wie hatte doch bereits vier Jahrhunderte vor Christus Euripides festgestellt: «Wo der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens.»

So waren sie denn, die Geniesserinnen und Geniesser, am Wochenende von dr Holzbude vom «Grivögtler» zu jener vom «Alten Berg», vom «Deppelerwein» zum «Mühlebach», vom «Baumgartner» zum «Beerenhof», vom «Volg» zum «Knecht» aus Döttingen gepilgert. Sie haben ihre Nasen in Gläser mit goldgelber und rubinroter Flüssigkeit gesteckt. Gar mancher verköstigte den Sauvignon Blanc, der es zum Aargauer Staatswein 2018 geschafft hat. Kritisch wurde geprüft, ob die Tannine im Cuvée Noir gut eingebettet sind, wie es um die Restsüsse im Chardonnay und die Säure im Garanoir steht.

Doch «Koma-Säufer» sind am «Wysonntig» total fehl am Platz. Dafür, dass selbst ein allfälliges Schwipserl nicht allzu gross wird, sorgt ein halbes Dutzend einheimische Vereine von den Schützen über die Landfrauen bis zu den Turnern. Sie tischten zum «Bödele» unter anderem Eglifilets, Pouletflügeli, Schweinshaxen und selbst gebackene Kuchen auf. An einem der langen Tische vor der «Metzgerschür» genoss Ruth Hauenstein eine Bratwurst und trank einen Schwarztee. Die 86-jährige Ur-Tegerfelderin bekennt, Wein nicht zu mögen, erwähnt dann aber stolz, dass sie hier in ihrem Heimatdorf einst die erste Kindergärtnerin, die erste weibliche Schulpflegerin, die erste Altersturn- und die erste Spielgruppen-Leiterin gewesen sei.

Verkleiden stand hoch im Kurs

Vor dem «Beerenhof» scharren «Anemone» und «Jakari» mit den Hufen auf dem Asphalt: Sie warten auf weitere Passagiere, die sie – mit Daniela Grosswiler auf dem Bock – in einer Kutsche durch die Rebberge ziehen können. Erneut hat Isabelle Schmid zwei Kutschen mit Pferden für die Rundfahrten aufgeboten. Nicht nur sie selbst war elegant mit Hut im Stil der Belle Epoque gewandet. Schmid hatte auch für die beiden Teenager Alina und Yara reizende Kleider im Stil der Zeit genäht und die beiden als «Rossbölle»-Sammlerinnen aufgeboten. Überdies hatte Schneider Urs Fornasieri aus Endingen eine grosse Auswahl an Bekleidungsstücken aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bereitgestellt, in denen Männlein und Weiblein sich fotografieren lassen konnten.

Mit einem riesigen und einem etwas kleineren Teddybären in den Armen war Stefanie Mörgeli aus Zürich unterwegs: Siro Leandro Keller aus Leuggern und Sven Zurbuchen aus Klingnau hatten sie für die Verehrte herausgeschossen und dabei ordentlich tief in die Tasche gegriffen. Für den grossen waren 70 Schuss à einen Franken nötig; für den kleineren haben sie beim Büchsenschiessen 35 Stutz investiert.

Zum «Wysonntig» gehört traditionell immer auch eine stattliche Portion Unterhaltung. Am Samstag war das unter anderem die 20-köpfige Combo «Bieranjas» aus dem Fricktal: Auf und vor der kleineren Bühne heizten sie den Zuhörern mit einer rassigen Musikshow tüchtig ein. Auf der grossen Bühne präsentierte das zürcherisch-st.gallische Duo «Handundstand» einige Highlights aus seinem aktuellen zweiten abendfüllenden Programm «drunter&drüber». Darin lockern Marcel Brunner und Lukas Külling ihr beeindruckendes artistisches Können verbal mit Comedy-Elementen auf.

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