Böttstein

Bis zu 900 Einwohner sollen dereinst hier leben: BNO-Teiländerung für Quartier Grossacher liegt erneut auf

Statt Kieswerk und Industriehallen neu Wohnungen und Gewerbe: So könnte es dereinst aussehen auf dem Gebiet Grossacher in Kleindöttingen.Nightnurse Images

Statt Kieswerk und Industriehallen neu Wohnungen und Gewerbe: So könnte es dereinst aussehen auf dem Gebiet Grossacher in Kleindöttingen.Nightnurse Images

Bis zu 900 Einwohner und 500 Arbeitsplätze: Am Naturparadies am Klingnauer Stausee entsteht in den nächsten Jahren ein neues Quartier.

is zu 900 Einwohner und 500 Arbeitsplätze: Am Naturparadies am Klingnauer Stausee entsteht ein neues Quartier. Mit Einfamilienhäuschen, Wohnungen, Quartierladen, Geschäften, Büros und möglicherweise einem eigenen Kindergarten. Die Böttsteiner beschlossen im November die Teiländerung des Bauzonenplans und der Bau- und Nutzungsordnung mit der Entwicklungszone Grossacher im Dorfteil Kleindöttingen.

Die Referendumsfrist verstrich ungenutzt. Jetzt liegt die Teiländerung in der 3920-Seelen-Gemeinde nochmals auf. Nebst der Böttsteiner Bevölkerung haben nun auch Private und Organisationen ohne Stimmrecht im Dorf bis 13. Juni die Möglichkeit, Beschwerde einzureichen.

Seine Anfänge nahm das Projekt vor zwölf Jahren bei der Gesamtrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO), bei der das 7,6 Hektaren grosse Gebiet als Baureserve gesichert wurde − fünf Jahre vor der Annahme des Raumplanungsgesetzes. Bis jetzt verspürte das geplante Quartier zwischen Industriepark, Siedlungs- und Naturschutzgebiet kaum Widerstand. Weder bei der öffentlichen Auflage der BNO-Teiländerung 2019 noch bei deren Genehmigung an der Wintergmeind 2019.

Auch jetzt dürfte die öffentliche Auflage Formsache sein. So sagt Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau: «Das Vorhaben setzt um, was das Raumplanungsrecht vorsieht: Massnahmen zur besseren Nutzung brachliegender oder ungenügend genutzter Flächen in den bestehenden Bauzonen.» Pro Natura Aargau begrüsse auch alle Bestrebungen, den Aussenraum naturnah zu gestalten.

Zu bedenken gibt die Naturschutzorganisation jedoch, dass die Überbauung – wenn auch nicht von heute auf morgen – ein gewaltiges Wachstum bedeute. Die Natur als Erholungsgebiet würde stark belastet. «Pro Natura Aargau ist gerne bereit, zusammen mit Projektanten, Gemeinde und Kanton entsprechende Projekte umzusetzen», so Jenny. Birdlife war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

«Wachstum ist wichtig − für Schule, Vereine und Läden»

«Für Böttstein ist das Projekt ein Glücksfall und eine grosse Chance im Hinblick auf die Entwicklungsmöglichkeiten», sagt Amman Patrick Gosteli (SVP). «Denn Wachstum ist wichtig − für die Schule, Vereine, Läden und Dienstleistungsangebote im Dorf.» Er hofft auch darauf, dass sich so der tiefe Steuerfuss von 102 Prozent halten lässt. Die neue Boomgemeinde im Bezirk Zurzach, dessen Wachstum im Vergleich zum Kanton unterdurchschnittlich ist, will Böttstein aber nicht sein.

«Wir wollen nicht auf einen Schlag wachsen, sondern streben eine stetige Entwicklung an und haben deshalb im Entwicklungsrichtplan verträgliche Etappen festgelegt. Wir gehen von Fünf-Jahres-Schritten aus», sagt Gosteli. So könne die Gemeinde mithalten und Schritt für Schritt die benötigte Infrastruktur bereitstellen.

Die hohe Qualität sei wichtig, und zwar in vielerlei Hinsicht. So soll im Grossacher, wo bis Herbst 2021 die Holcim Kies und Beton AG Beton produziert, keine monotone Siedlung entstehen, betont Gosteli. «Es soll qualitativ hochstehender Wohnraum entstehen in Harmonie mit der Natur.» So verlangt die Gemeinde vom künftigen Bauherrn drei grüne Landstreifen, die Förderung der Biodiversität zwischen den Gebäudekomplexen oder naturnahe Versickerung von Regenwasser.

Zudem ist im Richtplan ein «sensibler Umgang mit dem Gebiet des Stausee-Dekrets» verankert. Will heissen: Sanfte Übergänge zwischen Beton und Natur sind Pflicht. Vorgegeben ist auch ein öffentlicher Zugang zum Stausee. Nicht zwingend, aber geplant ist ein kleiner Uferpark als Übergang zum benachbarten Birdlife-Naturzentrum.

Mit dem im Richtplan festgelegten Mix zwischen Einfamilienhäusern, Eigentums- und Mietwohnungen in verschiedenen Grössen will Böttstein sicherstellen, dass im neuen Quartier Grossacher mit bester Lage am Stausee kein Luxusviertel mit überteuerten Wohnungen entsteht. «Wir möchten eine gute Durchmischung mit allen sozialen Gruppen und Altersklassen − von jungen Menschen über Familien bis Senioren», sagt Gosteli. Ein Mobilitätskonzept soll die Verkehrsströme des öffentlichen sowie individuellen Verkehrs, Velos und Fussgängern sowie die Parkierung regeln und so ein Verkehrschaos rund um das neue Quartier verhindern.

Baustart für erste Etappe frühestens im Jahr 2023

In der aktuell aufliegenden BNO-Teiländerung geht es um formale Änderungen, dem Verbot von Tankstellen oder der Verpflichtung des Bauherrn zu ökologischem Ausgleich und einem Freiraumkonzept. Dieses wird nun ausgearbeitet. Gleichzeitig starten die Arbeiten am Mobilitätskonzept, danach an den Teilgestaltungsplänen, die aufgelegt werden. 2022 soll das Baugesuch folgen. Gosteli: «Das Ziel ist, 2023 mit dem Bau der ersten Etappe zu starten.»

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