Rietheim

Blumen und Kerzen an Strasse für verstorbene Angehörige erregen Gemüter

Blumen und Kerzen erinnern an die tödlich verunglückte Autofahrerin.Angelo Zambelli

Blumen und Kerzen erinnern an die tödlich verunglückte Autofahrerin.Angelo Zambelli

Eine geliebte Person stirbt auf der Strasse. Angehörige errichten eine Gedenkstätte mit Blumen und Kerzen. So auch an der Kantonsstrasse zwischen Koblenz und Rietheim. Ist das rechtmässig?

Ende Oktober starb auf der Ausserortsstrecke zwischen Koblenz und Rietheim eine junge Frau. Die 26-jährige Deutsche wollte in einer lang gezogenen Kurve einen Sattelschlepper überholen und kollidierte dabei mit einem entgegenkommenden Bus.

Angehörige und Bekannte der Frau haben in den Wochen nach dem Unglück ihrer Trauer vor Ort Ausdruck verliehen: Neben der Kantonsstrasse türmen sich Blumen, Kerzen und Abschiedsbriefe. Oft sieht man Besucher beim Unfallort – seien es trauernde Familienmitglieder oder neugierige Passanten auf der Suche nach dem Grund für das Blumenmeer.

Mehrere Leser haben sich bei der az gemeldet, mit der Frage, ob solche grosse und auffällige Gedenkstätten überhaupt erlaubt seien. Auch, dass sich zeitweise viele Besucher mit ihren Autos bei der Unfallstelle versammeln, die neben der viel befahrenen Strasse liegt, ruft Besorgnis hervor.

«Gedenkstätten werden toleriert»

«Es gibt keine entsprechenden Richtlinien oder Verordnungen», sagt Benno Schmid, Leiter Kommunikation beim kantonalen Departement für Bau, Umwelt und Verkehr. «Die Gedenkstätten werden toleriert, solange sie gepflegt und unterhalten werden.» Nur wenn die Verkehrssicherheit beeinträchtigt werde, schreite man ein: «Unsere Strassenmeister sind auf den Kantonsstrassen unterwegs und halten Ausschau.

Wenn sich jemand meldet und auf eine Gefahrenquelle hinweist, geht jemand vom Unterhaltsdienst vorbei und prüft die Lage», sagt Schmid. Man habe Verständnis für das Bedürfnis der Angehörigen, eine Trauerstätte zu errichten.

Laut Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, habe es bisher keine Reklamationen wegen der Gedenkstätte oder der Besucher gegeben. «Man kann diese Rituale nicht verbieten», sagt er. Probleme mit Gedenkstätten gebe es kaum. Pfister erinnert sich jedoch an einen Fall in Hausen bei Brugg: Die Angehörigen eines tödlich Verunglückten hatten neben der Autostrasse eine Gedenkstätte errichtet. «Es ist aber nicht gestattet, entlang von Autostrassen anzuhalten oder gar die Fahrbahn zu betreten», sagt Pfister. Dennoch: Das kleine Kreuz steht heute noch.

Die Situation an der Kantonsstrasse Koblenz–Rietheim ist laut Pfister unproblematisch, weil es Fussgängern erlaubt sei, sich auf dieser Ausserortsstrecke aufzuhalten. Jedoch: «Damit nicht noch weitere Unfälle passieren, sollte man sehr gut aufpassen und sich zu Fuss möglichst weit abseits der Fahrbahn bewegen.»

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